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Thema: Open Source & Linux

Öffentliche Verwaltung

Open Source Software erobert die Amtsstuben

"Open Source Software-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung" nennt sich eine Publikation des Österreichischen Städtebundes, die vor wenigen Wochen erschienen ist. Sie ist der Beleg dafür, dass sich Open Source Software zu einer ernstzunehmenden Alternative für Bund, Länder und Gemeinden entwickelt hat. Anschaulich und praxisnah geschrieben ist die aktuelle Ausgabe der Schriftenreihe "Der Österreichische Städtebund informiert" auch für Unternehmen lesenswert.

Christian Henner-Fehr

Die Sache scheint auf den ersten Blick eindeutig. Open Source Software (OSS) ist das richtige Mittel, um die Vorherrschaft von Microsoft zu brechen. OSS ist billig, ja fast umsonst, der Kunde ist nicht mehr an einen Anbieter gebunden beziehungsweise diesem ausgeliefert und sicherer sind Open Source-Produkte auch. Klar also, dass jeder Umstieg als ein Sieg gegen den weltgrößten Softwarehersteller gefeiert wird. Doch dass es nicht ganz so einfach ist, zeigen die Autoren, in dem sie nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken des Einsatzes von OSS aufzeigen. Die wichtigsten Aspekte werden in insgesamt fünf Kapiteln behandelt und sorgen so für eine objektive Darstellung der Fakten, die IT-Verantwortliche bei der Einführung von OSS beachten sollten.

Was ist unter OSS zu verstehen und was unterscheidet sie von kommerzieller Software? Wenn wir in diesem Zusammenhang auch von "freier Software" sprechen, ist damit nicht der Preis gemeint, sondern der freie Zugang zum Quellcode, klärt Julia Reifensteiner ein weit verbreitetes Missverständnis auf. Von OSS sprechen wir dann, wenn die Software frei weitergegeben werden darf, das Programm den Quellcode beinhaltet und Veränderungen an der Software erlaubt sind.

Festgehalten werden diese Nutzungsfreiheiten in der Softwarelizenz. Während proprietäre Software den Usern nur ein eingeschränktes Nutzungsrecht zugesteht, geht es bei OSS darum, den freien Zugang zum Quellcode sowie Weitergabe und Veränderung der Software zu gewährleisten. Dies geschieht mittels freier Softwarelizenzen, wobei es mittlerweile eine Vielzahl an Lizenzmodellen gibt.

Am verbreitetsten, so die Autorin, ist die GNU General Public License (GNU GPL), die nicht nur den Zugang zum Quellcode, die Anfertigung von Kopien und deren Verbreitung erlaubt, sondern auch Änderungen sowie die Weitergabe der veränderten Programme möglich macht. Festgelegt ist in der GNU GPL darüber hinaus, dass veränderte Programme unter denselben Bedingungen weitergegeben werden müssen. Das so genannte "Copyleft" verbietet es dem Nutzer einer Software, eigene Einschränkungen hinzuzufügen. Es handelt sich also um eine Umkehrung der gängigen Prinzipien und Ziele des Urheberrechts.

Etwas anders funktionieren BSD (Berkeley System Distribution)-Lizenzen, ein Modell, das ursprünglich für von der Universität in Berkeley entwickelte Software entwickelt wurde. Im Unterschied zu GNU GPL muss hier der Quellcode nicht weitergegeben werden, das Modell eignet sich also sehr viel eher für die kommerzielle Nutzung eines Softwareproduktes.

Stärken und Schwächen von OSS

Nach welchen Kriterien kommt eine Entscheidung für oder gegen OSS zustande? Ronald Sallmann schafft im zweiten Kapitel eine Grundlage für all diejenigen, die vor der Frage stehen, ob sie OSS in ihrer Organisation einführen sollen. Für die Nutzung von OSS spricht nach Ansicht des Autors vor allem das Vorliegen des Quellcodes und der modulare Aufbau der Software. Während proprietäre Software "Software von der Stange" ist, bietet OSS die Möglichkeit der bedarfsgerechten Anpassung. Dies sieht Sallmann als ein großes Plus, sind doch gerade die Anforderungen der öffentlichen Verwaltung an eine Software oftmals sehr spezifisch.

Ein weiterer Vorteil ist die häufig genannte Unabhängigkeit von einem bestimmten Hersteller. Sallmann ist aber der Ansicht, dass diese Unabhängigkeit nicht überbewertet werden sollte, schließlich entstehen auch bei der Einführung und Nutzung von OSS neue Abhängigkeiten, etwa in Form externer Service- oder Supportleistungen. Die Herstellerunabhängigkeit fördert darüber hinaus offene Standards und garantiert so die Kompatibilität zu anderen Produkten. Daher lässt sich OSS auch in heterogenen Systemlandschaften einsetzen.

Im Unterschied zu proprietärer Software wird OSS, so Sallmann, relativ hohen Sicherheitsanforderungen gerecht, was einerseits daran liegt, dass auf Grund der noch geringen Verbreitung weniger Angriffe stattfinden. Andererseits arbeiten an der Entwicklung von Open Source-Produkten sehr viele Menschen mit. Innerhalb dieser Community werden Fehler sehr schnell gefunden, nicht zuletzt wegen der freien Verfügbarkeit des Quellcodes.

In der Regel argumentieren die Anhänger von OSS mit den geringeren Kosten der Software. Was die Anschaffungskosten betrifft, haben sie damit sicher Recht, so Sallmann. Aber für ihn ist es eine Illusion zu glauben, Open Source-Programme wären kostenlos. Es komme, so der Autor, nur zu einer Kostenverlagerung von den Lizenzkosten hin zu Personalkosten. Es ist also gar nicht sicher, ob man bei der Verwendung von OSS günstiger aussteigt als mit proprietärer Software.

Und dann muss erst einmal ein geeignetes Open Source-Produkt gefunden werden, denn Sallmann konstatiert einen Mangel an fachspezifischen Anwendungen, wie sie die öffentliche Verwaltung benötigt. Hat man dann ein Produkt gefunden, muss man sich vor Augen halten, dass es für die Software keine Herstellergarantie und keine Produkthaftung gibt. In der Regel behelfen sich Organisationen durch den Abschluss von Serviceverträgen, die mit dem Aufkommen von OSS immer mehr Dienstleister anbieten.

Nicht vernachlässigen darf man, so der Autor, den höheren (Migrations)-Aufwand für die Systemadministration und die Anwender. OSS ist in der Regel wenig benutzerfreundlich, ein entsprechender Umschulungsaufwand muss also berücksichtigt werden. Die daraus resultierenden Kosten können erheblich sein und einen Umstieg unrentabel machen.

Nicht nur wirtschaftliche Kriterien, auch rechtliche Fragen gilt es bereits im Vorfeld zu lösen. Nachträglich auftauchende Rechtsunsicherheiten können hohe Kosten verursachen oder zu einem erneuten Softwarewechsel führen. Die öffentliche Verwaltung muss in dieser Hinsicht besonders sensibel sein und kann sich Lizenzstreitigkeiten nicht leisten.

Bei allem Für und Wider ist doch unbestritten, dass OSS für die öffentliche Verwaltung zu einer interessanten Alternative geworden ist. Sie hat eine Konkurrenzsituation geschaffen, die für die Nutzer von Software vor allem Vorteile bringt. Welche das sind, hängt von der jeweiligen Situation der Organisation ab. Worauf dabei zu achten ist, haben die Autoren der Schriftenreihe des Österreichischen Städtebundes sehr übersichtlich und verständlich beschrieben. Die Voraussetzungen für ein objektives Abwägen der Vor- und Nachteile sind also gegeben.

Die Publikation "Open Source Software - Einsatz in der öffentlichen Verwaltung" kann im Sekretariat unter Tel.: 01-4000-89980 oder post@stb.or.at als Hard-Copy oder pdf-File kostenlos angefordert werden. Im Web kann sie unter http://staedtebund.wien.at/de/oss/ergebnis.html heruntergeladen werden.

 

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