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Netz & Telekom

Interview mit Joachim Grendel, Boston Consulting Group

"Österreich muss sich internationalen Anforderungen stellen"

UTA von Tele2 geschluckt, aus Eunet, Tiscali und Nextra wird Eunet neu, Comquest wandert zu eTel - die Verdichtung am österreichischen Telekom-Markt schreitet munter fort. Wie sieht die Zukunft aus? Monitor Autorin Christine Wahlmüller sprach darüber mit Joachim Grendel, Telekom-Experte der Boston Consulting Group.

Herr Grendel, wie sehen Sie die Entwicklung des österreichischen Telekom-Marktes 2005?

Kurz zusammengefasst: Telekommunikation ist länder- und grenzenüberschreitend. Die Anbieter - auch die österreichischen - müssen sich den internationalen Anforderungen stellen. Der Wettbewerb wird noch zunehmen, der Verdichtungsprozess ist noch nicht zu Ende. Als ersten Schritt hat jetzt Tele2 UTA gekauft, und so wird es auch weitergehen. Bei den Mobilfunkunternehmen wird dies in 2005 wahrscheinlich noch nicht geschehen, da wird es erst in zwei bis drei Jahren - auch nach Klärung der regulatorischen Fragen - eine Übernahme geben. Interessant ist die österreichische Preisentwicklung im Mobilfunk, zusammenhängend mit dem starken Wettbewerb, diese Situation gibt es anderswo nicht in dieser Form.

Wird sich 2005 die Preisspirale für TK-Leistungen weiter nach unten bewegen?

Mit Sicherheit bei den Breitband-Produkten, denn da ist der Markt heiß umkämpft. Österreich ist ja in punkto Breitband etwas zurückgefallen. Alle Anbieter adressieren jetzt aber dieses Thema. Vor allem Tele2/UTA, aber auch die Kabelbetreiber wie UPC werden da sicher 2005 Druck erzeugen.

Wird VoIP 2005 ein ähnlich starkes Zugpferd wie Breitband?

Das ist klar segmentspezifisch zu sehen: Im Businessbereich haben viele Unternehmen ja bereits die Vorteile erkannt, und alle großen und mittelgroßen Firmen nutzen VoIP schon heute sehr intensiv. Um neue Kunden zu gewinnen, geht es jetzt eher darum, sich auf KMUs und Privathaushalte zu konzentrieren. Mit zunehmender Verbreitung von Breitband-Internet wird aber auch hier VoIP ein Thema werden. Dabei kommt es wiederum darauf an, wie die Telekom Austria und die Kabelnetzbetreiber ihre Breitbandpolitik gestalten.

Stichwort Mobilfunk, welche Entwicklung sehen Sie da, z.B. auch in punkto mobile Zusatzdienste?

Der Preisverfall im Mobilfunkbereich ist noch nicht am Ende. Am österreichischen Markt herrscht ein sehr intensiver Wettbewerb, da ist es z.B. in Osteuropa einfacher, weil es dort viel weniger Anbieter gibt. Was die mobilen Zusatzdienste betrifft, werden sie sich im Privatkundenbereich nur sehr langsam und erst langfristig, in etwa drei bis fünf Jahren, durchsetzen. Bei den Businesskunden allerdings ist schon früher mit einer Nutzung dieser Dienste zu rechnen.

Was sehen Sie insgesamt für Produkttrends?

Wie gesagt, Breitband, VoIP, und außerdem wird das Handy bzw. Mobilfunk weiter stark als Technologie genutzt werden. Da die Preise für das mobile Telefonieren so niedrig sind, ist der Anreiz für VoIP im Mobilfunkbereich sehr gering. Mobilfunker werden daher wenig Interesse haben, VoIP einzuführen.

Welcher Betreiber ist für Sie 2005 am spannendsten?

Mit Sicherheit Tele2/UTA. Ich finde das Geschäftsmodell bei Tele2 sehr interessant. Sie ist mit Festnetz-Telefonie groß geworden, dann kam Internet dazu, jetzt auch noch Mobilfunk. Man wird sehen, wie Tele2 die Änderung ihres kapitaloptimierten Geschäftsmodells nach der Akquisition von UTA verkraften wird.

Welche Chance hat Österreich im internationalen Umfeld?

Die Telekommunikation insgesamt wird zunehmend internationalisiert. Der Konsolidierungsprozess wird sich nicht nur in Österreich, sondern auch insgesamt in Europa fortsetzen. Was das für die österreichischen Anbieter bedeutet, ist langfristig eine Eingliederung bzw. Integration in europäische Konzerne. Die Telekom Austria hat es geschafft, sich in Osteuropa gut zu positionieren und Osteuropa ist ein wachsender, ausbaufähiger Markt.

www.bcg.com

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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