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Studie: Telearbeit in kleinen und mittleren Unternehmen

Chance für Klein- und Mittelbetriebe: Frauen als Teleworker

Zumeist Männer in großen Unternehmen waren die bisherigen Nutznießer von Telearbeit in der IT-Branche. Das könnte auch anders sein. Auch für Klein- und Mittelbetriebe und vor allem Frauen kann Telearbeit von Vorteil sein, überlegten Vertreter der Wirtschaftskammer und des Fachverbands Unternehmensberater und Informationstechnologie (UBIT). Diese Strategie wurde beim Projekt "IKT für Frauen im Südburgenland" überprüft und für ausbaufähig befunden.

Christine Wahlmüller

Was hält Frauen oft von einer (qualifizierten) Tätigkeit ab? - Richtig geraten, Kinder und damit verbunden Zeitmangel. Denn so lange die Kindergärten (v.a.) im ländlichen Bereich überhaupt nur vormittags geöffnet sind, haben Frauen einfach keine Möglichkeit, an einen Job auch nur zu denken. Abhilfe könnte da der Einsatz von Telearbeit bringen, heißt es in einer neuen von der EU geförderten EQUAL-Studie im Rahmen des Projekts "IKT für Frauen im Südburgenland".

"Telearbeit bringt gerade auch für KMUs große Vorteile", betonte Friedrich Bock, Obmann des Fachverbands UBIT bei der Präsentation des Studienbands Anfang Februar in Wien. Für Bock sind neben der Standortsicherung durch Telearbeit auch Aspekte wie Breitband-Internet-Versorgung, überhaupt der Einsatz modernster Technologie (vom Laptop bis zum Handy), die Stärkung der Kompetenzen der Klein- und Mittelbetriebe durch qualifizierte Beratung, die gestiegene Motivation der Mitarbeiter und insgesamt die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie von Bedeutung. Grundsätzlich zeigten die burgenländischen KMUs auch Interesse für Telearbeit: "Wir haben aber einen echten Erfahrungsmangel und Wunsch nach qualifizierter Beratung bemerkt", berichtete Studienautorin Reingard Ohnewein, selbst via Telearbeit bei Siemens Österreich beschäftigt.

Beratung in KMUs gefördert

Von 2002 bis 2004 wurde daher intensiv versucht, erstens KMUs in punkto Telearbeit zu informieren und aufzuklären, zweitens Telearbeit konkret in Betrieben einzuführen und drittens daraus Erfahrungen zu gewinnen. Beim Projekt selbst wurde der Einsatz von Unternehmensberatern gefördert. Dabei wurde untersucht, welche Arbeit sich überhaupt für Telearbeit eignet und welche technische Infrastruktur dabei notwendig ist. In zweitägigen Workshops mit Unternehmensberatern, Unternehmen und potentiellen Telearbeiterinnen wurde dann eine Lösung erarbeitet.

"Wir haben auch bemerkt, dass es vor allem dienstrechtliche Fragen sind, die auftauchen", schilderte Ohnewein aus der Praxis. So wurde im Zuge des Projekts auch ein Dienstzettel, speziell für Telearbeiter ausgearbeitet, der z.B. auch beinhaltet, wie viel Zeit oder wann ein/e Mitarbeiter/in zu Hause bzw. im Büro arbeitet. 200 Unternehmen wurden kontaktiert, 20 Beratungen wurden durchgeführt, insgesamt nur sechs Frauen konnten dann im Projekt auf Telearbeit "umsteigen".

Beispiel Steuerberatungskanzlei

"Ohne Telearbeit wäre eine Berufstätigkeit in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen", zeigte sich Teilnehmerin Elke Theissl-Schulmeister über die neue Arbeitsform sehr zufrieden. Sie arbeitet in einer siebenköpfigen Steuerberatungskanzlei im Südburgenland mit sechs Frauen und einem Mann. Ihr Beispiel gilt als Pilotprojekt für die anderen Kolleginnen, die ebenfalls gerne die Möglichkeit der Telearbeit in Anspruch nehmen wollen. Die Burgenländerin hat zwar keine Kinder, absolviert aber zur Zeit die Ausbildung zum Steuerberater, die in Wien stattfindet. Ihre Lösung: Sie mietete eine Wohnung in Wien und ist mit Laptop und Internet-Anschluss für Teleworking optimal ausgestattet. Aber auch zu Hause in Rechnitz arbeitet sie per Computer und ADSL-Internet-Anschluss für die Firma z.B. am Abend oder am Wochenende. "Die Arbeitszeit ist jetzt flexibler, allerdings ist eine gute Organisation und Selbstdisziplin notwendig", resümiert Theissl-Schulmeister ihre Erfahrungen.

"Das Projekt hat gezeigt, dass Teleworking nicht für alle, aber für bestimmte Branchen wie Steuerberater, Notare, den Kreativ-Bereich wie etwa Webdesigner, Werbefachleute, insgesamt für viele Dienstleistungsbetriebe ein Thema sein kann", ist Studienautorin Reingard Ohnewein überzeugt. "Vorausgesetzt, die Unternehmen sind bereit, das Arbeiten von zu Hause auch zuzulassen. Und die Mitarbeiter/Innen erfüllen ihre Aufgaben, egal ob im Büro oder zu Hause." Telearbeit ist jedenfalls bereits eine gewisse Größe im Arbeitsalltag: Von den knapp 4 Mio. Erwerbstätigen in Österreich arbeitet rund ein Zehntel von zu Hause (Quelle: Statistik Austria, Jahr 2003).

Studie: Telearbeit in kleinen und mittleren Unternehmen, (Hg.) WKO Burgenland. Eisenstadt. Dezember 2004, 119 Seiten. Bestellung kostenfrei unter ubit@wko.at weitere Informationen: www.ubit.at

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Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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