Andreas Roesler-Schmidt
So richtig leicht ist es in letzter Zeit für mich nicht. Zumindest was PDAs angeht. Ich habe mich ja an dieser Stelle bereits in der Vergangenheit zum Palm OS bekannt, da ich mich weder mit der Oberfläche noch einigen anderen Dingen an Geräten mit Microsofts Pocket PC Betriebssystem abfinden will. Doch manchmal brauche ich wirklich Durchhaltevermögen.
Die besten Zeiten scheint das Palm OS hinter sich zu haben, musste selbst ich als Palm-Veteran manchmal denken. Lange gab es kein zeitgemäßes Gerät mehr. Dann kam ein Lichtblick - in Form von Sonys Clié TH55, dem ersten wirklich guten Palm OS Gerät nach einer langen Serie von zwar innovativen, aber praxisfremden Modellen aus demselben Haus. Aber was machte Sony, von dem ich hoffte, es würde der Rolle als Innovationsmotor für Palm gerecht? "Für Europa gibt es keine PDAs mehr" hieß es aus heiterem Himmel. Sinngemäß erklärte man: "Wir wissen eigentlich nicht, was die Konsumenten wollen, ob Smartphones, PDAs oder etwas anderes. Daher machen wir jetzt erstmal gar nichts mehr."
Damit könnte ich gut leben, hätte ich mir rechtzeitig einen TH55 gekauft. Habe ich aber nicht - und von dem Gedanken "Vielleicht bekomme ich ja bei Ebay einen" kam ich schnell wieder ab, weil ich Ebay ganz einfach nicht mag. Also arbeite ich immer noch mit meinem Steinzeit-Clié aus dem Jahre 2001, dessen Display immer unlesbarer wird, und wende mich wieder Palm zu - inzwischen PalmOne, da ja von Sony nichts mehr zu erwarten ist.
Außerdem stellte ich mich auch darauf ein, dass damit meine MemorySticks obsolet werden. Denn Palm verwendet ja SD-Cards. Und bei Palm würde ich ja auch bald wieder landen, wenn sie ihr neues Topmodell auf den Markt bringen - dachte ich, bis es wirklich kam - in Form des Tungsten T5.
Jetzt aber zum Test...
Eigentlich könnte ich über den T5 ja auch nur positives sagen - wäre da nicht dieser kleine aber unverzeihliche Fehler: Er hat nur Bluetooth, aber kein Wireless LAN eingebaut. Was hat bloß die Verantwortlichen bei PalmOne geritten, als sie entschieden, im Jahre 2005 ein Top-Modell (!) auf den Markt zu bringen, das kein WLAN unterstützt?
Dass gerade einem US-Unternehmen die Tatsache entgeht, dass Menschen WLAN-Hotspots zum Arbeiten nützen, ist unbegreiflich. Wäre ich masochistischer veranlagt, würde ich schon aus Protest zu einem Pocket PC mit WLAN wechseln. Der erste wäre ich ja nicht - rund zehn Prozent weniger Geräte als 2003 konnte PalmOne laut Gartner 2004 verkaufen (allerdings immer noch mehr als alle anderen Hersteller). WLAN lässt sich dem Gerät nur über eine extra zu kaufende SD-Karte hinzufügen - eine Lösung, die für ein Einsteigermodell sogar akzeptabel wäre.
Sonst ist der T5 hervorragend: Das perfekte Display (480x320) lässt sich für viele Anwendungen auch im Querformat nutzen. Dank ausreichend Rechenpower kann man auch flüssig zwischen Hoch- und Querformat wechseln. Palm OS-gemäße Bedienerfreundlichkeit wird durch hervorragende Einhandbedienung mit dem bereits etablierten 5-Wege-Navigator ergänzt.
Für Palm-Verhältnisse ist er vor allem ein Speicherriese: 160 MB nicht flüchtiger Flash-Speicher für Daten sowie 55 MB Programmspeicher sind gigantisch. Genial dabei: Der T5 lässt sich als USB-Laufwerk betreiben. So lassen sich Daten nicht nur durch synchronisieren aufs Gerät bringen. Unterwegs kann man per USB-Kabel Dateien mit jedem PC austauschen, ohne Software darauf installieren zu müssen. Dank Documents ToGo kann man so erhaltene Powerpoint-Dateien betrachten, sowie Word- und Excel-Files bearbeiten (anders als am Pocket PC bleiben die Formatierungen dabei auch tatsächlich erhalten).
Eigentlich müsste PalmOne eine Rückrufaktion starten und sämtliche T5 mit WLAN ausstatten. Dann nämlich wäre er der perfekte PDA. Wer auf WLAN verzichten kann, findet im T5 auch so einen leistungsfähigen Begleiter. Meine Palm-Odyssee hingegen geht weiter - vorerst immer noch mit Steinzeitgerät.




1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 