Historisch Interessierte erinnern sich noch an die gute alte ifabo am heute glücklicherweise nicht mehr genutzten alten Wiener Messegelände. Was gab es da nicht für politisch unterstützte Scharmützel zwischen der Stadt Wien und dem wackeren ehemaligen Messechef Alfred Waschl, der die Messe ins ungünstige Jahr 2000 nach dem New Economy-Crash führen musste.
Im Jahr darauf war es schon die Reed Messe, die die ifabo auf Vordermann bringen wollte - und daran scheiterte. Über die folgenden Projekte (eine Messe namens "enter") wollen wir lieber den Mantel des Schweigens breiten.
Man darf nicht vergessen, dass an all der Verwirrung über die ifabo die Fachmesse exponet ihren starken Anteil hatte. Der deutsche Veranstalter DC Messe hatte den Zeitgeist richtig gedeutet und ging mit dem Konzept weg von der Publikumsmesse. Doch auch hier stimmte einiges nicht: Der Standort, die Frequenz, die wechselnde Branchenstimmung, die zu kleinen Kreise des österreichischen Fachpublikums.
Heuer ist die Situation erstmals so, dass zwei Messen exakt zur gleichen Zeit stattfinden: Die exponet und die Post-post-Ifabo "ITnT" der Reed Messe. Der innere Sinn dieser Gleichzeitigkeit erschließt sich nicht sofort, man möchte an ein direktes, radikales Konkurrenzverhältnis denken, bei dem die Aussteller und Besucher am Ende möglicherweise sogar auf der Strecke bleiben könnten. Aber so wird es wohl nicht gemeint sein. Hoffentlich.
Was Österreich von den beiden gleichzeitigen Messen haben wird, ist, dass wieder einmal eindringlich über Notwendigkeit und Nutzen von IT-Branchenmessen geredet wird. Die großen Unternehmen mit Messekonzepten zufriedenzustellen, ist - wie die Vergangenheit gelehrt hat - ja nicht so einfach. Aber andererseits wollen sie bis auf wenige Ausnahmen auch nicht darauf verzichten, sich in ihrer ganzen Pracht im Konkurrenzumfeld zu präsentieren. Bei allem Geraunze - am Ende haben IT-Messen ja doch einen gewissen Charme der Innovation und des Neuartigen. Gelingt es auch nur einer der beiden Konkurrenzmessen, diese Stimmung dem Publikum zu vermitteln, dann ist schon viel erreicht.



1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 