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Netz & Telekom

Telekommunikation in der Türkei

Türkei: Telekommunikationssektor mit großem Potential

Betrachtet man die Entstehungsgeschichte der Kommunikationsbranche in der Türkei, lassen sich eindeutige Parallelen zu anderen Ländern ziehen. Errichtet und ausgebaut von der staatseigenen Monopolgesellschaft PTT (Post-Telegraph-Telefon) war der türkische Telekommunikationssektor bis in die 90er Jahre hinein fest in PTT Händen.

Berna Yilmaz

Doch war auch in der Türkei in jener Zeit die allgemeine Tendenz zur Privatisierung deutlich zu spüren. Insbesondere durch den starken Druck des IWF wurden schlussendlich die Dienstleistungen der Post und der Telekommunikation voneinander getrennt, so dass im Jahre 1996 die Kommunikationsdienstleistungen von der Türk Telekom AG übernommen werden konnten. Der dadurch ausgelöste Prozess sollte für den Telekom-Sektor ausgesprochen turbulent verlaufen. Neben der Trennung der bis dahin von der PTT erbrachten Post- und Telekom-Dienstleistungen wurden den ersten auf privater Kapitalbasis wirtschaftenden Gesellschaften in diesem Bereich - Telsim und Turkcell - GSM-Betriebslizenzen übertragen. Ein Schritt, der den Beginn einer harten Wettbewerbsphase in dem gerade erst im Entstehen befindlichen GSM-Bereich bedeutete.

Konkurrenz auch im Festnetzmarkt

Zur gleichen Zeit entstand ein weiterer Sektor, der nicht nur das Arbeitsleben sondern das gesamte gesellschaftliche Leben stark beeinflussen sollte: Das Internet. Die Bereitstellung von Internet-Dienstleistungen basierte ganz auf privatwirtschaftlichen und wettbewerbsorientierten Prinzipien. Ebenso wie im GSM-Sektor galt es hier, die entstehenden Vorteile in neue Chancen umzuwandeln. Zu Beginn des Jahres 2000 erforderten die Entwicklungen in diesem Bereich die Einführung bestimmter Regulierungen. Zu diesem Zweck wurde mit Hilfe von gesetzlichen Bestimmungen die auf einen freien Wettbewerb ausgerichtete Gesellschaft für Telekommunikation gegründet.

Zwar wurde noch 2004 mittels neuer Verfügungen das Fernsprechmonopol der Türk Telekom auf nationaler wie auf internationaler Ebene garantiert, die Verfügung bezüglich der Fernverbindungen strebt jedoch rechtlich in letzter Konsequenz eine freie Wettbewerbssituation auch auf dem nationalen Festnetzmarkt an. Obwohl der Weg für die Vergabe von Lizenzen für die Dienstleistungen auf dem Gebiet der Fernverbindungen vom gesetzlichen Standpunkt aus geebnet wurde, sind gerade jetzt, da diese Unternehmen konkret ihre Tätigkeit aufnehmen wollen, aufgrund der Preisminderungen der Türk Telekom von bis zu 80% bei den internationalen Gesprächen heiße Diskussionen entbrannt. Bisher haben 21 Betreiberunternehmen Lizenzen erworben. Es wird, den vorliegenden Daten gemäß, allerdings nicht zu vermeiden sein, dass sich innerhalb von ein bis zwei Jahren ihre Zahl auf drei oder vier reduziert. Andererseits wird es für die Zukunft des Sektors von großer Bedeutung sein, wie sich das derzeit auf ca. 3.000 US$ pro Kopf gesunkene Nationaleinkommen entwickelt. Positive Tendenzen beim Nationaleinkommen werden den Telekommunikationssektor unweigerlich höchst vorteilhaft beeinflussen.

Die Türk Telekom

Die Türk Telekomünikasyon AG, das erste und naturgemäß größte Unternehmen auf diesem Gebiet in der Türkei, steht mit seiner Kapazität von fast 21 Millionen und seinem bestehenden Netz von 19 Millionen Kunden in der Welt an 13. Stelle der Betreiberunternehmen. Die Türk Telekom hat einen Jahresumsatz von ungefähr 4 Milliarden US$ und 64.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen besitzt 70.000 öffentliche Fernsprecher und strebt bis zum Ende des Jahres eine Million Breitband-ADSL-Nutzer an.

Obwohl ihr Umsatz gesunken ist, hat die Türk Telekom, welche die gesamte Leitungen im Lande innehat, im Gegensatz zu den nationalen Telekom-Gesellschaften in den europäischen Ländern (wie die Telekom Austria, Deutsche Telekom, France Telecom, British Telecom u. a.) fast keine Schulden. Das größte Hindernis für die Türk Telekom, eines der größten Unternehmen der Türkei, ist ihr hoher Bestand an nicht-qualifizierten Mitarbeitern und, was noch gravierender ist, ihre wenig dynamische Führungsstruktur. Die Schwierigkeiten bei der Investition in neue und besser bezahlte Dienstleistungen stellen ein weiteres großes Hindernis dar.

Der türkische Mobil-Telefon-Markt

Der Mobilnetzbetreiber Aycell, den die Türk Telekom mit großen Erwartungen und unter Entrichtung einer hohen Lizenzsumme erworben hat, hat sich mit der italienischen TIM-Gruppe zusammengeschlossen und trägt jetzt den Namen AVEA. Nach dem Zusammenschluss von Aycell und Aria hat sich die Zahl der in der Türkei im Einsatz befindlichen GSM-Betreiber auf drei verringert. Der größte unter ihnen, die Firma Turkcell, weist inzwischen, zusammen mit Çukurova Holding und Fin Sonera, 20 Millionen Kunden auf. Das Unternehmen hat sich erfolgreich an Ausschreibungen im Iran und in der Ukraine beteiligt und ist in Ländern wie Moldawien, Kasachstan, Aserbeidschan und der Türkischen Republik Nordzypern als Betreiber tätig. Turkcell ist nicht nur die größte Betreiberfirma in der Region, sondern zählt auch zu den zehn größten Betreiberunternehmen der Welt.

Telsim, mit 6,5 Millionen Kunden die zweitgrößte Betreiberfirma auf dem Markt, soll im Jahre 2005 verkauft werden. Telsim steht unter den ungefähr 600 GSM-Unternehmen an 18. Stelle. Die drittgrößte Betreiberfirma, Avea, weist rund vier Millionen Nutzer auf. Ihre Eigentümerstruktur: Die Türk Telekom hält 40%, die Telecom Italia ebenfalls 40% und die Türkiye Is Bankasi 20% ihrer Anteile.

Von 1998 - als die ersten Lizenzen vergeben wurden - bis 2001 erlebte der GSM-Sektor einen enormen Aufschwung. Die im Jahre 1999 zunächst vorübergehend eingeführten, im Jahre 2004 hingegen gesetzlich festgelegten Steuern bedeuten allerdings eine schwere Belastung für den Sektor. Wenn man bedenkt, dass anderswo in der Welt die Steuerlast bei rund 20% liegt, die vergleichbare Belastung in der Türkei aber 65% beträgt, ist leicht zu erkennen, dass sich dieser Bereich auf kürzere Sicht wohl kaum erholen kann.

Privatisierungsprozess in Gefahr

Kurz gesagt droht der Privatisierungsprozess in der Türkei unter den anhaltenden Diskussionen über das Ob und das Wie zu ersticken. Die sich in den vergangenen 20 Jahren endlos hinziehende Privatisierung der Türk Telekom hat viel dazu beigetragen, ihren Wert nach unten zu drücken. Insbesondere der Faktor des schlechten Timings, die Art und Weise der Leitung des Unternehmens, die Investitions- und Beschäftigungspolitik und schließlich der Verkauf des Mobilbetreibers haben in diesem Zusammenhang eine große Rolle gespielt. Betrachten wir die Firmen, die sich für den Verkauf der Türk Telekom interessieren, findet man als einziges großes ausländisches Betreiberunternehmen nur die Telecom Italia. An der Avea, an der die Türk Telekom mit 40% beteiligt ist, besitzt auch die Telecom Italia einen Anteil von 40%. Wenn die Telecom Italia nun die Türk Telekom aufkauft, wird sie gleichzeitig die Avea zu 80% besitzen.

Die Aussicht, dass ein Festnetzbetreiber, der gleichzeitig Inhaber eines Mobilbetreiberunternehmens ist, das gesamte Telefonleitungsnetz in der Hand halten könnte, gibt natürlich Anlass zu ernster Kritik. Der größte GSM-Betreiber der Türkei, Türkcell hat diese Problematik erkannt und bemüht sich daher ebenfalls um die Türk Telekom.

Diese Fehler, seien sie nun bewusst oder unbewusst gemacht worden, stellen ein großes Hindernis für die Privatisierung der Türk Telekom dar. Bevor es nicht gelingt, die Wettbewerbsbedingungen in der Türkei einer gründlichen Regulierung zu unterziehen, und die Gesellschaft für Telekommunikation, welcher eben diese Regulierungsfunktion übertragen wurde, aus dem Einflussbereich der Politik herauszuhalten, ist nicht zu erwarten, dass die Privatisierung der Türk Telekom positive Ergebnisse aufweisen wird.

Zulieferer in der Telekommunikation

Mit dem Wachstum des Telekom-Sektors wird auch das Wachstum der einschlägigen Produktionskapazitäten einhergehen. Hinsichtlich der Produktion von Kabel, besonders von Lichtwellenleitern, verfügt die Türkei über große Kapazitäten in der Region. Bei der Produktion von Büro-Telefonzentralen und deren Export ist ebenfalls eine Steigerung zu verzeichnen. Andererseits haben die rasanten Entwicklungen auf dem GSM-Sektor bewirkt, dass in der Türkei ein bedeutendes Potential geschaffen werden konnte. Das auf diesem Gebiet verfügbare Angebot ist beachtlich. Allerdings nutzten die Telekom-Provider bisher entsprechende Software nicht in ausreichendem Maße, weswegen hier eine große Lücke im Angebot klafft. In der Türkei, die eine gut ausgebildete junge Bevölkerung aufweist, gleichzeitig aber auch eine hohe Zahl von Arbeitslosen, werden die Absatzmöglichkeiten auf dem Software-Sektor als vielversprechend angesehen. Die entsprechende Nachfrage fehlt aber noch.

Auch auf dem Gebiet der Einsatzmöglichkeiten von Call Centers hat sich vieles getan. Die Bedeutung dieses Bereiches ergibt sich aus dessen weltweit reichenden Serviceleistungen, sowie daraus, dass er gute Beschäftigungsperspektiven eröffnet.

Ein weiteres wichtiges Thema in der Türkei ist der internationale Fernsprechverkehr. Derzeit wird der internationale Verkehr mit Hilfe der internationalen Tiefseekabelbetreiber (wie SMW1, SMV3) abgewickelt, an denen die Türk Telekom zu 85% beteiligt ist. Obwohl die vorhandenen Kapazitäten derzeit ausreichend sind, besteht die Möglichkeit, sie noch zu erhöhen. Allerdings war bis 2004 eine eindeutige Feststellung des illegal transportierten internationalen Telefonverkehrs nicht möglich, es wird jedoch angenommen, dass es sich hierbei um fast die Hälfte des von Türk Telekom transportierten Verkehrs handelt.

Die Zukunft des türkischen Telekommunikationssektors ist in einer Region, in welcher sich die Gewichte immer stärker zugunsten der Türkei verschieben können, als positiv anzusehen. Der Telekommunikations-Sektor hat jedenfalls gute Expansionschancen: Sowohl die große Zahl von gut ausgebildeten Arbeitskräften, die wachsende Zahl von Providern sowie Firmen, die im Lande produzieren und sich nach außen hin öffnen, ebenso wie gute politische Beziehungen innerhalb der Region bilden eine gute Ausgangsbasis.

Ausblick

Wenn sich die Gesellschaft für Telekommunikation mit konstruktiver Unterstützung durch die Politik von der zurückhaltenden und zögerlichen Haltung, die sie seit ihrer Gründung an den Tag gelegt hat, verabschieden könnte, wäre sie, wie ja gesetzlich (Gesetz Nr. 4502) vorgesehen, imstande, die Monopol-Stellung der Türk Telekom zu zügeln. Damit würde der Telekommunikations-Sektor in der Türkei von seiner Leichenstarre befreit, was zu einem ähnlichen Aufschwung führen könnte wie er von 1985 bis 1992 im Bereich des PSTN und von 1998 bis 2001 auf dem GSM-Sektor zu verzeichnen war. Entwicklungen wie diese würden die Unternehmen auf dem Telekom-Sektor, aber auch die Produktionsfirmen, in die Situation versetzen, jene frische Brise wieder zu verspüren, die zwischen 1985 und 1992 schon einmal geweht hat. Von den gesellschaftlichen Vorteilen des Telekommunikations-Servicebereichs einmal abgesehen, würde eine solche Entwicklung die Wirtschaft ankurbeln und die Arbeitsmarktlage positiv beeinflussen und somit schließlich die im Lande derzeit noch schlummernden umfassenden Potentiale aktivieren.


MIS für den türkischen Markt gerüstet

Seit Anfang 2004 verantwortet MIS Austria, Business-Intelligence-Anbieter in Österreich, die Erschließung der Region Central and Eastern Europe (CEE). Neben Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien zählt die Türkei zum Zielmarkt, der über ein indirektes Vertriebsmodell bearbeitet wird. Als türkischer Partner konnte unter anderem der Beratungsspezialist nexum bogazici in Istanbul gewonnen werden. "Unsere Strategie in der Region CEE besteht darin, Lösungen über hoch qualifizierte lokale Partner wie die nexum bogazici in Istanbul, zu vertreiben und zu implementieren. Darin bestätigen uns eine rege Nachfrage nach Lösungen für Budgetierung und Risk-Management sowie erste Projekterfolge", freut sich Michael Wilfing-May, Geschäftsführer von MIS Austria.

"Das umfangreiche Lösungsportfolio der MIS erfüllt sämtliche Anforderungen unserer Kunden und Interessenten. Darüber hinaus kommt uns das kooperative MIS Partnermodell sehr entgegen. Wir freuen uns, mit MIS einen starken strategischen Partner für Business Intelligence und Corporate Performance Management gefunden zu haben", ergänzt Dr. Joachim Behrendt, CFO der nexum bogazici in Istanbul.

Das Beratungsunternehmen nexum bogazici, ein deutsch-türkisches Jointventure, wurde 2001 gegründet und verfügt inzwischen über mehr als 100 Kunden. "Wir sehen die Türkei als interessanten Wachstumsmarkt und sind fest davon überzeugt, dass die Nachfrage nach BI- und CPM-Lösungen in den kommenden Jahren stark anziehen wird", erläutert Behrendt seine langfristig ausgerichtete Geschäftsstrategie. Derzeit sei das Interesse türkischer Unternehmen nicht nur auf Reporting-Lösungen beschränkt, sondern richte sich zunehmend auch auf Anwendungen für Budgetierung, Konsolidierung oder Risk-Management. Namhafte Unternehmen werden sich sukzessive an internationalen Standards orientieren, was insbesondere im Bereich der Financial Applications zu spüren sein wird, so die Einschätzung Behrendts.

Auch Mag. Stefan B. Weixelbam, Senior Partner Manager von MIS Austria, rechnet mit guten Absatzchancen für Business-Intelligence-Software: "Die türkische Wirtschaft ist eine der volatilsten in Europa, und viele Firmen hinken Best-Practice-Lösungen in der Unternehmensführung Jahre hinterher. Nichtsdestotrotz sind gute Ansätze und Bemühungen erkennbar, sich westeuropäischen Standards anzunähern. Zum Beispiel erwarten wir einen Boom bei der Konzernkonsolidierung, weil börsennotierte türkische Unternehmen ihre Abschlüsse ab 2005 nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) aufstellen müssen. Dann wird es sich auszahlen, dass wir mit unseren Lösungen bereits im Markt etabliert sind".

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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