Patrick Keller
Um das Angebot von Microsoft strukturiert vorstellen zu können, orientiert sich dieser Artikel an dem Architekturmodell von BARC. Dieses Modell wird in dem Dokument "Business Intelligence: Systeme und Anwendungen" auf www.barc.de detailliert erklärt und kann kostenfrei herunter geladen werden. Nach diesem Modell besteht eine Business-Intelligence-Anwendung aus den drei Hauptkomponenten Vorsysteme, Data Warehouse und Anwenderwerkzeug, dazwischen stehen die beiden Prozesse der Datenintegration und Datenaufbereitung. Ein Großteil der hier genannten Produkte ist Bestandteil des SQL Servers von Microsoft und wird zusammen mit diesem ausgeliefert. Eine Übersicht, für welche Anforderungen an entscheidungsunterstützende Systeme, Werkzeuge von Microsoft verfügbar sind, enthält die beigefügte Tabelle.
Datenintegration
Für Aufgaben zur Datenintegration bietet Microsoft die DTS (Data Transformation Services) an. Die DTS sind Bestandteil des SQL Servers und stellen eine Sammlung von Komponenten zur Unterstützung des Datenladens aus unterschiedlichen Vorsystemen zu unterschiedlichen Zielsystemen dar. Neben dem Transport und dem Laden der Daten wird dabei auch eine Transformation zwischen der Export- und der Import-Phase ermöglicht. Die DTS unterstützen verschiedene Datenbank-Systeme als Datenquellen, die über native Treiber angebunden werden (u. a. Informix, Oracle, DB2) sowie ODBC- und OLE-DB-for-OLAP-fähige Quellen. Darüber hinaus können auch Flat Files oder Excel-Dateien als Datenquelle ausgewählt werden.
Ergänzungsbedarf haben die Data Transformation Services insbesondere, sobald Applikationen oder ERP-Systeme an das Data Warehouse angebunden werden sollen, diese Lücke schließen jedoch bereits einige Drittanbieter mit vergleichsweise preiswerten Add-ons. Microsoft selbst hat auch für die Integration Services, wie die DTS im SQL Server 2005 genannt werden, keine eigenen Adapter für den Zugriff auf Applikationssysteme angekündigt. Die Verbesserungen betreffen vor allem die Integration in die Entwicklungsumgebung Visual Studio mit deren Möglichkeiten einer Versionsverwaltung und Fehlerbehandlung sowie mehr Transformationsfunktionen für die Datenverarbeitung.
Data Warehouse und Datenhaltung
Für die Datenhaltung hat Microsoft bereits seit mehreren Jahren die relationale Datenbank SQL Server im Produktsortiment, die in vielen Unternehmen bereits im operativen Einsatz ist.
Im Vergleich mit den anderen beiden großen Datenbankanbietern fällt besonders das Alter der aktuellen Version 2000 auf, die zwar durch mehrere Servicepacks aufgefrischt und teilweise auch in der Funktionalität erweitert wurde, aber doch einige Funktionen, wie spezielle Indizierungsverfahren für den Einsatz in größten Umgebungen vermissen lässt.
Datenaufbereitung
Seit Version 7 enthält der SQL Server zusätzlich eine multidimensionale Datenbank in Form der Analysis Services: Der Käufer erwirbt beim Kauf des SQL Servers ebenfalls die Analysis Services und darf beide Produkte auf einem Server installieren. Sollen die Analysis Services allerdings auf einem separaten System eingerichtet werden, muss dafür eine zusätzliche Lizenz erworben werden.
Die Analysis Services bieten als multidimensionale Datenbank ausgereifte Möglichkeiten zur Abdeckung von Anforderungen aus dem Bereich der Datenanalyse. Indem sie vorausberechnete, aggregierte Werte vorhalten, sind sie in der Lage einen Großteil der Analyseabfragen der Anwender ohne Neuberechnungen sofort zu beantworten und können daher eine vergleichsweise hohe Antwortgeschwindigkeit erreichen. Damit Endanwenderwerkzeuge auf die multidimensionale Datenbank SQL Server Analysis Services zugreifen können, hat Microsoft eine definierte Schnittstelle OLE DB for OLAP (ODBO) und die Abfragesprache MDX (Multidimensional Expressions) geschaffen. ODBO etabliert sich dabei als Industriestandard analog zu ODBC und SQL und wird bereits von vielen Datenbanken und auch Anwenderwerkzeugen anderer Hersteller unterstützt.
Berichtswesen
Vergleichsweise neu im Produktsortiment von Microsoft sind die Reporting Services, für die das gleiche Lizenzmodell wie für die Analysis Services verfolgt wird. Für die Berichtserstellung wird zusätzlich das Produkt Visual Studio benötigt. Visual Studio richtet sich mit seinem Funktionsumfang und der angebotenen Oberfläche an den versierten Entwickler aus der IT, der den Umgang mit relationalen Datenbanken nicht scheut. Dies schließt Gelegenheitsanwender von der Berichterstellung überwiegend aus. Auch Fachanwender z. B. aus dem Controlling, sollten mit den technischen Anforderungen einer relationalen Datenbank vertraut sein, um die Lösung zu bedienen.
Ansonsten nutzt Microsoft einen bewährten Ansatz für sein Reporting-System: Die Erstellung der Berichte erfolgt mit einem Desktop-Produkt und die Verteilung der Berichte geschieht über Internet mit Webtechnologie. Schnittstellen für den Datenzugriff existieren zu den relationalen Datenbanken von Microsoft, Oracle und IBM, zusätzlich steht ein ODBC-Treiber zur Verfügung. Der Zugriff auf Applikationen oder das Business Warehouse von SAP ist bislang noch nicht möglich. Auch kann nur durch individuelle Programmierung auf die in der multidimensionalen Datenbank Analysis Services gespeicherten Informationen zugegriffen werden. Um die Berichtserstellung anwenderfreundlicher zu gestalten, hat Microsoft kurz nach dem ersten Release der Reporting Services die Firma ActiveViews erworben und will darauf aufbauend ein neues Werkzeug für die Berichtserstellung anbieten. Das Release des jetzt Report Builder genannten Werkzeuges ist mit dem Veröffentlichung des SQL Servers 2005 angekündigt.
Analyse und Planung
Reine Anwenderwerkzeuge für Business Intelligence bietet Microsoft neben den Reporting Services über Excel hinaus bislang kaum. So lassen sich die Daten in den Analysis Services mit Hilfe der "Pivot Table Services" als Tabellen in Excel übertragen. Dabei ist der Anwender im Vergleich zu Analysewerkzeugen der etablierten Anbieter für Business-Intelligence-Anwendungen in Funktionalität und Flexibilität der Darstellung stark eingeschränkt. Während in den Pivot Table Services beispielsweise immer alle Elemente einer Dimension angezeigt werden müssen, können andere Anwenderwerkzeuge eine differenziertere und damit übersichtlichere Darstellung erzeugen. Betriebswirtschaftliche Funktionen, wie etwa eine automatische ABC-Analyse fehlen bislang vollständig.
Diese Lücke in Office versucht Microsoft mit dem neuen Business Intelligence Accelerator "Excel Add-in for SQL Server Analysis Services" zu schließen, das Anwender von Microsoft Excel XP oder 2003 ohne Aufpreis nutzen dürfen. Allerdings kann das Add-in im Vergleich mit den Excel-Erweiterungen der Mitbewerber noch nicht mithalten. So verfügt Microsoft bislang erst über drei Funktionen, mit denen sich die Daten aus der multidimensionalen Datenbank zellenbasiert auslesen lassen und auch grundlegende Funktionen, wie die Unterdrückung von Nullzeilen oder -spalten kann noch nicht automatisiert erfolgen. Jedoch erlaubt es Microsoft mit dem Add-in erstmals mit einem Standardwerkzeug auch Planzahlen in die Analysis Services Datenbank einzugeben. Diese Funktionalität war bislang immer Drittanbietern oder der Excel-Programmierung vorbehalten. Allerdings ist ein "Accelerator" für Microsoft kein Produkt, sondern eher ein Testballon mit dem neue Werkzeuge auf die Akzeptanz durch Anwender getestet werden sollen. Die Fortentwicklung des Produktes ist daher nicht sichergestellt und es kann dem Add-In ebenso ergehen, wie dem Data Analyzer, der weder weiterentwickelt noch aktiv vermarktet wird.
Data Mining
Mit den Verfahren der Entscheidungsbäume und der Clusteranalyse verfügen die Analysis Services auch über eingeschränkte Data-Mining-Funktionalität, welche sowohl auf multidimensionale Datenwürfel, als auch auf relationale Datenbanken des SQL Servers angewendet werden kann.
Die Data-Mining-Modelle werden in würfel-ähnlichen Strukturen vorgehalten und können über ODBO genutzt werden. Diese Funktionalität wird jedoch kaum in Projekten genutzt, was im Wesentlichen auf den eingeschränkten Methodenumfang zurückzuführen ist. Für die Version 2005 sind neue und wesentlich mehr Mining-Funktionen angekündigt, die bereits großes Interesse hervorgerufen haben.
Weitere Anwenderwerkzeuge
Neben den hier genannten Produkten bzw. Komponenten hat Microsoft noch einige weitere Produkte für Business-Intelligence-Anwendungen im Angebot: Zum einen der 2001 erworbene Data Analyzer, der seit dem Kauf der Firma Maximal Max angeboten wird. Allerdings wurde seit der Akquisition das Werkzeug funktional nicht mehr weiter entwickelt und zumindest in Deutschland nicht aktiv vertrieben.
Zeitgleich mit dem oben genannten Excel Add-in wurde der Business Scorecards Accelerator veröffentlicht, der mit deinem Framework den Aufbau einer eigenen Balanced Scorecard (BSC) erlaubt. Für diesen Accelerator hat Microsoft bereits eine zweite Version angekündigt, was die Investitionssicherheit erhöhen sollte.
Partner
In der Vergangenheit hat Microsoft seine BI-Plattform in Deutschland sehr stark über Anwenderwerkzeuge der Partner und anderer Drittanbieter verkauft. Da Microsoft bei den (End-)Anwenderwerkzeugen keine schlüssige Strategie offeriert und keine Aussagen zu den Produkten abseits des SQL Servers und der Reporting Services macht, besteht im Moment nicht die Gefahr, dass den Partner kurzfristig starke Konkurrenz im eigenen Hause erwächst. BARC geht indes davon aus, dass langfristig Microsoft eigene Frontends anbieten wird.
Noch jedoch können die Partner von Microsoft die eigenen Anwenderwerkzeuge mit dem SQL Server und den Integration- und Analysis Services in vergleichsweise günstigen Paketen anbieten. Dadurch entfällt für sie eigener Entwicklungsaufwand von Backend-Komponenten und mit dem neuen Release erhalten die Partner ein funktional gereiftes Produkt.
Was jedoch alle BI-Anwender beeinträchtigt, ist die Verzögerung der neuen Version SQL Server 2005. Ein Releasezeitraum von fünf Jahren kann für eine relationale Datenbank ausreichend sein, für Werkzeuge im deutlich dynamischeren Business-Intelligence-Markt ist es jedoch viel zu lang. Dies mag auch einer der Gründe sein, warum die Dominanz von Microsoft auf dem deutschen Markt in 2004 noch nicht so erdrückend ist, wie es manche Analysten im Jahr 2000 vorhergesagt haben.
Fazit
Microsoft bietet mit dem SQL Server und den dazugehörigen Komponenten eine kostengünstige und weit verbreitete Basis, mit der Unternehmen ihre eigene Business-Intelligence-Strategie umsetzen können. Die Mitbewerber wie Hyperion stellen im Vergleich weitergehende Funktionen beispielsweise im Segment für Unternehmensplanung oder Konzernkonsolidierung bereit, und weisen häufig auch eine höhere Benutzerfreundlichkeit auf, können aber oft nicht alle Anwendungsfälle abdecken.
Microsoft kann inzwischen für die meisten BI-Aufgaben Produkte aus dem eigenen Portfolio anbieten. Das erlaubt es Anwendern, alle im Projekt genutzten Softwarekomponenten von nur einem Lieferanten zu beziehen - ein Ansatz, der auf zunehmendes Interesse stößt. Die Lücke im Bereich der Anwenderwerkzeuge wird aktuell sehr gut mit Produkten von Partnern geschlossen. Diese Frontend-Werkzeuge und eine Übersicht, welche Funktionen im Detail von Microsoft bereitgestellt werden, beleuchtet BARC in seiner aktuellen Studie "Business Intelligence mit dem SQL Server".
Business Intelligence mit dem Microsoft SQL Server
Diese BARC-Studie bietet Unternehmen eine Übersicht über die Data-Warehouse- und Business-Intelligence-Funktionen des SQL Servers, der Analysis Services und der Reporting Services. Zudem gibt die Studie eine detaillierte Übersicht, welche Business-Intelligence-Frontends die Anwender bei Ihrer Arbeit mit der Microsoft BI-Plattform unterstützen und eine Einschätzung, welche Werkzeuge sich für spezifische Anwendungsszenarien eignen.
Sie kann unter http://www.barc.de bezogen werden.




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8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 