Rudolf Tetzlaff
Derartige Tools agieren im Verborgenen. So übernehmen etwa Job Scheduling-Programme in der IT-Produktion Aufgaben, die im maschinellen Fertigungsprozess von PPS-Systemen erledigt werden. Moderne Jobscheduling-Programme bieten dabei die notwendige Flexibilität, um in der schnelllebigen Informationstechnologie genauso effizient agieren zu können, wie PPS-Systeme in modernen Fertigungsbetrieben. Dabei überwinden diese Programme nicht nur Technologiegrenzen etwa zwischen den verschiedenen IT-Plattformen, sondern reagieren im vollautomatisierten Betrieb ad hoc auf sich verändernde Ausgangsvoraussetzungen. Denn über eine intelligente Eventsteuerung können diese Systeme in kürzester Zeit auf unvorhersehbare Entwicklungen wie etwa erhöhte Bestelleingänge über Internetportale kurzfristig reagieren und die IT-Produktion im laufenden Betrieb optimieren.
Bei allem Streben nach Onlineabwicklung von Geschäftsvorfällen wird ein beachtlicher Anteil der IT-Produktion nach wie vor im Batchbetrieb durchgeführt. Insbesondere Aufgaben in der Massendatenverarbeitung werden in die Nachtstunden verlegt, da zu dieser Zeit die Systemressourcen nicht durch Online-Transaktionen etwa aus ERP-Systemen wie SAP genutzt werden. Die zunehmende Komplexität von IT-Landschaften und Heterogenität der Systeme erfordern im Batchbetrieb einen immensen Koordinierungsbedarf, den so genannte System Management-Tools übernehmen. Marktanalysten wie die Gartner Group sehen in diesem für viele Anwender verborgenen Bereich der IT nach wie vor wesentliche Entwicklungspotenziale, die sich insbesondere aus der Verzahnung von System Management-Aufgaben mit Geschäftsprozessen ergeben. Zu den wesentlichen Aufgaben im System-Management gehört das Job-Scheduling, also alle Aufgaben, die sich auf die Planung und Steuerung von IT-Jobs beziehen. Diese laufen auf unterschiedlichen IT-Plattformen ab und werden von zahlreichen Anwendungen initiiert. Wie in der Fertigungsplanung stehen IT-Jobs in zahlreichen Abhängigkeiten zueinander, werden Ergebnisse zwischen Anwendungen übergeben und eine effiziente Einplanung entlang des kürzesten kritischen Pfades realisiert.
Ansätze im Jobscheduling
Möglichkeiten zur Planung und Steuerung von Jobs zählen seit geraumer Zeit zu den basislegenden Funktionen von IT-Umgebungen im professionellen Umfeld. Doch stoßen diese rudimentären Scheduling-Lösungen schnell an ihre Grenzen wenn es gilt, plattformübergreifend und eventgesteuert zu agieren. Denn die Übergabe von IT-Jobs und Daten zwischen Plattformen ist keine triviale Aufgabe. Schon gar nicht wenn man bedenkt, dass eine intelligente Steuerung auch ein professionelles Error-Handling einschließt. Verbreitet sind in professionellen IT-Umgebungen Jobscheduling-Systeme. Von diesen gibt es etwa 60 verschiedene, wobei das Gros der Mainframe-Installationen auf Lösungen von IBM, BMC und Computer Associates entfällt. Diese Anbieter haben traditionell in diesen Bereichen ein starkes Standbein und halten es nicht zuletzt wegen der auf Langfristigkeit ausgelegten Entscheidungen im Bereich des System-Managements.
In räumlich verteilten, heterogenen IT-Netzwerken müssen Job Scheduling-Aufgaben über Plattform- und Anwendungsgrenzen hinweg koordiniert werden. Administrationsintensiv sind dabei die Lösungen, die die Planung und Steuerung von IT-Jobs auf jeder Plattform separat durchführen und durch eine unzureichende Automation nicht interagieren können. Eine solche Interaktion bieten spezielle Tools wie Beta 48 von der Beta Systems Software AG, Berlin. Diese nutzen eine Agententechnologie, um sämtliche Informationen zur Steuerung von IT-Jobs (UNIX, Windows, SAP R/3) plattformübergreifend mit dem Host-basierten Scheduler auszuführen. Damit lassen sich sämtliche Jobs auf allen IT-Plattformen zentral steuern. So können Unternehmen, die ihre unternehmenskritischen Daten auf dem Mainframe laufen lassen und Anwendungen unter Unix, Linux und Windows betreiben, die Vorteile einer voll automatisierten, zentralen Steuerung von IT-Jobs nutzen.
Unternehmen, die die Hauptlast ihrer unternehmenskritischen Datenverarbeitung auf offenen Systemen wie Unix, Linux und Windows laufen lassen, können ebenfalls auf professionelle Lösungen zugreifen. Für solche IT-Umgebungen eignet sich der Einsatz von Systemen wie UC4:global des gleichnamigen österreichischen Anbieters (vormals SBB). Dieses Jobscheduling-Tool wird in der offenen Systemwelt betrieben und integriert von dort aus auch Jobläufe auf dem Mainframe.
Herausforderung e-Business
Insbesondere plattformübergreifend agierende Scheduling-Systeme eignen sich für ein globales Prozess-Management. Doch müssen derartige Tools weit mehr als nur eine ausgefeilte Technologie zur Integration verschiedener IT-Plattformen bieten. Vielmehr müssen sie sich heute im laufenden Betrieb auf verändernde Rahmenbedingungen einstellen können, um so eine permanente Prozessoptimierung zu garantieren. Eine rein zeitlich orientierte Einplanung von IT-Jobs, wie sie etwa in klassischen Scheduling-Tools Standard ist, stößt hier an ihre Grenzen. Denn die wirklichen Herausforderungen in der IT-Produktion liegen heute in der Ad hoc-Planung. Werden etwa über ein Web-Portal zeitgleich Tausende von Bestellungen losgeschickt und erst einmal offline gesammelt, wären alle Vorteile einer integrierten Portalanbindung an die Backoffice-Systeme obsolet. Flexible Jobscheduling-Tools bieten daher eine Event-gesteuerte Einplanung von IT-Jobs an. Diese bietet über das so genannte Event-Triggering die Möglichkeit, Schwellenwerte für die Einplanung von IT-Jobs zu erkennen. Werden diese erreicht, wird automatisch ein neuer IT-Job eingeplant und im Batchbetrieb strukturiert verarbeitet.
Der Einsatz von Ereignis-gesteuerten Abläufen ist immer dann sinnvoll, wenn zu einem bestimmten Event zum Teil auch Lieferketten-übergreifende Jobs angestoßen werden müssen. Beta Systems gehört in diesem Bereich zu den Visionären und entwickelt derzeit ein praxistaugliches Softwaretool, das ein offenes Interface der Beta 48-Softwarelösung zur Verfügung stellt und als Event-Trigger-Facility (ETF)-Tool erhältlich sein wird. Die Lösung kann von jeder beliebigen Unix/Windows-Anwendung aus aufgerufen werden und sorgt für die sichere, kontinuierliche Verarbeitung des Events durch das Zentralsystem. Darüber hinaus werden im Falle von Infrastruktur-Ausfällen verschiedene Recovery-Maßnahmen initiiert, bei deren Misserfolg frühzeitig Warnmeldungen an die entsprechenden IT-Verantwortlichen gesendet werden. Für ein Höchstmaß an Sicherheit bei den Jobabläufen setzt Beta Systems im Gegensatz zu anderen Anbietern auf die asynchrone Zusammenarbeit von eigenständigen Komponenten, Servern und dezentralen Einheiten.
Eine bedarfsgerechte Jobsteuerung bezieht immer auch ERP-Systeme in die zentrale Job-Steuerung ein. Dialog-Systeme wie SAP R/3 arbeiten heute nach wie vor mit einem hohen Anteil an Batch-Prozessen. Ein modernes Job-Scheduling trägt zur nachhaltigen Effizienzsteigerung beim Einsatz dieser Systeme bei. Die Funktionalitäten des internen primär auf mittelständische Anwender zugeschnittenen SAP R/3-Schedulers eignen sich kaum für den Einsatz in komplexen IT-Landschaften beziehungsweise bei Großunternehmen. Ein Lösungsansatz bietet sich über die Schnittstelle BC-XBP. Hier lassen sich externe Scheduler direkt an die SAP-Anwendung anbinden. Externe Scheduler-Erweiterungen wie Beta 48 unterstützen diese Schnittstelle und verbinden damit Systemwelten.
Das reibungsfreie Zusammenspiel von IT-Anwendungen wie ERP-, PPS- WWS- und anderen Systemen stellt eine wesentliche Voraussetzung für die Automation von Logistik- und Fertigungsketten dar. Dabei sind vor allem heterogene, verteilte IT-Umgebungen stark geprägt von einem steten Wandel. Moderne Job Scheduling-Systeme koordinieren das reibungsfreie Zusammenspiel von IT-Anwendungen und nutzen dabei eine Intelligenz, die eine größtmögliche Flexibilität in der Einplanung und Steuerung von Jobläufen gewährleistet. Damit leisten diese für das System-Management wichtigen Tools einen wesentlichen Beitrag, um auf ad hoc auftretende Anforderungen in der Supply Chain von Unternehmen flexibel und dennoch effizient reagieren zu können.
Rudolf Tetzlaff ist Product Line Manager bei Beta Systems Software AG www.betasystems.com




7/2011
6/2011
5/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 