Christine Wahlmüller
Fusionen sind vor allem im Telekom-Bereich keine Selbstverständlichkeit, sondern beinahe schon an der Tagesordnung. Doch die zwei großen Übernahmen vom Herbst 2004 werden den Markt in Österreich ordentlich verändern. Der Kauf von UTA durch Tele2 für 213 Mio. Euro (vorbehaltlich kartellrechtlicher Zustimmung) und die Übernahme von Tiscali/Eunet durch Nextra - dahinter steht die britische Jordan Group - sorgen für eine zunehmende Verdichtung sowie Konzentration weniger Anbieter am österreichischen Telekom Markt. Ein Markt, der sich im Jahr 2005 vor allem geprägt durch die neuen Regulierungsbestimmungen der Telekom Kontrol Kommission (TKK) - sie sollen noch im ersten Quartal feststehen - so oder so entwickeln wird. Sinnvoll wäre eine Regulierung, die einen gesunden Wettbewerb am Telekom-Markt und das Bestehen einer gewissen Angebotsvielfalt ermöglicht.
Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, wie so eine Regulierung wohl auszusehen hat. Und da gehen naturgemäß die Meinungen der Betroffenen auseinander. Im Jahr 2005 werden sich vor allem im Festnetz-Telefonie-Bereich wohl die Telekom Austria (43 Prozent Marktanteil) und Tele2-UTA (36 Prozent Marktanteil) den Markt unter sich ausmachen, wobei nicht vergessen werden darf, dass der neue österreichische Telekom-Player (mit schwedischen Eigentümern) mit gesamt rund 330 Mio. Euro nur einen Bruchteil des TA-Umsatzes erwirtschaftet. Eine große Rolle spielt allerdings auch UPC/Priority/Chello, vor allem insgesamt betrachtet (Telefonie, Internet). Hoffnungsträger bei allen Beteiligten und für die rein auf Internet spezialisierte Inode ist Breitband-Internet (siehe auch Interview mit Inode-Chef Michael Gredenberg in dieser Ausgabe).
Boom bei Breitband-Internet
Das wird auch beim Marktführer, der TA, ganz eindeutig so betrachtet. "Der Markt zeichnet sich durch die steigende Bedeutung von Breitband und Datenkommunikation aus. Content ist nach dem weitgehenden Infrastrukturausbau der Breitband-Treiber, auf den wir nun fokussieren. Umfassende IT-Security nimmt hier eine besondere Rolle ein, da sich mittlerweile auch bei den Klein- und Mittelbetrieben ein hohes Problembewusstsein gebildet hat. Bemerkenswert ist, dass sowohl Privat- als auch Geschäftskunden verstärkt multimediale Dienste in Anspruch nehmen werden", analysiert TA-Vorstand Rudolf Fischer. Da die großen und größeren Unternehmen weitgehend fix bei einem oder zwei Telekombetreibern "angehängt" sind, haben die meisten Anbieter jetzt für 2005 weiterhin die Privatkunden sowie vor allem den KMU-Markt als Lieblingszielgruppen erkoren.
"Wir erwarten ein kontinuierliches Wachstum im SME-Markt und stetige Zunahme des allgemeinen Data-Traffics", konstatiert Alan Walton, Vorstand bei Nextra/Jordan, wo Sicherheit und vielleicht auch VoIP die Schwerpunktthemen 2005 sein werden. Hauptschwerpunkt ist allerdings ein internes Thema, die Übernahme von Tiscali/Eunet wird Nextra vermutlich einige Zeit lang beschäftigen. "Wir werden sehr viel Wert auf ausgezeichneten Kundenservice legen", will Walton die Kunden möglichst bei der Stange halten. Die Security Division wird bei Nextra im Jahr 2005 ausgebaut, "weil dass ein Feld ist, wo die Kunden verstehen, dass es um den Schutz ihrer Daten geht", ist der Nextra-Chef überzeugt. Nextras Expansionsgelüste sind außerdem noch lange nicht befriedigt - man ist klar auf Wachstum, sei es intern aus eigener Kraft, sei es durch Akquisitionen, ausgerichtet. Zur Zeit sind 100 Mitarbeiter bei Nextra im Einsatz. Zum Vergleich: Tele2 hat 30, UTA 460 und die TA 13.800 Mitarbeiter. Auch das wird sich ändern. Pro Jahr werden bei der TA noch 300 bis 500 Mitarbeiter abgebaut, sagte TA-Generaldirektor Heinz Sundt im vergangenen November bei einem Interview im Ö1-Mittagsjournal. Sundt erwartet bei den Tarifen zwar auch künftig eine gewisse Flexibilität, allerdings nicht mehr in den Dimensionen wie in der Vergangenheit. Österreich weise schon heute eines der niedrigsten Preisniveaus im internationalen Vergleich auf.
Tele2/UTA kontra Telekom Austria
Die Preisspirale könnte aber vom Herausforderer Tele2-UTA durchaus in Gang gebracht werden. "Die Akquisition von UTA durch Tele2 wird zu mehr Wettbewerb, zusätzlichen Investitionen in Entbündelungs-Infrastruktur und Breitband-Internet sowie zu besseren Angeboten für die österreichischen Kunden führen", gibt sich Norbert Wieser, Geschäftsführer von Tele2 kämpferisch. Tele2 will nach eigenen Angaben alle Geschäftsbereiche weiterführen und ausbauen. Durch den Kauf übernimmt Tele2 die UTA-eigene Infrastruktur, 15.400 Kilometern Glasfasernetz und rund 146 Entbündelungsstandorte. Laut Aussendung wird es keine Veränderungen bei Mitarbeitern und für die Kunden der beiden Unternehmen geben - das bleibt abzuwarten. Alle Dienste bleiben (vorerst) bestehen - ob das so bleibt, ist kaum realistisch. Solange es kein Okay vom Kartellamt gibt, kann aber tatsächlich nichts verändert werden.
Ob und in welcher Form die Marke UTA erhalten bleibe, lässt Tele2 noch offen. Am UTA-Management ändere sich zumindest bis zur Kartellgerichtsentscheidung nichts. Klar ist, dass auch Tele2/UTA zunächst sehr mit der Fusion und internen administrativen Belangen beschäftigt sein werden - ganz ähnlich wie die Nextra/Jordan Group. Das dürfte wiederum den Marktführer Telekom Austria, aber auch andere Konkurrenz wie UPC, eTel, Inode sowie die diversen lokalen/regionalen Anbieter freuen.
Zunehmende Marktkonzentration
Etwas bedenklich wird in der Branche die zunehmende Konzentration am Telekom-Markt gesehen. Telekom Austria Vorstand Fischer nimmt die neue Konstellation zum Anlass, um eine neue (für die TA günstigere) Regulierung des Telekommarktes einzufordern: "Ein funktionierender Wettbewerb der Anbieter ist prinzipiell zu begrüßen. Allerdings erfordert die zunehmende Konzentration der Anbieter eine Anpassung der Rahmenbedingungen. Wir plädieren daher für eine grundlegende Neuausrichtung der Regulierungsbehörde, was die Differenzierung zwischen Telekom Austria und anderen Telekom-Unternehmen betrifft."
Als unvermeidliche Entwicklung hingegen sieht Nextra-Boss Alan Walton die immer geringere Zahl der Telekombetreiber in Österreich gelassen, er entpuppt sich gar als Fusions-Fan "Wenn Sie Konsolidierungsprozesse in anderen Industriezweigen betrachten wie z.B. die Automobilbranche, dort waren Merger einfach eine Sache des Überlebens. Dort werden individuelles Know-how und Erfahrungen herangezogen, verglichen und dann wird das Bestmögliche übernommen. Das Resultat sind bessere Produkte und Services für den Endkunden", glaubt Walton, dass dieses Modell auch durchaus für die Telekom-Branche seine Berechtigung hat.
Merger und Fusionsgerüchte gibt es auch in der Mobilfunkbranche, wo mit hartem Preiskampf ums Überleben und um Kunden gekämpft wird. Neueinsteiger Tele2 - seit Ende Oktober wird versucht, mit eigener Infrastruktur, eigener Vorwahl 0688 und Gratis-Handys bei Erstanmeldung Kunden anzulocken - wird es nicht leicht haben. Hier dürfte der bisherige Preistreiber telering nach wie vor die besseren Karten 2005 haben.
Kein leichtes Jahr für Mobilfunker
Auch für die Mobilfunkbranche wird die neue Regulierung entscheidend für die Weiterentwicklung werden. So steht z.B. das Terminierungsentgelt Festnetz - Mobilfunk zur Diskussion. Den Kunden ist es im Moment egal, sie entscheiden sich zunehmend mehr und mehr für mobiles Telefonieren, viele melden gar ihren Festnetz-Anschluss (bei der Telekom Austria) ab. Andere hält nur die Internet-Nutzung noch davon ab. Was die Mobilfunkbranche 2005 sicher bewegen wird, ist die Rufnummernmitnahme, die zur Zeit von den "alteingesessenen" Anbietern mobilkom, T-Mobile und One mit saftigen Gebühren quasi bestraft wird.
Der Hintergrund ist ein erbitterter Kampf um Kunden auf einem konsolidiertem Markt. Fest steht auch dass der ARPU (average revenue per user = durchschnittliche Umsatz pro Kunde) in der Mobilfunkbranche ordentlich gesunken ist, vor allem durch die gefallenen Gesprächstarife. Die Betreiber hoffen daher, dass 2005 das Jahr der mobilen Zusatzdienste bei den Handykunden wird. Es wird jedenfalls kein leichtes Jahr, glaubt Dr. Hannes Ametsreiter, Marketingvorstand beim Marktführer mobilkom: "Das Jahr 2005 wird geprägt sein durch eine weiterhin sehr kompetitive Stimmung. Der Wettbewerb wird dafür sorgen, dass es eine Reihe von Angeboten - Preisangebote sowie auch Innovationen wie UMTS, Push to talk etc. - geben wird." Die Kunden werden sich vor allem über die günstigeren Preise freuen, UMTS oder technische Raffinessen waren den Anwendern nämlich bislang eher egal. "Innovative mobile Applikationen und günstige Datendienste sind gefragt. Mobile Multi Media, z.B. das Downloaden von Videoclips, Videotelefonie oder mobiles Fernsehen, ist bereits alltäglich geworden - und wird für immer mehr ÖsterreicherInnen bald nicht mehr wegzudenken sein", glaubt Berthold Thoma, Chef bei Hutchison/Drei optimistisch an den Innovationswillen in Österreich. Hutchison (zur Zeit lt. Eigenangabe 120.000 Kunden) will 2005 ganz klar UMTS pushen, d.h. UMTS-Engeräte offerieren und interessante Nutzungsmöglichkeiten auf den Markt bringen. "Wir werden weiterhin mit Hochdruck an unserem vielfältigen Contentangebot arbeiten", so Thoma.
UMTS oder WLAN?
Nach Ansicht von Experten entscheiden allerdings zwei Schlüsselfragen über den Erfolg oder Misserfolg von UMTS. Erstens die Frage nach dem Sinn und Zweck von hohen hohen Übertragungsbandbreiten für Handys. (Wo sind die sinnvollen Anwendungen dafür sprich: wer braucht dringend UMTS und wofür?) Insofern ist Thomas Ansatz zweifellos der richtige und überlebens-entscheidend. Zweitens: Wie schnell setzt sich mobile IP-Telefonie durch, also VoIP auf dem Handy. Zweifellos eignet sich UMTS für IP-Telefonie, aber Brancheninsider sehen mobile IP-Telefonie unmittelbar in Zusammenhang mit einer deutlichen Reduktion der Minutenpreise. So könnte zwar mobiles VoIP den ersehnten Verkehr für die UMTS-Netze bringen, würde dabei aber nicht nur die Geschäftspläne für UMTS kippen, sondern gleichzeitig das profitable GSM-Geschäft kannibalisieren.
Eine ganze Reihe von Netzbetreibern und Herstellern stufen WLAN und WiMAX als ernstzunehmende Alternative ein. In Österreich hat die Telekom Control Kommission (TKK) die WiMAX-Lizenzen erst vor wenigen Monaten, Anfang Oktober 2004, versteigert. Für insgesamt 464.000 Euro (ein geringer Betrag verglichen mit UMTS) gingen an vier Anbieter (Teleport für Vorarlberg, Telekom Austria und Telekabel für ganz Österreich außer für Vorarlberg und Schrack Mediacom für ganz Österreich) insgesamt 17 Frequenzpakete, alle im Bereich 3,4 GHz und 3,5 GHz und somit für WiMAX geeignet. Mobile IP-Telefonie wird sich nach Ansicht vieler Branchenkenner sehr schnell etablieren. Welches Übertragungsverfahren ihm zugrunde liegt, ist technisch gesehen unerheblich. Verbreiten sich drahtlose, telefoniefähige WLAN-Zugänge rasch, so haben sie gegenüber UMTS auch die niedrigeren Kosten und somit die besseren Preise auf ihrer Seite. Und Handys mit VoIP-Funktion für WLAN sind schon in Entwicklung. Die Zukunft verheißt noch größere Mobilität und Flexibilität. Schöne, neue Telekomwelt.




7/2011
6/2011
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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 