1-12-2004 | Aus MONITOR 12/2004 Gedruckt am 29-07-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/7021
Thema: Storage

Kaufberatung Backup Software

Datensicherung für jeden Fall

Anwender haben heute die Qual der Wahl zwischen einer Vielzahl Backup-Lösungen, mit denen quasi jede Netzwerkumgebung gesichert und jeder Anspruch an Datenverfügbarkeit erfüllt werden kann. Welche Software-Funktionen für welche Umgebungen geeignet sind, zeigt dieser Artikel.

Frank Bunn

Eine Einheitslösung für die Datensicherung gibt es weder für große, komplexe Rechenzentrumsumgebungen noch für mittlere und kleine Netzwerke - zu sehr hängt der benötigte Funktionsumfang der Backup-Software von der generellen IT-Infrastruktur eines Unternehmens und der Art und notwendigen Verfügbarkeit der Applikationen ab.

Die Hersteller tragen dieser Situation Rechnung, indem sie die Grundfunktionalität ihrer Lösungen als Basispaket anbieten, das mit einer Vielzahl Agenten, Optionen und Add-Ons auf die jeweilige Umgebung abgestimmt werden kann. Nicht jedes Programm verfügt jedoch über die gleiche Breite an Erweiterungen. Wer in eine neue Datensicherungslösung investieren will, sollte sich deshalb vorher genau überlegen, was die Software können sollte.

Flexible Nutzung von Speichermedien

Kompatibilität zu verschiedensten Speichermedien und Laufwerksformaten ist für Backup-Lösungen heute ein Muss. Dennoch ist ein Blick in die Kompatibilitätsliste einer Software unumgänglich, wenn Probleme bei der Installation in die bestehende Umgebung vermieden werden und ein langfristiger Einsatz der Backup-Lösung auch nach einer späteren Umstellung auf neue Backup Hardware sichergestellt sein sollen.

Neben dem klassischen Tape-Backup haben die meisten Hersteller inzwischen auch Funktionen für Backup-to-Disk integriert, das weniger einen Ersatz für die Sicherung auf Band als vielmehr eine sinnvolle Ergänzung der herkömmlichen Backup-Methoden darstellt. Vor allem in Umgebungen mit engen Zeitfenstern ist eine Kombination der Technologien hilfreich, denn das Schreiben der Daten auf Festplatte beschleunigt dank der höheren Durchsatzraten von Disks den Backup-Prozess und das Restore von Daten. Danach können die Daten zusätzlich von der Festplatte auf Band gesichert werden, ohne dass das Netzwerk dadurch belastet wird. Die Vorteile von Tape Backup wie derzeit noch geringere Kosten pro Megabyte oder Gigabyte, eine größere Unempfindlichkeit der Medien und die Möglichkeit zur Auslagerung der Bänder bleiben bestehen.

Verursacht das Backup inakzeptable Performance-Einbrüche im LAN, können verschiedene Speicherkonzepte Abhilfe schaffen: Ein SAN entlastet nicht nur das Hauptnetzwerk, sondern hilft auch bei der effizienten Hardware-Auslastung, wenn die Backup Software über eine Funktion verfügt, die mehreren verteilten Backup Servern eine gemeinsame Nutzung von zentralen Speichergeräten ermöglicht. Eine Alternative ist Network Attached Storage, das ebenfalls durch Erweiterungen der Backup Software etwa für Backup via NDMP oder Kompatibilität zu Windows SAK-basierten NAS unterstützt werden kann.

Viele Unternehmen setzen auf einen Mix aus unterschiedlichen Speicherkonzepten, etwa ein SAN für die zentralen Datenbanken, NAS-Backup via NDMP für bestimmte Anwendungen und klassische Sicherung auf Direct Attached Tape Storage in kleineren Außenstellen. Wenn dafür über alle Architekturen hinweg unternehmensweit dasselbe Backup-Produkt eingesetzt und idealerweise über eine zentrale Konsole verwaltet werden kann, spart das Einarbeitungs- und Administrationszeit für die Techniker und vereinfacht zudem die Übersicht über Lizenzen und Support-Verträge. Wichtig ist auch die Möglichkeit, Laptops und remote Desktops in die zentral Sicherung einzubeziehen. Vor allem Unternehmen mit vielen Außendienstmitarbeitern sollten auf eine entsprechende Funktionalität der Backup-Lösung achten.

Offen für alles

Damit alle unternehmenskritischen Anwendungen in die Sicherungsstrategie integriert werden können, muss das Backup-Programm über entsprechende Erweiterungen etwa für Oracle, Sybase, SQL, Informix, Microsoft Exchange, Lotus Notes und SAP R/3 verfügen. Eine Herausforderung ist die Sicherung von Applikationen, auf die rund um die Uhr zugegriffen werden muss und die deshalb nicht für das Backup heruntergefahren werden. Die Backup Software sollte für diesen Fall Snapshot-Technologien liefern, etwa Open-File-Backup-Optionen für die Erstellung von Volume Snapshots oder das ebenfalls auf einer Art Snapshot-Technologie basierende Block-Level Incremental Backup. Auch durch Integration mit Betriebssystem-Komponenten wie Microsofts Volume Shadow Copies in Windows Server 2003 kann die Sicherung offener Dateien unterstützt werden.

Auch Anwendungen, die eine hohe Zahl kleiner Dateien generieren (etwa Web Server), verlangen nach speziellen Sicherungstechniken. Hier ist eine schnelle Sicherung mit minimaler Beeinträchtigung der Systemressourcen nötig, wie sie etwa die Intelligent Image Option von Veritas Backup Exec durch Abbilden der Meta-Daten eines lokalen Dateisystems und Kopieren des Datenträgers auf das Speichermedium als zusammenhängende Datei liefert. Das ermöglicht die Wiederherstellung eines ganzen Datenträgers oder einzelner Dateien auf der Grundlage eines vollständigen, inkrementellen oder differenziellen Backups.

Ein Spezialfall sind auch Messaging-Systeme wie Microsoft Exchange. Werden bei Datenbank-Backups Geschwindigkeiten bis zu 10 MB/s erreicht, liegt die Transferrate beim Voll-Backup einer Mailbox nur bei durchschnittlich 3 MB/s. Aufgrund ihrer besonderen Struktur brauchen Messaging-Systeme genau auf sie zugeschnittene Sicherungstechnologien, die etwa ein mehrfaches Sichern derselben Attachments, Nachrichten oder Kalendereintragungen von den Mailboxen verschiedener Mitarbeiter verhindern, das zu langen Backup-Zeiten und unnötiger Belegung von Speicherplatz führt. Auch Funktionen für die inkrementelle oder differenzielle Sicherung von Mailboxen und öffentliche Ordner sowie die Möglichkeit, unternehmensweit bestimmte Daten von der Sicherung auszuschließen, halten das Backup-Volumen niedrig und beschleunigen das Restore.

Notfallstrategien

Der Nachteil herkömmlichen Backups ist, dass die manuelle Wiederherstellung gerade bei großen Datenmengen sehr lange dauern kann: Wurden die fehlerhaften Hardware-Komponenten repariert oder ersetzt und die Volumes neu partitioniert, müssen Betriebssystem, Treiber, Updates, Anwenderprofile und Backup Software installiert werden. Erst dann kann das Restore der Daten über die Backup-Medien beginnen. Während dieses gesamten Prozesses ist das System nicht verfügbar, und macht der Administrator einen Fehler, muss er alle Schritte wiederholen.

Intelligent Disaster Recovery (IDR) ermöglicht das System-Recovery ohne vorherige Installation des Betriebssystems. Dazu werden spezielle IDR-Medien mit einer Recovery Engine sowie essenziellen Systemdateien erstellt, über die zunächst ein Reboot ausgeführt und die vorherige Festplattenpartitionierung und -formatierung wiederhergestellt wird. Dann folgt die Installation des Betriebssystems über die Installations-CDs sowie das automatische Restore der Daten von den Backup-Bändern. Die Backup Software muss hierzu dank der Recovery Engine auf den IDR-Medien nicht installiert sein. Ist der Administrator zum Zeitpunkt des Ausfalls nicht anwesend, kann das Recovery auch von anderen Mitarbeitern durchgeführt werden, was IDR vor allem in Unternehmen mit wenig oder gar keinem eigenen IT-Personal sinnvoll macht.

In Umgebungen mit verschiedenen Betriebssystemen und mehreren Servern müsste jedoch für jede Maschine ein eigener Satz IDR-Medien erstellt werden. Hier eignet sich Bare Metal Restore (BMR)-Technologie, die etwa als Option zu Veritas NetBackup verfügbar ist. BMR basiert auf einer mehrstufigen Architektur und liefert bei Bedarf für jeden Client ein individuelles Boot Images für dessen Recovery. Im Gegensatz zu IDR-Medien enthält es das komplette Client-Betriebssystem inklusive aller Partitionierungsinformationen und Konfigurationsdateien für den speziellen Rechner. Alle BMR-Prozesse vom ersten Booten bis zum abschließenden Bereinigen der lokalen Festplatte laufen komplett automatisch ab, so dass auch sehr große Umgebungen mit nur wenig Aufwand schnell wiederhergestellt werden können.

Fazit

Backup ist ein unverzichtbarer Teil des unternehmensweiten Storage Managements und sollte deshalb immer in Zusammenhang mit der gesamten Speicher- und Hochverfügbarkeitsstrategie eines Unternehmens geplant werden. Ideal ist es, wenn die Backup Software unterschiedliche Speicherkonzepte unterstützt und sich mit Lösungen für Storage Resource Management, Data Lifecycle Management, Clustering und Replikation integrieren lässt, die die effiziente Verwaltung von Speicherkapazität und archivierten Daten ermöglichen, Downtimes verkürzen oder ganz verhindern.


Checkliste

Nur wer vor dem Kauf einer Backup-Programmes genau prüft, welche Anforderungen die Lösung erfüllen soll, vermeidet ‚schwarze Löcher' in seiner Datesicherungsstrategie. Folgende Punkte gehören unbedingt auf die Checkliste:

  • Anzahl der Server, Serverbetriebssysteme, eingesetzte Datenbanken und Applikationen sowie das Datenvolumen auf den Servern
  • Anzahl der Clients, die in die Datensicherung einbezogen werden sollen, Client-Betriebssysteme und durchschnittliches Datenvolumen auf den Clients
  • Sollen Laptops und remote Desktops in die Sicherung einbezogen werden?
  • Wie groß ist das Wachstum des Datenvolumens in den nächsten fünf Jahren?
  • Verkabelung und Durchsatzraten
  • Planen oder betreiben Sie ein Storage Area Network?
  • Welches Sicherungsprinzip oder Rotationsschema soll eingesetzt werden?
  • Welche Backup Hardware mit welchen Band- oder Disk-Formaten soll eingesetzt werden?
  • Wie groß ist das Sicherungsfenster? Müssen bestimmte Anwendungen online gesichert werden?
  • Wieviel Ausfallzeit ist maximal vertretbar?
  • Soll eine Disaster Recovery Option eingesetzt werden?
  • Soll die Datensicherung mit Hochverfügbarkeitslösungen wie Clustering oder Replikation kombiniert werden?

Wichtige Backup-Software-Hersteller im Überblick

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