Am 7. Oktober 2004 fand die zweite Verleihung des "Austrian E-Procurement-Award" statt, der von der Donau-Universität Krems gemeinsam mit der Industriellenvereinigung und dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich (BMÖ) ausgerichtet wird. Renommierte Unternehmen wurden für die besten Lösungen im elektronischen Beschaffungswesen ausgezeichnet.
Der erste Preis für die beste Lösung auf Einkäuferseite ging ex aequo an K+S Aktiengesellschaft und an voestalpine Stahl GmbH. Der erste Preis für die beste Lösung auf Lieferantenseite ging an Fritz Egger GmbH.& Co., Spanplattenwerk. Der erste Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit ging an Dr. Holger Müller aus Dresden. Insgesamt gab es 18 Einreichungen, 14 in der Kategorie Einkäufer, 2 in der Kategorie Lieferanten und 2 in der Kategorie Wissenschaftliche Arbeit.
Bereits 72% der Einkaufsverantwortlichen in IT-nutzenden Unternehmen sehen den Nutzen im elektronischen Einkauf in der Entlastung von administrativen Aufgaben und im hohen Verbesserungspotenzial, wie Prof. Michael P. Zeuch in seiner Laudatio hervorhob. "Gefragt sind heute branchen- bzw. anwenderspezifische Lösungen. Dazu braucht es optimale Anforderungs- und Funktionsprofile der Anwender sowie Flexibilität und Customizierfähigkeit von System und Design bei Softwareanbietern", so Zeuch.
Unternehmen im Best-practice-Feld beschaffen bereits bis zu 40% auf elektronischen Marktplätzen, hier wird in Zukunft der Gewinn erzielt. Der Award soll den Stand der Praxis voranbringen. Österreich gehört erfreulicherweise beim elektronischen Einkauf international zur Spitze.
Anforderungen an die Preisträger
Die Anforderungen an die Preisträger, meist aus einem Team zwischen einem Softwareanbieter und einem Anwender bestehend, waren:
- die Anwenderseite ist bei der Eindeutigkeit und Klarheit der SOLL-Funktionen gefordert;
- die Softwareanbieterseite beweist Klasse durch die Flexibilität des eigenen Basissystems und der Customizierfähigkeit von System und Designer;
- die Definition der Soll-Funktionen ist, wenn man sich - wie auch in vielen anderen Managementproblemen hilfreich - ein wenig mit der wertanalytischen Vorgehensweise auskennt, recht einfach: Ermittlung der Struktur der relevanten Beschaffungsprozesse und deren Funktionen; Analyse der Werttreiber unter diesen Prozesskomponenten ("wo entsteht der Hauptnutzen für das Unternehmen?); Zuordnung von Kosten und Nutzenpotenzialen; Prozessdesign so, dass Nutzen zu Kosten im optimalen Verhältnis stehen und dieses Prozessdesign von der Software abgebildet wird.
Die Preisträger
Die K+S Aktiengesellschaft und voestalpine Stahl GmbH haben sich bei den vorgegebenen Kriterien durch klare Erfolge ausgezeichnet und deutliche Einsparungen erzielt. K+S konnte die für das Unternehmen wichtigen Funktionalitäten eindeutig identifizieren und deren Nutzen nach Einführung der entsprechenden Systeme quantifizieren. voestalpine Stahl hat mit unternehmensübergreifenden Prozessverbesserungen messbare Einsparungen erzielt.
Fritz Egger GmbH & Co. hat mit win2gether ein interessantes Branchenmodell vorgestellt. Bei der Standardisierung für die gesamte Supply-Chain wurden nicht nur Mitbewerber, sondern auch kooperierende Branchen eingebunden. Damit wurden die Voraussetzungen für Optimierungen und zukünftige Entwicklungen geschaffen.
Dr. Holger Müller hat mit der Dissertation "Gestaltungsanforderungen Internettechnologie-basierter Marktplätze aus Sicht der industriellen Beschaffung" am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre der Bayrischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg den Entwurf eines entscheidungs-orientierten objektzentrierten Analyseschemas vorgelegt. Der Autor hat damit eine wichtige wissenschaftliche Lücke geschlossen, da bislang die Sichtweise des Hauptanwenders - die industrielle Beschaffung - gefehlt hat.
Sponsoren des E-Procurement-Award 2004 waren Microsoft Österreich und RS Components als Hauptsponsoren sowie accenture, Büro Handel, Kellner&Kunz AG und REGRO Elektro-Großhandel.
http://www.e-procurement-award.at
1. Platz für K+S Aktiengesellschaft und voestalpine Stahl GmbH
K+S betreibt seit 1999 e-Procurement und konnte daher die für das Unternehmen wichtigen Funktionalitäten eindeutig identifizieren und deren Nutzen nach Einführen der entsprechenden Systeme quantifizieren.
- mit 1400 Anwendern von 21 verschiedenen internationalen Standorten ist die Akzeptanz und Standardisierung hinreichend belegt, mit 500.000 Artikeln unterschiedlicher Lieferanten der Durchdringungsgrad eindeutig nachgewiesen;
- das Lieferantenportal und die Integration strategischer Funktionen (Lieferantenbeurteilung) zeigen die Zukunftsorientierung dieses Ansatzes;
- eine eindrucksvolle Liste realisierter Einsparungen rundet das Erfolgsbild ab.
Auch die voestalpine Stahl GmbH hat im Vorfeld sehr klar und zielorientiert die IST-Situation im Beschaffungsbereich analysiert und ist demzufolge zu ganz klaren unternehmensspezifischen Ergebnissen gekommen:
- Reduktion der Einkaufskosten;
- unternehmensübergreifende Prozessverbesserungen mit messbaren Einsparungen durch Einsatz folgender Erfolgsfaktoren;
- stabile Technologien (Bug-free Software und stabile, skalierbare Infrastruktur);
- Kenntnis der kritischen Masse (Volumenbündelung, wo sinnvoll und schnelle Anlaufkurven sichergestellt sind);
- professionelles Content-Management (durch Beschaffungsmarkt-Know-how, Category-Management und einen sinnvollen Content-Aufbau sichergestellt).
Fritz Egger Ges.m.b.H.&Co, Spanplattenwerk
Auf der Lieferantenseite ging das Votum für den ersten Platz an das Spanplattenwerk Fritz Egger Ges.m.b.H.&Co in St. Johann in Tirol.
Von diesem Unternehmen wurde ein interessantes Branchenmodell vorstellt:
Mit win2gether werden
- die Standards für/über die gesamte Wertschöpfungskette (Supply Chain) definiert;
- ausgehend von der holzverarbeitenden Industrie wurden nicht nur die Mitbewerber eingeladen, an der Standardisierung teilzunehmen, sondern auch kooperierende Branchen eingebunden; so bekommen die Teilnehmer der Supply Chain - und vor allem die Endverarbeiter - ein möglichst breites Spektrum an Artikelstammdaten für die Abwicklung der Transaktionen auf ihrem System;
- damit werden die Voraussetzungen für Optimierungen (Transaktionssicherheit, Prozesskosten), aber auch für zukünftige Entwicklungen (ECR, CPFR) geschaffen;
- es werden Standards koordiniert sowie die Schnittstellen definiert.




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8/2011
7/2011


