Das Unternehmen EGSTON ging 1991 durch ein Management Buy-Out aus Alcatel hervor und stellt induktive Bauelemente (z.B. Transformatoren, Drosseln) für die Elektro- und Elektronik-Industrie, sowie für Automotive-Anwendungen (z.B. Bauelemente für elektronische Wegfahrsperren, ABS-Systeme, Reifendrucküberwachungssysteme) her.
Im Bereich Kabelkonfektionierung bietet EGSTON neben der Produktion von hochkomplexen Verbindungssystemen auch die Entwicklung und das Design von mechanischen und elektronischen Komponenten an (z.B. Robotersysteme, Baumaschinen, Medizintechnik). Neben den genannten Dienstleistungen entwickelt und produziert EGSTON eine umfassende Netzgerätefamilie im Leistungsbereich bis 24 Watt. Neben dem Stammsitz in Eggenburg unterhält man zwei Produktionsstandorte in Tschechien. In Österreich hat das Unternehmen 140 Mitarbeiter, in Tschechien rund 500. Seit Kurzem bestehen eine weitere Produktionsstätte in China und eine Vertriebsfirma in Hongkong.
Neues ERP-System gesucht
Der Support für das bisherige System würde 2005 endgültig auslaufen. Ein neues System war unumgänglich. "Da wir der Meinung sind, dass ein neues ERP-System uns auch am Markt Vorteile bringt, wollten wir nicht bis zum Ende der Frist warten", berichtet Ralph Alexander, Manager IT bei EGSTON. Zumal das Altsystem seit einigen Jahren nur mehr träge weiterentwickelt wurde und der Leidensdruck zunehmend größer wurde.
Im Zentrum der Suche nach einem neuen ERP-System standen die Anforderungen an Materialmanagement und Produktion. Daneben waren die Sicherheit des Anbieters sowie die Zukunftssicherheit des Produkts ausschlaggebend. "Wir sind ein dynamisches, expandierendes Unternehmen mit ständig neuen Herausforderungen. Da müssen wir auf einen Partner setzen, der mit den Trends mitgeht und die Anforderungen der Zukunft frühzeitig erkennt und in den Produkten umsetzt." So entschied man sich für die Mittelstandslösung mySAP All-in-One, die nach neun Monaten Implementierung seit Anfang 2004 eingesetzt wird. Drei Standorte und drei Unternehmen werden in einem Mandanten mit unterschiedlichen Buchungskreisen geführt. Die tschechischen Produktionsstätten sind über Standleitungen an das Rechenzentrum in Eggenburg angebunden. Implementiert wurden dabei Module für Vertrieb, Materialwirtschaft, Produktion, Warehouse Management, Human Ressources, Finanzwesen und Controlling. Systeme zur Aufzeichnung von Betriebsdaten sorgen für die Anwesenheitszeiterfassung in Österreich sowie für Akkordlohnzeitrückmeldung in Tschechien.
Als Pilotkunde hat EGSTON TiCon von der Deutschen MTM Gesellschaft über eine Schnittstelle an SAP angebunden. TiCon ist ein Zeitbaustein-System, bei dem Tätigkeiten in der Produktion analysiert werden. Jeder Handgriff bekommt einen Zeitbaustein zugeordnet (z.B. "Loslassen" als kleinste Einheit eine tausendstel Minute). So können Vorgänge abgebildet und in hierarchische Strukturen zusammengefasst werden und man erhält genaue Vorgaben für die Ermittlung der Durchlaufzeiten (Planzeiten) sowie für die Akkordverrechnung. Diese dienen als Grundlage für Arbeitsplanpositionen in SAP.
Bereits ein Jahr vor der SAP-Implementierung führte EGSTON ein Prozess Reengineering Projekt durch. Teile davon wurden noch im alten System implementiert. "Wesentlich mehr konnten wir dann im Zuge der SAP-Implementierung abbilden", sagt Alexander. "Wir arbeiten jetzt mit Tagesaufträgen, um für unsere Kunden möglichst flexibel agieren zu können. Das war eine der wichtigsten organisatorischen Änderungen, bei denen uns SAP unterstützt hat." Fertigungsaufträge werden von SAP automatisch auf Tagesportionen gesplittet, dadurch wird man für Änderungswünsche flexibel.
Ein Auftrag, der normalerweise drei Wochen Produktionsdurchlauf hätte, würde klassisch ebenso lange die Produktionseinrichtung binden. Jede Änderung wäre dabei schwerfällig und fehleranfällig. Wenn man daraus jedoch Tagesproduktionen mit 15 Einzelaufträgen erstellt, und diese sequentiell durchs Unternehmen schleust, gewinnt man an Flexibilität. Der Kunde kann nun wichtigere Aufträge zwischendurch vorziehen oder kann durch Teillieferungen bereits mit seiner eigenen Produktion starten. Technische Änderungen sind ebenfalls leichter möglich - ab dem Tag nach dem Änderungswunsch wird schlicht die geänderte Variante produziert.
Glatte Implementierung
Die Implementierung lief auch dank des auf die Fertigungsindustrie spezialisierten Partners Aicon Solutions absolut glatt. Dabei wird es nicht als einmaliges Projekt begriffen: "Wir sind zwar produktiv, aber wir wollen sukzessive noch weitere Vorteile aus dem System herausholen. Wir sind gerade dabei das SAP Business Information Warehouse zu implementieren. Dann folgt die Einbindung des Standorts in China, zur Darstellung der chinesischen Zeichen müssen wir vorher noch auf Unicode umstellen."
Noch kein konkretes Projekt, aber bereits angedacht ist, auch das Qualitätsmanagement und Customer Relationship Management mit mySAP All-in-One zu verbessern.




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8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 