Patrick Keller
Das häufigste Einsatzgebiet von Anwenderwerkzeugen für Business Intelligence findet sich im Bereich Reporting und Analyse, da sie die Hauptbedürfnisse der Anwender nach schneller und einfacher Darstellung von Kennzahlen und Analyse dieser Zahlen abdecken.
Hierbei lassen sich innerhalb der Gruppe für Reporting-Werkzeuge abermals zwei Werkzeugklassen identifizieren, die langsam zusammenwachsen: Anwender eines statischen Berichtswesen, die regelmäßig wiederkehrende Listenberichte erhalten und keine neuen Abfragen erstellen. Häufig wird dies auch Production-Reporting oder operatives Berichtswesen genannt, mit der Anforderung nach pixelgenauer Platzierung der Elemente. Erfahrungsgemäß entfällt auf diese passiven Berichtsempfänger meist eine große Anzahl der Lizenzen - regelmäßig stellen sie um die 70 Prozent der Anwender eines Business-Intelligence-Systems.
Dafür ist es auch notwendig, ein performantes System zu entwickeln, dass durch seine Architektur in der Lage ist, eine große Anzahl von Abfragen zu beantworten. Dazu werden ausgeklügelte Caching-Mechanismen eingesetzt oder aufbereitete Abfragen an die Datenquelle geschickt. Um dies zu vereinfachen, bieten einige relationale Datenbanken Erweiterungen an, über die Metadaten mit Anwenderwerkzeugen ausgetauscht werden können. Diese Austauschstandards werden von zunehmend mehr Werkzeugen unterstützt - bis hin zu einer bidirektionalen Kommunikation. Klassische Anbieter in diesem Segment sind unter anderem Actuate, Information Builders oder Crystal Decisions, deren Übernahme durch Business Objects Ende 2003 abgeschlossen wurde.
Die zweite Anwendergruppe hat Anforderungen nach einem Business-Intelligence-Berichtswesen mit dem sie selbst einfache Manipulationen der Berichtsinhalte und des -designs vornehmen können. Bei diesem Anforderungsprofil kann bereits die Grenze zu Analysewerkzeugen verwischen, die eine freie Navigation in den Unternehmenskennzahlen erlauben. Üblicherweise stehen jedoch einfache Reportingfunktionen im Vordergrund. Dazu zählen die freie Anordnung von Tabellen und Grafiken sowie Optionen für ein flexibles Layout und die individuelle Formatierung der Berichte. Alle Werkzeuge erlauben die anschließende Verteilung der Berichte über Internet-Technologie und teilweise das ereignisabhängige Abonnement durch die Anwender. Dann werden beim Eintreffen bestimmter vom Anwender definierter Ereignisse, wie dem Überschreiten eines Grenzwertes, Berichte des entsprechenden Datenmaterials erzeugt und übermittelt. So wird der alltäglichen Überflutung der Entscheidungsträger mit Informationen ("Information Overload") entgegengewirkt und lediglich die tatsächlich interessanten Ereignisse beziehungsweise Konstellationen im Datenbestand hervorgehoben. Eine Übersicht, welche Einsatzschwerpunkte die bekanntesten Reporting-Werkzeuge haben, gibt die beigestellte Abbildung.
Softwareanbieter von Berichtswerkzeugen
Mit dem bereits erwähnten Aufkauf von Crystal Decisions durch Business Objects ist es zu der größten Firmenübernahme im Segment für Business-Intelligence-Werkzeuge gekommen. Andere Anbieter wie Microsoft, MIS oder Cognos versuchen hingegen durch Eigenentwicklungen ihr Produktportfolio zu ergänzen. Eine weitere Strategie besteht darin, bereits bestehende Produkte in der Funktionalität zu erweitern, wie MicroStrategy dies mit den Report Services für 7i getan hat. SAP hingegen ergänzt sein eigenes Anwenderwerkzeug Business Explorer Web Application Designer um Crystal Reports und stellt circa 500 vordefinierte Berichte sowie eine Testlizenz mit dem Business Content bereit.
Allen Anbietern ist gemeinsam, dass sie auf den Einsatz von Internet-Technologie für Berichtswesen setzen und so die Anbindung vieler Benutzer an das System vereinfachen. Technisch haben viele Anbieter die ca. 1997 begonnene Migration ihrer Werkzeuge weitgehend bewältigt, so dass die Web-Clients wenigstens 90 Prozent der Funktionalität der Windows-basierten Werkzeuge beinhalten. Einige Neuentwicklungen, setzen bereits vollständig auf die Browser-basierte Berichtserstellung und benötigen den Windows-Client nur noch für wenige administrative Aufgaben.
Obwohl der Markt für Berichtswerkzeuge bereits von vielen Anbietern adressiert wird und eine Konsolidierung aufgrund der Vielzahl kleinerer Anbieter notwendig ist, adressieren immer mehr Anbieter den Markt für Berichtswesen. Neue Anbieter versuchen funktionale Nischen zu besetzen und unterscheiden sich oft auch preislich von den etablierten BI-Spezialisten. Weitere Neueinsteiger in den Markt sind die Anbieter von ERP-Systemen, die entweder eigene Anwendungen entwickeln, wie Oracle und SAP, oder Partnerschaften mit Business-Intelligence-Spezialisten eingehen und deren Produkte teilweise unter eigenem Namen vermarkten.
Softwareanbieter für Analysewerkzeuge
Analysewerkzeuge erlauben im Unterschied zu Berichtswerkzeugen einen intensiven Nutzen der Systeme durch so genannte "Power-User", die individuelle und nicht-vorhersehbare Veränderungen von Sichten auf die Daten vornehmen und die Anwendung betriebswirtschaftlicher und statistischer Analysemethoden durchführen. Dazu werden als Datenbasis häufig multidimensionale Datenbanken eingesetzt, um die notwendigen Daten mit kurzen Antwortzeiten zu liefern. Die Analysemöglichkeiten umfassen dabei vor allem eine Navigation im Datenmodell, um einfach und schnell Pfade von Detailwerten zu aggregierten Kennzahlen zu verfolgen. Standardauswertungen wie Sortierungen, ABC-Analysen oder eine Ausreißersuche sind häufig integriert. Weitergehende betriebswirtschaftliche oder statistische Analysemöglichkeiten sind dagegen selten anzutreffen und oft noch Spezialisten vorbehalten, die Data-Mining-Werkzeuge einsetzen.
Im Bereich der Analyseanwendungen gibt es seit Jahren einige Anbieter, wie MIK oder Temtec, die eine gewisse Größe in ihrer Marktnische erreicht haben. Diese Produkte nutzen breit aufgestellte BI-Anbieter, wie es die MIS AG tut, die den DeltaMaster von Bissantz als MIS DeltaMiner vertreiben. Jedoch werden alle Spezialisten durch Komplettanbieter bedrängt, da bei den Kunden teilweise der Wunsch besteht, mit möglichst wenigen Lieferanten für Software zu arbeiten. Spektakuläre Neuentwicklungen sind hierbei vergleichsweise selten, meist enthalten die Produkte weitere Analysefunktionen, andere grafische Darstellungsformen oder werden in der Benutzerfreundlichkeit vereinfacht und adressieren so neue und größere Anwendergruppen in den Unternehmen. Alle Anbieter werden durch neue Marktteilnehmer bedrängt, die für die Datenspeicherung vor allem auf Microsoft-Technologie setzen und damit eine leistungsfähige multidimensionale Datenbank nutzen.
Softwareanbieter für OLAP-Datenbanken
Im deutschsprachigen Markt gibt es zehn Anbieter von multidimensionalen Datenbanken, deren Marktanteil langsam, aber kontinuierlich zurückgeht - größtenteils aufgrund des Markteintritts von Microsoft. Microsoft definiert und etabliert auch den Quasi-Zugriffsstandard ODBO für die Kommunikation zwischen Anwenderwerkzeug und multidimensionaler Datenbank.
Im Gegensatz zu relationalen Systemen setzen sich für multidimensionale Datenbanksysteme momentan erst standardisierte produktübergreifende Zugriffsstandards und Abfragesprachen durch. Die von Microsoft für die multidimensionale Datenbank SQL Server Analysis Services definierte Schnittstelle OLE DB for OLAP (ODBO) und die Abfragesprache MDX (Multidimensional Expressions) etabliert sich dabei als Industriestandard analog zu ODBC und SQL.
Weiterhin wird datenbankseitig vermehrt XML for Analysis (XMLA) zum Datenaustausch angeboten. Auf Seite der Anwenderwerkzeuge sind kaum noch Produkte ohne ODBO-Unterstützung vorhanden und auch die multidimensionalen Datenbanken fast aller Hersteller bieten inzwischen ein entsprechendes Interface an. Diese Schnittstelle unterstützen auch Anbieter, die eine eigene multidimensionale Datenbank entwickelt haben. Als Beispiel kann hierbei MIS dienen, die mit ihren Werkzeugen MIS onVision und MIS Plain auch ODBO unterstützen. onVision ist zudem noch für den Zugriff auf SAP Business Warehouse zertifiziert und kann unterstützt damit auch Reporting SAP BW, Microsoft Analysis Services und der eigenen Datenbank MIS Alea.
BARC-Tagung
Wenn Sie sich selbst einen Überblick über die aktuellsten Markttrends und Produktneuentwicklungen der führenden Anbieter im deutschsprachigen Markt verschaffen wollen, lohnt es sich für Sie die 12. BARC-Tagung zu besuchen. Die Tagung Business Intelligence: Software für Reporting, Analyse und OLAP findet am 27. und 28. Oktober in Würzburg, Deutschland statt. Zusätzlich zu 15 Softwareanbietern präsentiert Nigel Pendse erste Ergebnisse aus der weltweit größten Befragung zu OLAP und Business Intelligence. Weitere Informationen zu diesem Event finden Sie online unter www.barc.de.
Patrick Keller ist Analyst beim Business Application Research Center (BARC) und Mitautor verschiedener Studien, unter anderem "OLAP und Business Intelligence", "Frontends für SAP BW" und "Business Intelligence mit dem Microsoft SQL Server".. Seine Spezialgebiete sind entscheidungsunterstützende Informationssysteme für Controlling-Anwendungen mit besonderem Schwerpunkt auf Business-Intelligence-Frontends und Web-Anwendungen. Darüber hinaus begleitet er seit Anfang 2001 Unternehmen im Software-Auswahlprozess.
Datenbanken für Business-Intelligence-Systeme
Speicherkonzept |
Hersteller |
Multidimensionale |
Schnittstelle für Frontends |
Multidimensionale Speicherung |
Applix |
iTM1 |
ODBO, (XMLA), Proprietär |
Business Objects |
Crystal Holos* |
Proprietär |
|
Cognos |
PowerCubes |
Proprietär |
|
MIK |
MIK-OLAP |
ODBO, Proprietär |
|
MIS |
Alea |
ODBO, Proprietär |
|
Thinking Networks |
TN Planning |
Proprietär |
|
Multidimensionale Speicherung mit Option Daten relational zu halten |
Hyperion |
Essbase |
XMLA, Proprietär |
IBM |
DB2 OLAP Server |
XMLA, Proprietär |
|
Microsoft |
Analysis Services |
ODBO, XMLA |
|
Oracle |
10g OLAP Option |
Proprietär, ODBC |
|
SAS |
MDDB |
ODBO, Proprietär |
|
ROLAP-Engine |
SAP |
(Einsatz des MS SQL Server Analysis Services möglich) |
ODBO, ODBO BAPI, XMLA, Proprietär |
MicroStrategy |
- |
ODBO, Proprietär |
*Crystal Holos wird nicht weiter von Business Objects gepflegt
Schnittstellen in Klammern sind angekündigt, Stand September 2004




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 