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Strategien

Interview mit Ingrid Kriegl - Sphinx IT

"EDV ist eigentlich eine typisch weibliche Branche"

DI Ingrid Kriegl: Zuerst Erwachsenenbildung bei Siemens, dann Oracle Spezialistin, heute Geschäftsführerin bei Sphinx IT

Christine Wahlmüller

Nach wie vor sind es wenige Frauen, die in der IT-Branche "technisch" arbeiten. Noch weniger stehen in der ersten Ebene "ihren Mann". DI Ingrid Kriegl hat es aus eigener Kraft geschafft. Gemeinsam mit einem ehemaligen Kollegen bei Oracle hat die studierte Informatikerin vor 12 Jahren die Firma Sphinx IT gegründet. Motto der engagierten Salzburgerin und Mutter eines 12-jährigen Sohnes: "Ich liebe die Herausforderung".

Sie sind Geschäftsführerin bei Sphinx IT, wie würden Sie Ihr Unternehmen selbst ganz kurz charakterisieren?

Eigentlich sind wir mittlerweile zwei Firmen, zum einen die Sphinx IT Consulting, die auf die Entwicklung von Individual-Software auf Oracle Basis spezialisiert ist, und seit einigen Monaten unsere Tochterfirma Sphinx Managed Services, die den Outsourcing-Bereich für Klein- und Mittelbetriebe abdecken soll. Was mich besonders freut ist, dass wir bei Sphinx stetig wachsen. Heuer ist für uns ein ganz besonders tolles Jahr. Wir werden mit vier Mio. Euro ein Umsatzplus von 40 Prozent erreichen und haben unsere Mitarbeiteranzahl von 25 auf 44 ausgebaut.

Wie war das möglich?

Durch einige sehr schöne, wenn auch technisch und zeitlich herausfordernde Projekte. Für die Allgemeine Bausparkasse haben wir die klassische Hostlösung durch eine neue Oracle Applikation ersetzt, die das gesamte Bauspargeschäft abdeckt. Zweitens haben wir für Neusiedler eine neue "Production Tracking Software" entwickelt, die den gesamten Papier-Produktions-Zyklus von der Auftragsdisposition über die Feinplanung bis zur Unterstützung der werksinternen Logistik von der Mutterrolle bis zur kartonierten Ware unterstützt. Ein äußerst komplexes Projekt, da u.a. viele Schnittstellen zu den unterschiedlichsten Systemen beachtet werden müssen. Weitere Sphinx-Kunden sind z.B. Siemens, ÖBB, Boehringer, T-Mobile oder das LFRZ, das Land- und Forstwirtschaftliche Rechenzentrum.

Sie sind als IT-Unternehmerin sehr erfolgreich, wie waren Ihre Anfänge in dieser Branche?

Ich habe vor 25 Jahren Informatik studiert, eigentlich absolut untypisch, weil ich war in Salzburg in einer reinen Mädchenschule. Beim Studium waren dann von 80 Studienanfängern nur 4 Frauen und zwei davon haben, glaube ich, auch fertig studiert. Dabei finde ich, ist EDV eigentlich eine typisch weibliche Branche: Man muss gut zuhören können, Bedürfnisse und Anforderungen verstehen, kreativ sein, gut in Teams arbeiten können - alles im allgemeinen Eigenschaften, die als weiblich gelten.

Trotzdem ist die Branche nach wie vor männerdominiert.

Ja leider, ich muss sagen, auch wir bekommen selten bis nie Bewerbungen von Frauen. Zur Zeit haben wir acht Mitarbeiterinnen. Ich würde mich über mehr Frauen freuen, wobei aber als aller erstes die Leistung zählt, egal ob ein Mann oder eine Frau dahinter steht.

Wie war denn eigentlich Ihr persönlicher Werdegang?

Ich habe mir mein Studium mit Erwachsenenbildung verdient und bin direkt nach dem Abschluss bei Siemens im Ausbildungszentrum Trainerin geworden. Eines Tages habe ich beschlossen, ich will nie wieder einen Kurs halten - das war der Punkt, wo ich zu Oracle gewechselt habe. Das war für mich eine tolle Zeit, dort habe ich unheimlich viel gelernt, viel Technisches, aber auch z.B. in punkto Selbstbewusstsein. Zuerst war ich in der technischen Abteilung, dann im Presales, zuletzt Leiterin Presales. Dann kam mein Kollege mit dem Vorschlag: Machen wir uns doch selbständig, ich habe ja gesagt, und gleichzeitig wurde ich schwanger.

Und wie haben Sie Kind und Karriere "geschafft"?

Die erste Zeit war schwer, ich habe im Home Office gearbeitet und ziemlich wenig geschlafen. Außerdem habe ich ein Kindermädchen engagiert und ziemlich oft ein schlechtes Gewissen gehabt, dass ich zu wenig für meinen Sohn da bin.

Das alte Problem mit Kind und Karriere. Wie handhaben Sie das in Ihrem Betrieb?

Ich würde sagen, nicht frauen-, sondern insgesamt familienfreundlich. Wir haben flexible Arbeitszeiten, z.B. einen Vater, der nur vier Tage in der Woche arbeitet, oder Home Office Plätze. Gerade die EDV-Branche hat ja den Vorteil, dass man in punkto Arbeitszeit sehr flexibel sein kann.

Und was würden Sie einem jungen Menschen heute z.B. nach der HTL empfehlen - Einstieg in der Wirtschaft oder weiterstudieren?

Ich weiß, ich schwimme da gegen den Strom. Ich würde sagen, weiterstudieren, entweder an der Uni oder FH. Und die Zeit nützen, in der man sich mit dem theoretischen Background intensiver auseinandersetzen kann.

Welche Visionen haben Sie für Sphinx, sagen wir in 5 Jahren?

Ich möchte etwa auf 60 bis 70 Mitarbeiter expandieren. Um neue Themen zu besetzen, werden wir das Modell der Tochtergesellschaften fortsetzen.

Bleibt bei so vielen Plänen auch noch Zeit für Hobbys und Freizeit?

Doch, Laufen, Lesen, Freunde treffen, reden und diskutieren, kochen, essen und Rotweine sammeln. Nicht zu vergessen: Reisen. Früher Abenteurerreisen mit dem Zelt. Heute am liebsten Städtereisen, einfach weg für 3,4 Tage, das ist die beste Erholung.

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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