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Hard & Software

Besuch im Sky Media DVD R Werk

DVD +/-Rs: Qualität ist alles!

Worauf es bei der Fertigung von DVD R-Rohlingen ankommt, davon konnte sich MONITOR "vor Ort" überzeugen: im Produktionswerk von Sky Media im westschweizerischen Yvonand.

Einer der führenden Hersteller optischer Datenspeicher in Europa zu werden, hatte sich Sky Media zum Ziel gesetzt. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen ist inzwischen mit seinen Produkten - Rohlinge für CD-R, DVD+R und DVD-R - europaweit vertreten.

Um diese Produkte zu vermarkten, gründete Sky Vertriebsbüros und Niederlassungen in Spanien, Frankreich, Deutschland, England und den Niederlanden und arbeitet zudem intensiv mit den großen europäischen Retailern zusammen. Ein zweites Werk in der Slowakei ist im Aufbau und soll bereits in knapp einem Jahr in Betrieb gehen. Zudem will man in Zukunft im Schweizer Werk auch LCD-Fernseher und ähnliche Produkte der Konsumelektronik erzeugen.

Rasche Entwicklung

Sky Group SA mit Hauptsitz in Luxembourg wurde im November 2000 gegründet, und bereits im April 2002 lief die Produktion von CD-Rs im Schweizer Werk an. Der Ausstoß liegt inzwischen bei 10 Mio. Stück pro Monat. Seit Februar 2004 laufen hier auf sieben Produktionsstraßen des deutschen Fabrikats "Singulus" DVD-Rohlinge beider Standards - DVD-R und DVD+R - für 8x-Brenner vom Band. Sky Media ist damit der erste Hersteller, der diese 8x-DVD-Rohlinge in Europa fertigt.

Das Werk ist übrigens seit Juli 2004 ISO-9001:2000-zertifiziert. Das Unternehmen Sky Media erwirtschaftet mit 200 Mitarbeitern heuer einen Umsatz von ca. 43 Mio CHF (29 Mio €) und einen Nettogewinn von 9 Mio CHF (5,8 Mio €).

Fertigung in höchster Reinheit

Nun steckt der Teufel bekanntlich immer im Detail, und dies gilt ganz besonders für die Erzeugung von DVD-Rohlingen. Einige der Fertigungsprozesse sind in puncto Präzision sehr heikel, aus diesem Grund muss beispielsweise die gesamte Fertigung unter Reinraum-Bedingungen stattfinden: das Betreten dieser Räumlichkeiten ist nur mit Schutzkleidung erlaubt.

In den Maschinen selbst herrschen noch weit anspruchsvollere Bedingungen bezüglich Staubfreiheit, dafür sorgt schon eine eigene Luftversorgung mit einem aufwändigen Filtersystem, das diese Maschinen extra mit speziell gefilterter Luft versorgt. Damit ist in ihrem Inneren noch eine um einige Zehnerpotenzen höhere Staubfreiheit gewährleistet als im "gewöhnlichen" Reinraum.

Diese Fertigungsstraßen beinhalten sämtliche Fertigungsschritte. Die Präzision beginnt schon beim Gießen der beiden Layer aus Polycarbonat - Layer 0 mit der eingeprägten Rillenstruktur der späteren DVD±R, Layer 1 ohne diese Besonderheit, in automatischen Extrudern. Danach durchläuft Layer 0 den Beschichtungsprozess, in den die für den späteren Schreibvorgang aktive Schicht in flüssiger Form ("Dye") aufgebracht wird. Nach dem Trocknen werden die beiden Layer "zusammengebacken".

Während die DVD+R damit auch schon fertig ist, muss die DVD-R danach in einem eigenen Schreibvorgang mit den erforderlichen Markierungspunkten versehen werden, an denen sich später die Brenner orientieren können. Dies geschieht in einem eigenen Fertigungsschritt.

Ständige Kontrollen

Während all dieser Vorgänge gilt es, eine ganze Reihe verschiedenster Parameter ständig zu überprüfen, die allesamt Einfluss auf die Qualität des Datenträgers haben können. Das beginnt schon beim frisch geprägten Layer 0; bereits hier wird die Präzision, die Tiefe und die Flankensteilheit der Rillen ("Grooves") immer wieder überprüft. Hierzu wird stichprobenartig alle 20 Minuten ein Exemplar gezogen und mit optischen Messverfahren gecheckt; parallel dazu wird mehrmals täglich bei einzelnen Exemplaren die Qualität der gesamten Rille von A bis Z untersucht - ein Vorgang, der pro Exemplar immerhin rund zwei Stunden dauert!

Auch nach dem Beschichten mit der aktiven Schicht (Dye) werden wieder ähnliche Prüfungen durchgeführt, denn auch bei diesem Vorgang können sich Abweichungen wie beispielsweise eine zu dicke oder zu seichte Schicht Dye ergeben, die sich auf die Qualität des späteren Datenträgers negativ auswirken.

Fehler schnell aufdecken

Dies ist überhaupt die wichtigste Aufgabe der permanenten Qualitätskontrollen in dieser Fertigung: Sämtliche Abweichungen, die durch das "Driften" bestimmter Einstellungen oder anderer Größen passieren können, so schnell wie möglich abzufangen und sie durch entsprechende Justierungen der betreffenden Einheit zu kompensieren.

Dabei ist Zeit gleich Geld: Je schneller solch eine Abweichung entdeckt wird, desto weniger Ausschuss wird produziert. Und weil eine komplette Überprüfung eines Rohlings inklusive aller Parameter eben zwei Stunden dauert, setzt man hier parallel dazu auch auf eine "Schnelldiagnose", die zwar nicht so aussagekräftig ist wie die Gesamtprüfung, aber dafür einen wesentlichen Vorteil bietet: Ihre Ergebnisse stehen bereits nach rund zwanzig Minuten zur Verfügung und können in vielen Fällen bereits eine erste Nachjustierung auslösen, die ihrerseits eine Menge Ausschuss vermeiden kann. Da aber nicht alle Fehlerquellen in diesen "Schnellverfahren" zu Tage treten, behält auch die langsamere, aber vollständige Fehlererfassung durch die Gesamt-Prüfung ihre Berechtigung.

Über eine Million Euro

Dementsprechend wird dafür auch ein hoher Aufwand getrieben: So repräsentieren alleine die hierzu in der Qualitätskontrolle installierten Mess- und Prüfgeräte für die DVD±R-Fertigung einen Wert von mehr als einer Million Euro.

Damit werden einerseits - jeweils mit verschiedenen Messverfahren, die parallel laufen - die Rohlinge aus laufender Fertigung untersucht, und andererseits wird versucht, mit einer Reihe von Referenzgeräten namhafter Hersteller standardisiertes Daten- und/oder Videomaterial auf die Datenträger beider Standards DVD+R und DVD-R zu "brennen". Auch diese Ergebnisse werden einmal pro 12-Stunden-Schicht akribisch untersucht.

Die richtige Brenn-Strategie

Bei diesem Punkt gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Herstellerfirmen der DVD-Brenner. Der Grund ist: Gerade beim Brennen von 8x- und 16x-Rohlingen muss der Brenner bereits Rücksicht auf verschiedene Parameter nehmen. So ändert sich beispielsweise die Einstellung der Laserenergie beim schnelleren Brennen nicht linear, sie erfordert mit steigendem Tempo eine Art "Korrekturfaktor", der noch dazu davon abhängt, wie hoch der Anteil an aktiven Pits in der Umgebung des Lasers im Augenblick ist.

Je mehr aktive Pits zu brennen sind, desto kürzer muss der Laser aktiviert werden, damit nicht an diesen Stellen durch die thermische Energie ein Zuviel an Wärme entsteht, die sich dann vor und nach den einzelnen Pits auswirken und deren Länge verfälschen könnte. Das Ergebnis wären Pits mit falscher Länge und damit Datenfehler.

Um dies zu vermeiden, muss - für jede Type von Medium und jede Brenngeschwindigkeit extra! - jeweils ein Korrekturfaktor eingegeben werden, sonst kann das Ergebnis des Brennvorganges unter Umständen zum Fiasko werden.

Wo gibt es ein Firmware-Update?

Auf diesem Gebiet existiert übrigens bei vielen Herstellern von DVD-Writern wohl noch Entwicklungsbedarf. Denn ein DVD-Brenner kann nur auf jene Medientypen optimal speichern, die seine Firmware erkennt. Deshalb kann es passieren, dass ein Anwender mit seinem neuen DVD-Writer unter Umständen bereits nach wenigen Monaten nur mehr schlechte Resultate erzielt. Die Ursache ist dann meist eine neue Generation von Medien, die der Anwender guten Glaubens gekauft hat und die sein Brenner mangels neuester Firmware nicht mehr erkennt.

Anstatt den Anwender darauf aufmerksam zu machen, dass dieser Typ von Medien noch nicht in der Firmware erfasst ist und ihm zugleich ein Update dieser Firmware via Internet vorzuschlagen, schaltet der Brenner auf stur und benutzt seine "Standardeinstellung". Diese "Standardeinstellung" ist möglicherweise für die verwendeten Medien alles andere als optimal, ebenso zweifelhaft scheinen dann die Ergebnisse dieser Brennvorgänge.

Während dieses Problem bei den 1x- und 2x-Brennern noch weniger relevant war, steigt die Bedeutung der jeweils zum verwendeten Medium passenden Brennstrategie mit dem Tempo. Die Chance, eine 8x (oder gar 16x) DVD "blindlings" korrekt zu brennen, ähnelt eher einem Glücksspiel als einem technisch beherrschbaren Vorgang.

Erste Erfolge

Mit ihrer kompromisslosen Jagd nach Qualität konnte Sky Media inzwischen erste Erfolge verzeichnen, so steht Sky derzeit in Europa bei den DVD-Rohlingen auf Platz fünf der Erfolgsliste und in Deutschland gar auf Platz drei, wie eine GfK-Untersuchung kürzlich ergab. Hierzu trägt auch die Zusammenarbeit mit den großen Handelsketten wie etwa MediaMarkt, Karstadt, ProMarkt, Saturn, Expert und Carrefour bei.

Schon im Kürze - genauer: im vierten Quartal 2004 - wird im Werk Yvonand auch die Fertigung von LCD-TV-Empfängern anlaufen, auch hier will man mit 40.000 Geräten pro Monat den europäischen Markt erobern. Im gleichen Quartal wird auch die Fertigung von Double-Layer-DVDs anlaufen. Hier sieht Sky Media große Möglichkeiten auf dem europäischen Markt. Und in das neue Werk in Nove Mesto nad Vahom in der West-Slowakei werden in den nächsten fünf Jahren ca. hundert Mio € investiert werden. Damit werden rund 1.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das Werk wird von der slowakischen Regierung gefördert.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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