Christian Henner-Fehr
Die meisten Besucher einer Website sind auf der Suche nach Informationen. Das sieht auch Irene Moser so. Zusammen mit ihrem Mann führt sie das Hotel Höldrichsmühle in Hinterbrühl. "Seit fast fünf Jahren haben wir eine eigene Website, über die wir unsere Zielgruppen mit Informationen versorgen", so die Chefin des Hauses, das nicht nur zum Urlaub im Wienerwald einlädt, sondern auch für Seminare bestens geeignet ist. Unter www.hoeldrichsmuehle.at findet der User Zimmerpreise und besondere Urlaubsangebote, aber auch Fotos und Grundriss der verschiedenen Seminarräume. Wer darüber hinaus nicht weiß, wie er zum Hotel kommt, kann sich eine Anfahrtsskizze im A4-Format ausdrucken.
"Für den Relaunch vor einem Jahr haben wir einen Grafiker beauftragt, der uns dabei unterstützt hat, die Seite noch mehr auf unsere Kunden abzustimmen", hebt Moser den Stellenwert eines guten Layouts hervor. Dabei geht es nicht nur um hübsche Farben, sondern auch um technische Aspekte, wie eine Website zu gestalten ist. Die Besucher der Website haben Bildschirme mit verschiedener Auflösung und erwarten, dass die einzelnen Seiten auch auf den Bildschirm passen. Wer da erst nach rechts scrollen muss, um die ganze Seite sehen zu können, bricht seinen Besuch schnell ab.
Wenig Spaß haben die User auch an Texten, die kaum lesbar sind, weil die Schrift entweder zu klein oder zu verschnörkelt geraten ist. Vorbei sind auch die Zeiten, wo aufwendige Intros zu überwinden waren, bevor man zum eigentlichen Inhalt kam. Was früher ein Problem war, weil die Anbindung an das Internet noch über Modem erfolgte, wird heute einfach nicht mehr gewünscht. Zwar verfügen die User nun über die entsprechende Bandbreite, aber das Internet hat als Spielwiese ausgedient. Geschwindigkeit zählt und wer seinen Kunden das, wonach sie suchen, zu lange vorenthält, wird weggeklickt. Das sind nur einige Aspekte, die es zu beachten gilt, wenn eine Website erstellt oder relauncht werden soll.
Während große Firmen meist über entsprechende Abteilungen für diese Aufgabe verfügen, ist das für KMU nicht so einfach. Sich neben dem Tagesgeschäft noch Gedanken über Ziele und Strukturen einer Website zu machen, erfordert nicht nur Zeit, sondern auch Kreativität. "Kaum ein Unternehmer kommt aber bereits mit einem Lastenheft zu uns", beschreibt Dieter Rappold, Geschäftsführer der Full Service New Media Agentur Knallgrau (www.knallgrau.at), die Ausgangslage. In diesem sollten die grundlegenden Infos enthalten sein, wozu die Seite dient und was sie können muss. "Uns ist es aber auch wichtig, diese Dinge mit unseren Kunden gemeinsam zu erarbeiten, denn wir verfügen über die entsprechende Erfahrung und können beurteilen, ob die Wünsche des Kunden realistisch sind oder nicht", so Rappold.
Als Designer muss man vom Medium sehr viel verstehen
Häufig haben die Kunden überzogene Vorstellungen von einer Website beziehungsweise sind dann erstaunt, wenn sie hören, was sie kostet. "Aber einen Mercedes bekomme ich auch nicht für 5.000 Euro", sieht Rappold das Hauptproblem im fehlenden Verständnis für das Medium. Das fehle aber nicht nur den Kunden, sondern häufig auch den Webdesignern, ist er überzeugt und zieht den Print-Bereich als Beispiel heran. "Dort hängt vieles vom Namen ab, denn im Print-Design gibt es die Stars, bei denen ich einfach für den Namen zahle", so Rappold. Diese Star-Designer sind aber ihr Geld auch wert, denn sie verstehen vom Medium sehr viel und entwickeln daraus ihre Designs. "Nun haben aber viele Designer aus dem Print-Bereich den Fehler gemacht, das Medium zu wechseln, ohne das Internet wirklich zu kennen", ist Rappold überzeugt. "Heraus kommt dann etwas, was nicht medienadäquat ist und in diesem Fall als Design nicht funktioniert."
Mehr und mehr Lehrgänge, die in Richtung Webdesign ausbilden, haben diese Defizite aber erkannt und bieten einen Mix aus Grafik und Technik-Ausbildung an. Für Rappold ist das der richtige Weg, denn häufig fehle das Wissen um die Technik und somit das Gefühl für das Medium.
Herbert Unterlechner gehört zu den Designern, die in beiden Medien arbeiten und das recht erfolgreich. Seit 1995 bereits ist er im Geschäft und gehört so zu den Pionieren des Webdesigns in Österreich. banana (www.banana.at) nennt er seine Firma, die ihren Sitz in Wattens hat und vor allem Kunden aus dem lokalen und regionalen Umfeld anlockt. Auch für Unterlechner ist das Gespräch mit dem Kunden wichtig, "damit wir gemeinsam die Ziele herausarbeiten können". Auffällig für ihn ist es, dass bei kleinen Unternehmen dieser Dialog viel intensiver ist als bei mittelständischen. "Vielleicht hängt das damit zusammen, dass größere Unternehmen ein ganz anderes Verständnis von Aufgabentrennung haben", mutmaßt er.
Auch die Website des Hotels Höldrichsmühle wurde von Irene Moser "mitentwickelt". "Wir haben uns die Struktur der Seite vorher ganz genau überlegt und wussten auch, was wir mit der Seite erreichen wollen", so die Hotelbesitzerin. Urlauber wollen mit anderen Informationen versorgt werden als Seminarveranstalter oder -teilnehmer. "Wichtig ist uns vor allem, dass nur wenige Klicks nötig sind, um an die gewünschten Informationen zu gelangen", verweist Moser auf einen für sie ganz wichtigen Aspekt. Dementsprechend übersichtlich sei die Seite auch geworden, zeigt sich Moser mit dem Ergebnis zufrieden.
Je mehr der Kunde weiß, desto weniger kann schief gehen
Eine optimale Konstellation also, wenn es um die Erstellung oder Neuausrichtung einer Website geht? Für Unterlechner ist das kein Einzelfall. Seine Kunden wissen in der Regel, was das Endprodukt können muss. Je größer das Wissen des Kunden, um so weniger kann später schief gehen. Auch für Rappold ist diese Phase besonders wichtig. "Klarheit erleichtert nicht nur die Arbeit, die Investition in die Consultingphase erspart den Kunden unter Umständen später viel Ärger und Geld, denn wenn die Ziele und Aufgaben der Seite einmal klar herausgearbeitet sind, können Missverständnisse nicht mehr so leicht entstehen."
Und das Missverständnisse teuer kommen können, liegt auf der Hand. Aufwendige Relaunches und ein verändertes Konzept sind die Folge. Da wird das geplante Budget schnell überschritten. Geld ist überhaupt ein großes Problem. Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand, der für die Erstellung oder den Relaunch einer Seite nötig ist. "Fast jeder kennt jemanden in der Nachbarschaft oder aus dem Bekanntenkreis, der hobbymäßig Websites programmiert", schildert Rappold seine Erfahrungen. "Wenn man dann seinen Stundensatz nennt, sind die Kunden oftmals völlig überrascht." Eine Erfahrung, die nicht nur Rappold gemacht hat. Irene Moser sieht aber ein anderes Problem. "Gerade für uns als kleines Unternehmen ist es enorm wichtig, die Ausgaben planen zu können. Bei einer Website ist das nicht so einfach, denn es kommt immer wieder vor, dass eine kleine Änderung zu nicht vorhersehbaren Kosten führt, weil eine Umprogrammierung fünf statt nur einer Stunde gedauert hat."
Für Herbert Unterlechner lassen sich solche Probleme nur vermeiden, wenn der Kunde ihm vertraut. "Dafür sind aber auch die zahlreichen Gespräche gedacht", so Unterlechner, der mit dieser Strategie gut zu fahren scheint. Auch Rappold verweist im Gespräch darauf, wie wichtig es ist, die Sprache des Kunden zu sprechen und ihn dort abzuholen, wo er in dem Moment steht. "Sonst ist er sehr schnell überfordert und geht uns als Kunde verloren." Rappold spricht in diesem Zusammenhang von "gesunder Skepsis", über die die Kunden verfügen. Ein fairer Umgang zahle sich also aus, ist er überzeugt.
Vielleicht wird Webdesign aber in Zukunft gar nicht mehr den heutigen Stellenwert besitzen. Dieter Rappold gehört zu denen, die immer auf der Suche nach der Marktnische sind und sich so für die Zukunft wappnen. Mit Knallgrau setzt er seit einiger Zeit auf Weblogs. "Den Weblogs gehört die Zukunft", ist sich Rappold sicher. "Gerade kleine Unternehmen haben hier die Möglichkeit, mit viel Kreativität und wenig Geld ihre Kunden zu erreichen." Vielleicht ist Webdesign also schon bald kein Thema mehr? Eher nicht, denn eine gut layoutierte Website fasziniert einen immer noch. Und so viele gibt es ja nicht davon.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 