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Strategien

Client-Server-Konsolidierung

Alternativen und Bewertungen

Bei der Konsolidierung der Client-Server-Welt geht es sowohl um die Einsparung von Kosten als auch um die Umsetzung neuer Anwendungen. Typische Beispiele für neue Anwendungen sind die Umsetzung Standort-übergreifender Geschäftsprozesse sowie die Einführung von Portal-Applikationen. In dieser brisanten Mischung liegt die Herausforderung dieser Aufgabenstellung. Im Folgenden werden typische Konsolidierungs-Ansätze bewertet.

Dr. Jürgen Suppan

Häufig werden Projekte vorrangig mit dem Ziel der Kostenreduzierung aufgesetzt. Das Einsparpotenzial ist unter Berücksichtigung der enormen Leistungspotenzialen moderner Server- und Speicher-Technologien erheblich. Trotz dieser eigentlich guten Ausgangslage erreichen viele Projekte die angestrebten Ziele nicht. Häufig liegt die Ursache in übereilten Spontan-Projekten, die nicht in ein Gesamt-Konzept eingebunden sind. Betrachtet man aber die gesamte Palette der Konsolidierungs-Alternativen, dann wird deutlich, dass nur ein abgestimmter Gesamtplan den Weg in eine neue Form von Wildwuchs und teure Sackgassen verhindert.

Ausgangspunkt: Analyse der Ist-Kosten

Jedes Projekt zur Senkung von Kosten sollte die bestehende Kostenstruktur als Ausgangslage analysieren. Nur die Analyse der aktuellen Kosten kann für eine gegebene Unternehmens-Situation aufzeigen, welche Potenziale besonders groß sind. Im folgenden wird ein hypothetisches Unternehmen ohne Anspruch auf direkte Übertragbarkeit als Rechengrundlage benutzt.

Die zur Zeit gängigsten Konsolidierungs-Maßnahmen sind die Zentralisierung von File-Servern durch Abschaffung der vielen dezentralen File-Server und Aufbau weniger zentraler sowie der Umstieg auf OpenSource-Anwendungen.

Diese Ansätze wurden für unser Szenario berechnet. In der Kosten-Analyse der Ausgangs-Situation ergibt sich folgende Kostenverteilung bezogen auf Invest-Kosten:

  • File-Server: 9,7%
  • Client-Systeme (Hard- und Software): 68,2%

Die Zentralisierung der File-Server wird in der Praxis häufig der erste Schritt sein. In der direkten Reduzierung der Kosten hat dieser Schritt allerdings kaum einen Einfluss auf die Gesamtkosten. Schwerer wiegt bei dieser Maßnahme die massive Erleichterung des Operatings, des Backup, der Benutzer-Verwaltung und des Betriebs von Sicherheits-Lösungen.

All das kann aber nicht an der Tatsache vorbei führen, dass im Szenario die Clientkosten die Gesamtkosten bestimmen. Sie werden allerdings wesentlich bestimmt von der Frage, welche Software-Update-Kosten für den in diesem Szenario angenommenen Betriebszeitraum von 5 Jahren entstehen. Werden wenige oder keine Updates durchgeführt, entstehen signifikant geringere Kosten.

Auf jeden Fall unterstreicht diese Kostenanalyse die Bedeutung der zur Zeit intensiv geführten Diskussion über den Einsatz von Open Source Software auf der Desktop-Seite. Hier liegt im Extremfall das Potenzial, über 40% der gesamten Investitionskosten einer Client-Server-Landschaft zu sparen.

Die Kostenanalyse zeigt aber auch, dass bei all diesen Überlegungen die Betriebskosten nicht vernachlässigt werden können. Diese werden auf der Seite der Client-Administrations-Kosten (keine UHD- und sonstige Betreuungs-/Beratungskosten berücksichtigt) durch die Zahl der Systeme, die ein Administrator betreuen kann, bestimmt. Für unser Szenario wirkt sich dieser Multiplikator auf einen Betriebszeitraum von 5 Jahren unter der Annahme von Personal- und Ausstattungskosten (inklusive Raum und Telekommunikationskosten etc.) pro Administrator von 75.000 Euro pro Jahr wie folgt aus:

  • 1 Admin pro 50: 7,5 Mio Euro
  • 1 Admin pro 100: 3,75 Mio Euro
  • 1 Admin pro 200: 1,875 Mio Euro

Im Szenario liegt demgegenüber der Umfang der Kosteneinsparung im Invest auf der Clientseite bei maximal 2,5 Mio Euro. Würde also ein Umstieg auf eine andere Systemtechnik zu einer Erhöhung der Betreuungsaufwände führen, so können leicht die scheinbar erheblichen Einsparungen durch gestiegene Personalkosten zu Nichte gemacht werden.

Kostensenkung durch Einsatz von Linux und Open Source Software

Der Ersatz Hersteller-spezifischer und kostenpflichtiger Software durch Open Source Software ist ein Bereich, der für jede Konsolidierungs-Lösung zu evaluieren ist. Häufig wird allerdings der Fehler gemacht, diese Entscheidung quasi als strategische Grundsatz-Entscheidung in den Mittelpunkt zu stellen. Ihr Einsatz ist aber nur ein Baustein eines Konsolidierungs-Projekts und sollte in jedem Fall mit der Konsolidierung von Speicher- und Sicherheits-Technologien und einer zentralisierten Benutzer-Verwaltung harmonisiert werden.

Es ist keine Frage, dass die Lizenzkosten traditioneller Office-Pakete zum Teil Dimensionen erreichen, die in keinem nachvollziehbaren Verhältnis mehr zu den Entwicklungs- und Pflegekosten der jeweiligen Software stehen. Finanziell steht dem allerdings die immer weiter steigende Nutzungsdauer gegenüber. Von daher kann ein Anwender ggf. den steigenden Lizenzkosten dadurch aus dem Weg gehen, dass er eine Software über einen sehr langen Zeitraum nutzt. Dies muss in der Kostenrechnung berücksichtigt werden.

Parallel ist in den letzten Jahren ein sehr ernst zu nehmendes Angebot an Open Source Software OSS entstanden. Dabei ist für die meisten OSS-Produkte eine Bindung an Linux als Betriebssystem gegeben. Wer also einen kompletten Umstieg auf Open Source Anwendungen im Auge hat, der muss quasi zwangsläufig auch den Wechsel auf Linux als Desktop-Betriebssystem als Alternative sehen.

Allgemein verbindet man mit dem Begriff Open Source folgende Grundeigenschaften:

  • Freie Weiterverbreitung: Jeder darf Open Source Software benutzen und beliebig weiterverteilen
  • Verfügbarkeit des Quellcodes: Das Softwarepaket muss den Quellcode enthalten oder angeben, an welcher freien Stelle dieser zu erhalten ist.
  • Änderungen am Quellcode: Der Quellcode darf verändert werden und in der veränderten Form weitergegeben werden.

Die Unterschiede in den bestehenden Lizenztypen befassen sich mit der so genannten Copyleft-Eigenschaft, wie sie in der GNU Public Lizenz GPL-Lizenzen gegeben. Copyleft bedeutet, dass eine Software frei genutzt werden kann (ausführen, ändern, speichern). Wird allerdings mit dieser Software ein neues Produkt oder eine neue Eigenschaft programmiert, dann muss dieses wieder in der Nutzung für alle frei sein und auch als freies Produkt verbreitet werden. Insbesondere darf es nicht an einen Kauf gebunden werden oder Benutzerkreise ausschließen.

Nun nutzen einige Hersteller GPL-Software als Basis, um sie mit ihren proprietären Produkten anzureichern und diese Zusätze zu verkaufen. Dies ist bei GPL nur dann gestattet, wenn die Zusätze vollkommen getrennt quasi als separater Patch gehandhabt werden. Das ist naturgemäß nicht in jedem Fall sinnvoll. Deshalb gibt es andere Lizenztypen, zum Beispiel BSD-basierte Lizenzen, die eine Produktentwicklung auf der Basis eines freien Produkts gestatten und dann auch erlauben, dieses Produkt zu verkaufen.

Bewertet man die Nutzbarkeit von OSS, dann ist noch nicht allein der Status Quo spannend, sondern die im Moment gegebene Entwicklungs-Tendenz. Obwohl OSS schon heute erhebliches leistet (siehe: Apache, Mozilla, Open Office, Gimp, Evolution, Mplayer, Postfix, Cyrus, X), ist der Blick in die Zukunft das entscheidende. Mitentscheidend für den Umfang des Erfolgs von Linux und OSS wird die Frage sein, ob wichtige Software-Hersteller wie beispielsweise Adobe und Macromedia ihre Produkte auf Linux portieren. Speziell in den Bereichen Buchhaltung, Warenwirtschaft und DTP besteht klar ein Bedarf. Die Entscheidung von Oracle, in Zukunft Linux als offizielle Plattform zu behandeln, zeigt aber, dass ein Wechsel der traditionellen Hersteller in Richtung Linux im Gange ist.

Trotzdem ist ein Einstieg in diese Welt mit erheblichen Arbeiten verbunden. In vielen Fällen werden Applikationen, die zur Zeit auf Windows-Basis genutzt werden, unter Linux - noch - nicht vorhanden sein. Parallel müssen bestehende Office-Makros, Formular-Anwendungen etc. neu entwickelt werden. Auch das Thema des Dokumentenaustauschs mit Microsoft Office Anwendern muss geklärt werden. So wird der Einsatz eines Windows-Emulators oder der Einsatz der Windows-Terminal-Dienste mindestens für eine Übergangszeit von mehreren Jahren unvermeidbar. Zum einen haben diese Produkte auch technische Einschränkungen, zum anderen erhöhen sie die Kosten. Auf jeden Fall muss mit einer im Schnitt halbierten Leistung bei virtuellen Maschinen gerechnet werden.

Diese Beispiele sind unvollständig, zeigen aber, dass der Umstieg auf Linux und Open Source mit Bedacht durchgeführt werden muss. Die Migrationskosten können erheblich sein. Parallel ist es momentan kaum möglich, die späteren Betriebskosten seriös abzuschätzen. Ein Kernproblem für den Betrieb ist, dass die Release-Zyklen der eingesetzten OSS-Software sehr kurz sind und zum Teil Abhängigkeiten zu Libraries und Linux-Verzeichnisstrukturen bestehen. Ein Upgrade kann damit zu einer aufwendigen Angelegenheit werden. Unternehmen sollten deshalb bei Nutzung von Linux und OSS zwingend eigene Distributionen entwickeln und von der Nutzung markttypischer Distributionen absehen.

Wesentlich für einen Einstieg in Linux und OSS ist die Entscheidung, an welchen Stellen der Einsatz erfolgen soll. Alternativen sind mindestens:

  • Linux als Ersatz für Windows- oder UNIX-File-Server
  • Linux als Ersatz für Windows- oder UNIX-Datenbank-/Applikations-/Web-Server in Kombination mit entsprechenden Open Source Applikationen
  • Linux als Ersatz für Windows als Client-Betriebssystem
  • Einsatz von Open Source Software unter Windows als Client

Der Einsatz von Linux als File-Server ist relativ einfach umsetzbar, auch unter Beibehaltung einer Microsoft-Umgebung (Samba 3 hat bestehende Probleme deutlich reduziert). Hier sollte in jedem Fall aber eine Zentralisierung und Konzentrierung der bestehenden File-Server voran gehen und parallel eine Entscheidung über die Art der Speicher-Technik getroffen werden.

Auf der Server-Seite verspricht der Einsatz von Linux als Applikations-Server den größten Kostenvorteil. Typisch ist die Nutzung als Webserver mit Apache oder als Firewall. Zunehmend wird auch der Einsatz von freien SQL-Datenbanken eine Rolle spielen, die zunehmend auch in großen Projekten mit Erfolg und Zufriedenheit eingesetzt werden (siehe SAP). Auf Dauer wird auch der Mail-Server durch OSS-Lösungen realisiert werden, wenn keine Workgroup-Funktionen in direkter Kombination mit der Mail benötigt werden wie sie bei Notes oder Outlook gegeben sind.

Bei jeder zentralisierten Linux-Server-Lösung ist der Aufbau einer System-übergreifenden Benutzer-Verwaltung ein unverzichtbares Muss. Auch wenn die Nutzung von OpenLDAP die Projektkomplexität merklich erhöht, kann nur damit eine Erhöhung der Betriebskosten sinnvoll verhindert werden.

Betrachtet man den Einsatz von Linux auf der Serverseite im Rahmen einer Gesamtkostenrechnung, dann ist der Einfluss auf die Kosten trotzdem ggf. gering. Die Einsparung liegt im Serverbereich weniger in den Lizenzkosten als in der Abschaffung und Konzentration von Servern. Ursachen liegen unter anderem auch in der vergleichsweise günstigen Lizenzierung von File- und Webservern durch Microsoft.

Betrachtet man Investitions- und Software-Pflegekosten als Gesamtheit, dann fällt sofort der hohe Einfluss des Client-Betriebssystems und der Office-Applikation auf. Erstellt man eine Liste der Maßnahmen mit dem größten Einfluss auf Investition und Software-Pflege, so werden die Lizenzen von Microsoft Office weit oben stehen. Völlig unabhängig vom Basis-Betriebssystem ist hier ein Ansatzpunkt, der diskutiert werden muss. Open Office und Star Office sind sehr ernst zu nehmende Alternativen zum Microsoft-Produkt. Funktions-Nachteile sind partiell gegeben, aber in der Regel nicht relevant. Die wichtige Kompatibilität der Dokumenten-Formate zu Microsoft Office hat sich mit Open Office 1.1 deutlich verbessert, beinhaltet aber Tücken im Detail. Der damit entstehende Anpassungsaufwand muss monetär bewertet werden, ist aber stark vom Einzelfall abhängig. In jedem Fall muss aber der Aufwand zur Umstellung bestehender Makros und Formulare ermittelt werden.

Fasst man das Thema Linux und OSS unter dem Aspekt Kostensenkung zusammen, dann muss festgestellt werden, dass diese kurzfristig nicht erreicht werden kann. Die Ursache liegt in den Migrations- und Schulungskosten. Dies sind allerdings Einmalkosten. Auf Dauer wird der Weg in die offene Software zu merklichen Einsparungen führen, wenn der Einsatz von lizenzfreier Software mit den anderen in diesem Artikel erwähnten wichtigeren Aspekten der Konsolidierung kombiniert wird. Insgesamt ist die Entscheidung für eine Umstellung der IT auf offene Produkte eine Überzeugungs-Entscheidung, aber keine kurzfristig wirksame Sparmaßnahme.

Fazit

Betrachtet man die möglichen Konsolidierungs-Ansätze, dann sollte immer die Kostensenkung durch Zentralisierung von Servern und Speichern an erster Stelle stehen.

Dies hat mehrere Ursachen:

  • Änderungen im Ressourcen-Bedarf können schneller und mit weniger Kosten umgesetzt werden
  • Die Flexibilität in der Umsetzung neuer Anwendungen nimmt zu
  • Abläufe werden vereinfacht, Betriebskosten sinken
  • Eine zentrale Benutzer-Verwaltung ist einfacher umsetzbar, es entstehen Vorteile für die Client-Betreuung und für Sicherheitskonzepte
  • Eine zentrale Konfigurations-Management-Lösung ist einfacher umsetzbar

Vereinfacht ausgedrückt, kann durch die Konsolidierung auf der Server-Seite auch der Betrieb der Clients neu geordnet und optimiert werden. Hinzu kommt, dass über eine renovierte Benutzer-Verwaltung auch die Voraussetzung für ein tragfähiges Sicherheits-Konzept entsteht. Aus diesem Grund sollten ab einer bestimmten Umgebungsgröße folgende Maßnahmen zwangsläufig Teil der ersten Projektstufe sein:

  • Schaffung einer zentralen Benutzer- und Konfigurations-Verwaltung
  • Automatisierung von Konfigurations-Änderungen auf der Client-Seite, vorrangig sind dabei alle Änderungen, die Sicherheits-Einstellungen betreffen

Erst nach diesem ersten Schritt wird man sich der Frage der Client-Konsolidierung widmen. Hier sind immer drei Seiten zu berücksichtigen:

  • Investkosten (umgelegt aufs Jahr)
  • Betriebskosten im Sinne von Administrations-Kosten
  • Sicherheits-Konzept

Betrachtet man die Entwicklung der Open Source Software der letzten Jahre und die zur Zeit laufenden Softwareprojekte, dann hat Open Source Software eine zunehmend starke Marktposition. Der Schlüssel zum Erfolg sind allerdings die Betriebskosten. Ansatzpunkte zur Senkung der Betriebskosten finden sich dabei sowohl in der Microsoft- als auch in der Linux-Welt. Allerdings beeinflussen die die umzusetzende System-Architektur. Entsprechende Entscheidungen müssen zwingend zu Beginn des Projekts getroffen werden.

Dr. Jürgen Suppan, Geschäftsführer der ComConsult Akademie und der ComConsult Technologie Information GmbH in Aachen, gilt als einer der führenden und erfahrensten deutschen Berater für Kommunikationstechnik. Seine Kenntnisse, Arbeiten und Praxisorientierung sowie seine herstellerunabhängige Position sind international anerkannt. Er verfügt über tiefgehende Praxiserfahrung in der Planung und Realisierung von Netzwerk-Lösungen.
http://www.comconsult.de

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MONITOR-Autoren
Alexander Hackl

Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. ..mehr..

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