Christian Henner-Fehr
Seit letztem Jahr gehört auch die UNIQA zur wachsenden Zahl derer, die sich zu diesem Schritt entschließen. Mit der Raiffeisen Informatik GmbH gewann einer der größten heimischen IT-Services Anbieter die österreichweite Ausschreibung.
Warum der Versicherungskonzern seinen IT-Betrieb nicht global ausschreibt, ist dabei schnell erklärt. "Wir haben etwa einhundert Mitarbeiter von der UNIQA übernommen und in diesem Fall sind gesetzliche und arbeitsrechtliche Vorgaben einzuhalten, was für ausländische Anbieter nicht möglich ist", erklärt Wilfried Pruschak, Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik GmbH, die bereits seit 35 Jahren Großkunden professionelle IT-Dienstleistungen anbietet und darüber hinaus einer der größten privaten Rechenzentrumsbetreiber in Österreich ist. Gerade wenn es um Teilbetriebsausgliederungen gehe, mache das "lokale" Outsourcing Sinn. Lagere ein Unternehmen einen gesamten Business-Prozess aus, komme auch ein "globales" Outsourcing in Betracht, fährt Pruschak fort.
Outsourcing kann für IT-Dienstleister zum großen Geschäft werden. Das beweisen nicht nur die Wachstumszahlen der letzten Jahre. Auch die Prognosen und Studien verschiedener Marktforscher gehen in die gleiche Richtung. Pruschak ist davon überzeugt, dass immer mehr Unternehmen auf diesen Zug aufspringen werden. "Schon in den letzten Jahren war es der Outsourcing-Markt, der unsere Branche durch die mageren Zeiten durchgetragen hat", analysiert der für Vertrieb und Marketing zuständige Geschäftsführer. Unternehmen, die nur eine geringe IT-Abhängigkeit aufweisen, werden sich dabei erst später mit dem Thema befassen müssen, schließlich sei hier der Leidensdruck bezüglich der Kosten noch nicht so groß.
Zwar sind die Standortkosten in Österreich höher als in Osteuropa oder Asien, aber "eine stark ausgeprägte Ingenieurkultur im IT-Bereich und ‚soft facts' wie soziale Sicherheit und Planbarkeit machen Österreich zu einem durchaus attraktiven Markt", ist sich Pruschak sicher. Der Schritt über die Grenzen ist aber schwierig. Pruschak ortet zahlreiche arbeitsrechtliche Schranken, die abgebaut werden müssen, um einen europäischen Markt zu schaffen. So konzentriert sich das im Besitz der Raiffeisen Bankengruppe befindliche IT-Dienstleistungsunternehmen vor allem auf die heimischen Großkunden. "Da Outsourcing eine bestimmte kritische Masse benötigt, sind vor allem die österreichischen Top 500 gemessen an den IT-Ausgaben für uns interessant", so Pruschak.
Wie geht man nun aber an einen solchen Outsourcing-Prozess heran? Warum Pruschak von einem partnerschaftlichen Ansatz spricht, wird verständlich, wenn er von den Vorarbeiten spricht, bis der Vertrag unterschrieben werden konnte. "Eine umfassende Vorbereitung ist entscheidend für ein erfolgreiches Outsourcing", ist er überzeugt. Ein Jahr habe man gemeinsam gearbeitet und analysiert. Es geht nicht nur darum herauszufinden, wo die Schnittstelle zwischen den beiden Unternehmen liegt, also was ausgelagert wird und was der Kunde behält. Auch die Ziele des Outsourcings müssen klar sein. Schon die Prozessanalyse bringt den Unternehmen neue Erkenntnisse, schließlich wird dabei oftmals Bestehendes hinterfragt. Pruschak ist sich sicher, dass alleine der Analyseprozess UNIQA eine deutliche Optimierung gebracht hat. Für ihn ist diese Zusammenarbeit mit dem Versicherungskonzern der Beleg dafür, dass es bei IT Outsourcing eben nicht nur um finanzielle Aspekte geht. "Viele Unternehmen wissen beispielsweise nicht, was sie eine Stunde IT-Ausfall kostet", spricht Pruschak das oftmals fehlende IT Risiko-Management an. Der Outsourcing-Prozess gibt ihnen die Möglichkeit, sich darüber klar zu werden, welchen Stellenwert die IT mittlerweile für die Unternehmen besitzt. Vorbei ist die Zeit, wo IT lediglich für Buchhaltungsprogramme stand. Heute ist sie Teil der Abläufe in den Unternehmen und hat eine enorme Tiefenwirkung entfaltet.
Da sich diese Abläufe natürlich permanent weiterentwickeln und somit verändern, ist Outsourcing nicht mit der vertragsgemäßen Umsetzung beendet. "Wir leben in bewegten Märkten und deshalb ist die Veränderung Teil eines permanenten Outsourcing-Prozesses", verweist Pruschak auf die Flexibilität, die notwendig ist, um damit auch Erfolg zu haben. Wichtig ist es in diesem Fall, dass beide Seiten dies vorher vereinbart haben und der Vertrag genügend Spielraum für weitere Entwicklungen bietet. Nur so lässt sich flexibel auf aktuelle Herausforderungen reagieren. Die intensive Beschäftigung mit dem eigenen Unternehmen und eine funktionierende Kommunikation sind somit die Voraussetzung für ein erfolgreiches Outsourcing.
Erfolgreich kann es aber nur dann sein, wenn beide Seiten davon profitieren, "wenn eine Win-Win-Situation entsteht", wie Wilfried Pruschak es formuliert. "Wir profitieren davon, wenn ein Unternehmen durch unseren Beitrag seine Ziele erreichen kann. Insofern können wir sagen: Der Erfolg von UNIQA hilft auch uns", zeichnet Pruschak ein Bild von Outsourcing, das viel mit Vertrauen zu tun hat. Outsourcing muss also nicht immer bedeuten: Kosteneinsparung gegen Risiko. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Raiffeisen Informatik und UNIQA zeigt, dass hier zwei Unternehmen auf einen gemeinsamen Erfolg hinarbeiten.



1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 