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Strategien

Frauen im Osten

Mehr als gleichberechtigt

Der 4. "IT-Salon pour elle", zu dem Anfang Mai rund 50 vornehmlich weibliche Zuhörerinnen ins Hotel "Das Triest" gekommen waren, stand ganz im Zeichen der EU-Osterweiterung. Mit einem erstaunlichen Vortrag von Katarzina Gosk, Beraterin bei Capgemini Austria. Gesponsert von Fujitsu Siemens und Ladysitwell.

Christine Wahlmüller

Wie attraktiv sind wohl die neuen EU-Länder als Wirtschaftsstandort? Eine Frage, die bereits seit längerem in den Köpfen vifer Unternehmer und besorgter Mitarbeiter durchaus berechtigten Platz hat. Der Vortrag beim "IT salon pour elle", einer Netzwerkmöglichkeit für IT-Frauen, die von der Österreichischen Computergesellschaft (OCG) gemeinsam mit der PR-Agentur results & relations ins Leben gerufen worden war, gab einige Antworten auf diese Frage. Und durchaus positive für Frauen waren es, das gefiel der Zuhörerinnenschaft augenscheinlich sehr gut: So berichtete Katarzyna Gosk, Global Financial Services-Beraterin bei Capgemini und gebürtige Polin, dass Frauen in Polen ausgezeichnete Karrierechancen hätten.

Es gäbe sehr viele Frauen im Vorstand der Unternehmen und in der ersten Führungsriege. Dieser Unterschied zu Österreich liege vor allem daran, dass die Gesellschaft einfach anders aufgebaut sei. Die Kinderbetreuung werde traditionell auch von den Großeltern übernommen, junge Mütter könnten daher sehr schnell wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren bzw. Karriere machen. Frauen würden als Führungskraft, Chefin, Mitarbeiterin und Kollegin sehr geschätzt. "Die Männer sind auch im Unternehmen sehr galant zu Frauen, ein Handkuss ist nichts Außergewöhnliches", sorgte Gosk für heitere Aufmerksamkeit. In ihrem viel beachteten Vortrag ging sie auf Daten einer Capgemini-Studie ein, die erst Ende Juni offiziell publiziert wird. Im Mittelpunkt der Studie steht genau das Standortthema d.h. welches Land im Osten Europas ist als Wirtschaftsstandort attraktiv. Wobei bei Cap Gemini zwischen Zentral- und Osteuropa-Ländern (CEE) sowie Südosteuropa (SEE) unterschieden wird. Zielsetzung der Studie sei es, Investoren und Unternehmen Empfehlungen über attraktive Standorte geben zu können, so Gosk.

In Krakau oder Split "durchstarten"

So wurden in den Ländern Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn (CEE) sowie Bosnien & Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien & Montenegro und Slowenien (SEE) Faktoren wie Inflationsraten, politische Stabilität, aber auch Arbeitslosigkeit, Personalkosten und Ausbildungsniveau untersucht. Interessant die überraschenden Detail-Ergebnisse: So ist die Arbeitslosigkeit in Prag, Pressburg und Budapest relativ gering. Polen, Slowenien und Kroatien wiederum verfügen zwar über sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte mit recht guten Englisch-Kenntnissen, die allerdings nicht am Arbeitsmarkt verfügbar sind.

Für Sparefrohs in punkto Lohnkosten von Interesse: Die niedrigsten Personalkosten herrschen in Krakau und Split. Am teuersten sind die Arbeitskräfte hingegen in Pressburg und Ljubljana. Auch der Faktor BIP ist nicht zu verachten. Überdurchschnittlich hohe BIP Wachstumsraten haben etwa Polen, Slowakei, Kroatien sowie die EU Kandidaten 2007 Bulgarien und Rumänien. Die Aufholjagd im Osten ist im Gange. Den Vorteil der Ost-Länder erklärte Katarzyna Gosk sehr anschaulich: "Eine Ost-Bank kann sich in Ruhe alle West-Banken ansehen und danach entscheiden, wie zukünftig vorgegangen wird d.h. die Ost-Betriebe profitieren sehr stark von den Erfahrungen des Westens". Zusammenfassend nennt die Capgemini-Studie Budapest/Ungarn, Krakau/Polen, Sofia/Bulgarien sowie Split/Kroatien als attraktive Wirtschaftsstandorte.

Unterschiede akzeptieren und vom Osten lernen

Abschließend plauderte Gosk über Erfahrungen aus der Projektarbeit im Osten. Folgende vier Punkte, die ein wenig an das alte Klischeebild vom "Osten" erinnern, sollte man ihrer Meinung nach vor allem bei der Projektarbeit in den CEE und SEE-Ländern beachten:

  • Lokale CEE- und SEE-Unternehmen sind sehr hierarchisch organisiert. In offiziellen Foren werden keine Fragen gestellt.
  • Der Führungsstil der Manager ist wenig team-orientiert. Die Mitarbeiter werden nicht in Entscheidungen eingebunden und Eigeninitiative wird nicht gefördert.
  • Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene konzentrieren sich mehr auf ihre Fachkompetenz und nehmen sich weniger Zeit für Strategieentwicklung und Führung.
  • Konflikte werden nicht offen artikuliert. Offene Kritik wird meist als persönlicher Angriff interpretiert.

Andererseits könnten wir von den Osteuropäern so einiges lernen, z.B. in punkto Meeting-Kultur. In Osteuropa ist es Brauch, in Meetings zunächst ein paar persönliche Worte zu wechseln, bevor man "zur Sache kommt". Gute Eigenschaften bei den Mitarbeitern wie Kreativität, praktische Orientierung, hoher Ehrgeiz, Einsatz und Lernbereitschaft helfen den Ost-Unternehmen, das westliche Wissen aufzunehmen und im eigenen Land richtig anzuwenden. Man wird sehen, wie lange es dauert, bis der Westen quasi "eingeholt" ist. Gesellschaftlich sind uns die Ost-Staaten z.B. in punkto Kinderbetreuung und Anerkennung der Frau in Gesellschaft und Wirtschaft jedenfalls um Nasenlängen voraus - so eine wichtige Kernaussage des Abends.

Info und Kontakt zum "IT-Salon pour elle": Mag. Beatrix Hausner, E-Mail: hausner@ocg.at - Mag. Brigitte Piwonka, E-Mail: piwonka@results.at

 

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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