Christine Wahlmüller
Hardware-Hersteller haben gut lachen. Die Entwicklung der Telekom-Branche schreitet munter fort und erfordert immer schnellere, qualitativ leistungsfähigere Hardware, die außerdem immer an die neuesten Erfordernisse des Marktes angepasst ist. Weniger Freude haben die Telekom-Anbieter. Sie sind gezwungen Millionen Euro in eben diese Hardware zu investieren und laufend für Updates zu sorgen. Prominentes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit aus dem Ausland: Im März hat Polens größter TK-Anbieter, die Telekomuniacja Polska (TP) Alcatel einen Auftrag über 20 Millionen Euro verschafft. Ziel ist es, das nationale Netz, das rund 11 Millionen Teilnehmer versorgt, mit einem neuen zentralen Management-System zur Überwachung und Verwaltung auszustatten. Dabei wird das Switch Management Center (SMC 1360) von Alcatel zum Einsatz kommen, um die mehr als 100 Switchingsysteme von den beiden Überwachungszentren in Warschau und Posen zu verwalten. Weiters wird die Produktpalette Alcatel 1350 (1353 Litespan Management System LMS, 1353 PDH Node Manager) in die Network Operations Centers in Warschau und Katowice bis 2005 integriert, womit die Koordination von 30 regionalen Netzen sowie die Überwachung der Netzinfrastruktur und damit insgesamt eine hohe Netzqualität sichergestellt werden soll.
Zurück in heimische Gefilde. Österreich ist, was die Telekommunikation angeht, ja eigentlich ein "Zwerg", denn es gibt "nur" rund 8 Millionen Einwohner zu versorgen. Auch die Unternehmensstruktur - der Großteil der österreichischen Betriebe sind KMUs (Klein- und Mittelbetriebe) - bereitet telekommunikations-technisch kein großes Kopfzerbrechen. Allerdings sorgen die geographischen Gegebenheiten (Stichwort Alpen!) dafür, dass heimischen Dienstebetreibern nicht langweilig wird. Der österreichische "Koloss" der TK-Branche, auch wenn es um Hardware geht, ist vor allem historisch bedingt die Telekom Austria (TA). "Für die mission-critical Systemteile der Infrastruktur setzen wir die entsprechenden Technologieweltmarktführer ein und zwecks Risikominimierung verfolgen wir bei der Beschaffung von kritischen Systemkomponenten einen Zwei-Lieferanten-Ansatz", erklärt Helmut Leopold, Leiter des Bereichs Plattform- und Technologiemanagement bei der TA. Einen Ansatz, den man sich allerdings erst einmal leisten können muss. Highlight aus der TA-Hardware ist das optische Backbone-Netz mit einer Systemkapazität von 320 Gbit/s, das von Siemens und Alcatel stammt. Rund 2,6 Mio. Euro investierte die TA Anfang 2003 beim Siemens-Auftrag zu Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in DWDM-Technologie (Dense Wavelength Division Multiplexing). Damit können Daten jetzt noch schneller übetragen werden, denn die verwendete Ausprägung MetroDWDM erhöht die Übertragungskapazität von Glasfasern um den Faktor 32 und optimiert die Kosten für Übertragungslängen, wie sie im städtischen Bereich üblich sind.
Weitere TA-Hardware-Facts: In punkto Breitband-Access (ADSL, SDSL, WLAN) wird die TA von Alcatel und Cisco beliefert, das Multiservice Datennetz (ATM, IP, MPLS) stammt von Cisco und Juniper, das SMS-System kommt von URMET, und die in der Öffentlichkeit postierten sogenannten "Multimedia-Stationen" wurden von APC Interactive entwickelt und geliefert. Seit August 2003 werden in ganz Österreich 1.300 alte "Telefonhüttln" in hochmoderne "Multimediastationen" verwandelt. 200 davon stehen schon, bis 2005 soll die Aktion abgeschlossen sein. Auch das ist Hardware. Was das Internet betrifft, so stammt die TA Internet-Plattform von Sun und Microsoft, für die Sicherheit (Virusscan, Spam Filter etc.) zeichnet Ikarus Software verantwortlich. Stolz ist man bei der TA auch auf das Faultmanagement System von Unysis. Ganz zu schweigen von der umfangreichen Serverlandschaft im Arsenal, die z.B. auch für Hosting-/Housing-Services benötigt wird. Und das ist nur ein Auszug aus der umfangreichen Hardware-Ausstattung der TA. Ob dort überhaupt jemand einen Überblick hat, was tatsächlich alles vorhanden ist oder war, ist ohnehin fraglich. Aber diese Frage stellt sich vermutlich nicht nur bei der TA.
UTA: HW muss "zusammenspielen" wie Orchester
Vergleichskandidat UTA bietet ebenfalls ein annähernd gleiches Produkt- und Leistungsspektrum wie die TA (Festnetztelefonie, Internet- und Daten-Services). Was die Festnetztelefonie betrifft, verfügt UTA über Siemens EWSD und RDLU. EWSD (Elektronisches Wählsystem Digital) ist das von Siemens entwickelte System zur Steuerung öffentlicher Vermittlungstechnik (vulgo "Telefonieren"). Zur Zeit wird EWSD in rund 120 Ländern von 200 Betreibergesellschaften eingesetzt, z.B. auch von der Deutschen Telekom. Laut Aussage von Siemens ist das EWSD mit derzeit. 200 Mio. Anschlusseinheiten weltweit das am meisten verbreitete Telefonsteuerungssystem. Die RDLU (Remote Digital Line Unit) ist eine Access-Einheit zum Anschluss von analogen und ISDN-Teilnehmern an das digitale elektronische Wählsystem EWSD. Das UTA-Basisträgernetz SDH stammt vom kanadischen Branchenriesen Nortel Networks. Im Internet-Bereich ist Cisco bei UTA federführend, sowohl beim DSL-Access an den Entbündelungsstandorten als auch bei den Routern. "Wir sind auf unsere gesamte Hardware stolz, das ist wie in einem Orchester, nicht ein einzelnes Musikinstrument ist für die Qualität des Konzerts verantwortlich, sondern erst das abgestimmte Zusammenspiel der verschiedenen Plattformen garantiert Top-Qualität", gibt sich Walter Hörner, Leiter Engineering & Operations Services bei UTA, selbstbewusst. Gerade in punkto Harmonie und perfektem Zusammenspiel in der Systemlandschaft hatte UTA jedoch in den letzten Jahren vor allem durch die sukzessive Integration von netway zu kämpfen. Ob 2004 neue Hardware gekauft wird, darüber wollte Hörner keine Auskunft geben.
Ganz im Gegensatz zum Internet Provider Inode: "Unser Netz wird sehr stark expandieren. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Erweiterung und Neuausrichtung von Entbündelungsstandorten und natürlich auch auf der dementsprechenden Weiterentwicklung des Backbones", erklärt Robert Rotman, einer der vier Geschäftsführer bei Inode. Das auf Internetzugang und Hosting-/Housing spezialisierte Unternehmen besitzt Server und Storagelösungen von mehreren namhaften Herstellern (Sun, IBM, HP), die Router und Switches stammen hauptsächlich von Cisco und Zyxel.
Mobilfunker: Investieren ist die Devise
Die Beispiele zeigen es schon: Die Branche vertraut auf renommierte Namen und Hersteller, die Aufträge werden weitestgehend im Zuge langjähriger Partnerschaften mit den Herstellern vergeben. Fest steht aber auch, dass viele Diensteanbieter auf eine verteilte Systemlandschaft und mehrere Hersteller vertrauen. "Generell verwenden wir Hardware - vom PC bis hin zu Highend-Servern - von unterschiedlichen Herstellern, im Moment sind ca. 800 PC- sowie 200 Linux/Unix-Systeme im Einsatz", bekräftigt etwa Gerald Haidl, IT-Direktor bei telering. Erst kürzlich wurde zum Beispiel auch zur Callcenter-Automatisierung eine Dell Server Environment in Betrieb genommen. Für 2004 sind bei telering laut Haidl 300.000 Euro für Hardware-Investitionen veranschlagt, wobei ein wesentlicher Anteil in die Server-Konsolidierung fließen soll.
Eine Investitionssumme, die von mobilkom verzehnfacht wird. 3 Mio. Euro werden heuer für Hardware für die Erweiterungen im Unix-Server Umfeld ausgegeben. Zur Zeit stehen beim heimischen Branchenleader rund 450 Unix-Server, vom Single CPU Blade bis zum HP Superdome oder der Sun 15 K, sowie 400 Intel Server, von der Einprozessormaschine bis zum 8Weg Server. "Im Intel-, Office- und Desktop-Umfeld werden wir darüber hinaus heuer in der Größenordnung von 1,5 Mio Euro investieren", erklärt Fritz Klinger, Leiter Operation & Maintenance bei mobilkom. Der Gerätetausch ist notwendig, um den Mitarbeitern die Nutzung neuer Dienste zu ermöglichen.
Auch bei One wird fleißig investiert. "Zu unseren letzten Anschaffungen zählen IBM-Server, doch unsere Hardware wird laufend upgedatet", erklärt Peter Pedersen, Head of Systems bei One. Derzeit hat One hauptsächlich Hardware von HP, Sun, IBM, EMC, NCR und Storage Tek im Einsatz. Seit Anfang Jänner laufen außerdem bei One sämtliche Daten über den MPLS-Backbone (Multiprotocol Label Switching) von Cisco. Laut IDC werden in den nächsten Jahren MPLS-basierende IP-VPNs Frame-Relay-basierende Netzwerke überholt haben. Ende November wurde übrigens Alcatel um 472 Mio. Euro (!) mit Management, Betrieb und Wartung des gesamten One-Netzwerks für die nächsten sieben Jahre beauftragt.
IBM, Cisco, HP: Wenig Neues
Der Markt ist in Bewegung: Relativ neue Technologien wie DSL, MPLS oder UMTS erfordern hohe Investitionen und ein Nachrüsten bei den Anbietern. Aber auch die Hardware Anbieter sind unter Druck: Sie müssen, um zu überleben, immer schnellere, leistungsfähigere Geräte in immer kürzerer Zeit auf den Markt bringen. Zuletzt hat IBM da zum Beispiel die sogenannten BladeServer-Familie um das "BladeCenter T" (mit Intel Prozessoren und Linux) erweitert. Dieser Server ist lt. IBM besonders für Anforderungen in der Telekommunikation ausgelegt. Genutzt werden soll er vor allem für Internetdienste, mobile Netzwerkstrukturen und Internet-Telephonie.
Cisco wiederum hat sein Routing-Portfolio für Core- und Edge-Netzwerke um neue Router und Line Cards der Cisco 12000er und 7600er Serien ergänzt. Bei HP, laut Eigendefinition "als Gesamtanbieter (HW, SW, Services) klar die Nummer eins für den TK-Sektor", sieht Marketing-Manager Elmar Furtenbach keine "bahnbrechenden Neuigkeiten", aber den klaren Trend zu Linux und Integrity Rechnern. "Wir wollen bei den TK-Unternehmen einen maßgeblichen Beitrag bei der Umstellung auf Grid- und Adaptive Enterprise Computing leisten", so Furtenbachs Vorstellungen für 2004. Bleibt abzuwarten, welche HW-Neuerungen die Betreiber annehmen. Fest steht jedenfalls: Die hohen Kosten der Wartungsverträge für das bestehende Equipment ärgern so manchen in der TK-Branche.




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8/2011
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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 