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Spiele-Hardware

Fensterputzen am Feierabend

Computerspiele verlangen nach der passenden Peripherie. Mit dem Joystick alleine ist es nicht getan - eine ganze Palette an teils ausgefallenem Zubehör involviert den Spieler sogar physisch direkt ins Geschehen.

Andreas Roesler-Schmidt

Fensterputzen ist wohl nicht gerade das, was sich der Durchschnittsmensch ohne masochistische Veranlagung unter unterhaltsamer Freizeitbeschäftigung vorstellt. Und dennoch: Ausgerechnet das undankbare Fensterputzen lieferte die Vorlage für ein völlig neuartiges Computerspiel. "Wishi Washi" - so der bezeichnende Titel - brachte zusammen mit elf weiteren Spielen im Paket "EyeToy: Play" im wahrsten Sinne des Wortes "Bewegung" in die Spielewelt.

Fensterputzen vor dem Fernseher

Als im Sommer des vergangenen Jahres plötzlich völlig normale Menschen in ihren Wohnzimmern anfingen wie wild geworden vor ihren Fernsehern zu gestikulieren, war dies nicht unbedingt Anlass zur Sorge. Grund für das wilde Herumfuchteln war nämlich "EyeToy", jene der erwähnten Spielesammlung beigelegte Digitalkamera, die man an Sonys PlayStation 2 Spielkonsole anschließt und auf den Fernseher stellt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Besser gesagt es lässt den PlayStation-Spieler sich selbst sehen und zwar direkt in den - dafür vorgesehenen - Spielen. Diese werden dann auch nicht mehr über einen Controller und komplizierte Tastenkombinationen gesteuert, sondern durch Bewegungen des Spielers vor der Kamera, was besonders Anfängern leichter fällt. Kein Wunder also, das Sony durch EyeToy auch kräftig Konsolen verkaufen konnte - schließlich eröffnete EyeToy ganze neue Zielgruppen, die sich bisher nicht an den Joystick getraut hätten.

Bei Wishi Washi sieht man sich selbst zunächst nicht, schließlich ist das Fenster ja noch dreckig. Erst wenn man fleißig Fenster putzt, indem man vor der Kamera die entsprechenden Bewegungen ausführt, bekommt man etwas von sich zu Gesicht. Da es gilt, innerhalb eines Zeitlimits zu bleiben, lassen sich Spieler zu den wildesten Bewegungen hinreißen, was vor allem auch die übrigen Anwesenden unterhalten soll. Zu ähnlich akrobatischen Übungen ermutigen auch andere der als "Partyspiele" konzipierten Minigames: Bei Kung Foo drängen lauter kleine Ninjas auf den Schirm, der Spieler soll sie à la Bruce Lee von dort wieder verbannen. Bei "Keep Ups" gilt es einen virtuellen Ball durch "jonglieren" mit dem Kopf davon abzuhalten, den Boden zu erreichen. Das virtuelle Fensterputzen kann bei allem Unterhaltungswert durchaus schweißtreibender sein als das reale.

Spieler rein ins Geschehen

Der Trend, den Spieler direkter ins Geschehen zu bringen, hält an: Während für EyeToy laufend neue Spiele erscheinen (als erstes folgte EyeToy:Groove - ein reines Tanzspiel, weitere Kamera-Spiele folgen) und sich auch schon Trittbrettfahrer gefunden haben, die mit Plagiaten für den PC reüssieren wollen, legt Sony in Kürze nach: Im Juni nämlich sollen die Gamer nach Bewegung zu einer weiteren Aktivität animiert werden. Diesmal muss man in die PlayStation zu singen. "Singstar" kommt komplett mit zwei Mikrofonen und jeder Menge Hits, die es nachzusingen gilt. Anders als bei Karaoke werden die Gesangsqualitäten vom Spiel beurteilt. Da ziehen wohl noch einige private Singstar-Partys über die Starmania-gebeutelte Republik.

Zurück zur Bewegung: Ins Schwitzen kommen ist bei einem anderen "Eingabegerät" definitiv erwünscht: Reeboks Cyber Rider sieht auf den ersten Blick aus wie jedes andere Fitnessfahrrad auch. Dieses allerdings kann man an PC, PlayStation, Microsofts X-Box oder Nintendos GameCube Konsole anschließen. Tasten für Befehle wie "Springen", "Bremsen", Gangschalten" befinden sich am Lenkergriff. Die wahre Verknüpfung von Hometrainer und Spiel entsteht jedoch durch die Steuerung der Geschwindigkeit. Wie schnell man sich im Spiel bewegt, wird direkt durch Sensoren am Schwungrad des Fahrrads bestimmt. Je schneller man in die Pedale tritt, desto schneller fährt auch das jeweilige Fahrrad, Auto oder Motorrad im Computerspiel. Das Gerät räumt vielleicht mit dem Klischee vom bewegungsfaulen couchhockenden Gamer auf, werden doch die Spiele so durchaus sportlich. Übung und Geschicklichkeit reichen nicht mehr aus, Kondition wird zur neuen Tugend des Spielers. Während beim bisherigen Fitnessprogramm schnell die Motivation ausging, kann man jetzt dem nächsten Highscore hinterher radeln. Dem Vernehmen nach planen bereits einige Fitnesscenter den Einsatz mehrerer Cyber Rider im Multi-Player-Modus. So können Fitnesssüchtige ihr Ego gleich im direkten Kräftemessen aufpolieren.

Wie Snowboarden selbst erfreuen sich auch Snowboard-Spiele in den letzten Jahren anhaltender Beliebtheit im Konsolen-Publikum. Kein Wunder also: Es gibt natürlich auch einen Snowboard-"Joystick". Thrustmasters "Freestyler Board" für die PlayStation wird - ganz wie das echte Brett - durch Gewichtsverlagerung gesteuert. Auf der Konsole gibt's dabei sogar Schneegarantie. Gamer, die den Spuren von Skater-Star Tony Hawks folgen wollen, aber das Verletzungsrisiko geringer halten wollen, können mit dem Freestyler Board auch Skateboard-Games steuern.

Spezialität für Formel-1-Fans...

Wer weniger auf körperliche Anstrengungen aus ist, kann sich in den Race-Star von Ziegler setzen. Um rund 1500 Euro bekommt man das komplette Monocoque eines Formel-1-Boliden mit Anschluss an PC und Spielkonsolen. Kommt das F1-Cockpit aus finanziellen oder Platz-Gründen nicht in Frage, kann man auf eine große Auswahl an weniger spektakulären Lenkrädern, die man auf den Tisch stellen kann, zurückgreifen. Wichtig für die Auswahl: Billige Lenkräder, die bloß vibrieren können, bieten wenig Realismus. Nur echtes "Force Feedback" kann über Elektromotoren die Lenkkräfte der jeweiligen Situation entsprechend simulieren.

Formel 1 Fans ist "MOMO" als führender Lenkrad-Hersteller ein Begriff. Mit dem "MOMO Racing" Lenkrad von Logitech kann man auch am PC die Kurven mit dem Lenkrad der Weltmeister schneiden. Realistisch und schnell werden dabei die Gänge mit dem sequentiellen Schalthebel gewählt.

Unter dem Tisch sorgen dabei Brems- und Gaspedale dafür, dass man die Kurven auch mit der richtigen Geschwindigkeit nehmen kann. Bei Motorrad-Spielen taugen diese Lenkräder und Pedale natürlich nichts. Hier muss der ambitionierte Gamer schon auf das Freestyler Bike zurückgreifen. Es lässt sich sowohl am Tisch befestigt als auch darauf sitzend benützen. Gas wird wie am Motorrad über den Drehgriff gegeben. In die Kurven muss man sich richtig hineinlegen.

... und Eisenbahn-Enthusiasten

Geringere Lenkkräfte als in den diversen Motorsport-Spielen herrschen in Microsofts gemächlicherem Train Simulator. Realitätsnähe suchende PC-Eisenbahn-Enthusiasten können ihr Spielerlebnis durch den "Rail Driver" verbessern. Das Gerät ersetzt vor dem Monitor aufgestellt die Steuerung über Tastatur vollständig und zeigt sogar die Geschwindigkeit über ein eigenes Display an. Durch einen zusätzlichen Basslautsprecher wird die Geräuschkulisse verbessert und das Bedienpult in Vibration versetzt. Die PC-Lokführer sollen ja auch was von den Schienen zu spüren bekommen. Demnächst wird man den Rail Driver über einen Adapter statt am PC auch an der klassischen Modelleisenbahn anschließen können.

Bei längeren Entfernungen ist das Flugzeug wohl die bessere Wahl. Für die Verwendung mit Microsofts Flight Simulator gibt es das komplette Cockpit einer Cessna Propellermaschine mit PC-Anschluss. Rund 35.000 US Dollar verlangt die Firma The Real Cockpit dafür. Bei dem Preis hält das Unternehmen auch das Versprechen seines Namens: Kein Schalter oder Instrument aus dem echten Flugzeug fehlt. Das Cockpit-Fenster muss man aber nicht putzen.

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Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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