Newsfeed abonnieren
Computer

Kommentar von Conrad Gruber

REBOOT 4a-2004

Wie sich die Zeiten ändern: Vor noch kaum 20 Jahren war der Besitzer eines Computers Mitglied einer elitären Schicht, für seine geheimnisvollen Kenntnisse der digitalen Welt bewundert und geradezu ein elektronischer Guru, wenn er auch noch mit Software und Betriebssystemen umgehen konnte.

Heute ist ein PC nichts Anderes als ein "commodity", sprich: ein Gebrauchsgut geworden, den fast jedermann bedienen kann und dem höchstens dann noch technische Aufmerksamkeit zuteil wird, wenn er einmal abstürzt. Computer haben ihren Nimbus als Werkmittel der technisch-intellektuellen Elite verloren und sind Elektro-Güter wie andere auch geworden.

Dies sehr zum Leidwesen der Hersteller und Händler. Mit Hardware, stöhnt es allerorten aus den PC-Shops landauf, landab, lässt sich kein Reibach mehr machen. Vorbei die Zeiten, als der Autor dieser Zeilen vor dem Schaufenster der (längst verblichenen) Firma Escom in der Wiener Margarethenstrasse verweilte und - es war Mitte der Neunziger Jahre - den ersten in Wien zum Kauf angebotenen Pentium-Rechner zum originellen Preis von damals 55.555 Schillingen bewunderte. Heute bekommt man die zehnfache Leistung in einem PC-Gehäuse mit allem Schnickschnack und Zubehör um nicht einmal 1000 Euro. So schnell kann´s gehen.

Hardware richtet sich um vieles mehr als andere elektronische Güter nach den Weltmarktpreisen für Chips, Prozessoren usw., und diese Preise werden immer volatiler.

Kein Wunder, dass sich kein Erzeuger und Händler mehr sicher fühlt, weil er nicht mehr als ein paar Monate Preise und Einnahmen vorherplanen kann. So kommt es im Hardwarebusiness zu mitunter komischen Konstellationen: Das Wiener PC-Handelshaus Birg, das als kleiner Laden für preisgünstiges Computerzubehör begann und bald zum Geheimtipp für PC-Bastler wurde, wuchs im Computerhype der Neunziger auf einen Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro (damals fast eine Milliarde Schilling), bevor es 2000 von der deutschen Vobis übernommen wurde.

Birg-Chef Manfred Birg verdiente sich eine goldene Nase und wälzte Börsepläne mit internationaler Expansion. Drei Jahre später meldete Vobis/Birg mit einer Überschuldung von 5,33 Millionen Euro Konkurs an. Jetzt will Manfred Birg die Reste seiner alten Firma samt Filialen wieder zurückkaufen - zum Schnäppchenpreis natürlich. So kann man im Hardwaregeschäft natürlich auch Reibach machen.

 

weitersagen: drucken
REBOOT - Kommentar von Conrad Gruber

Kommentar von Conrad Gruber - Die Monatsrückschau auf den österreichischen IT-Markt.

maximize
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum