Jörg Kilgus
Etwa 38 Prozent der österreichischen Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr als im Jahr davor in Notebooks investieren, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens IDC. In den USA wurden in manchen Monaten des vergangenen Jahres bereits mehr Notebooks verkauft als Desktop PC. Weltweit sind zurzeit durchschnittlich 25 von 100 PC Notebooks. Laut einer Marktanalyse der Meta Group vom Jänner dieses Jahres werden 2006 nur noch 45 Prozent aller Anwender in Unternehmen einen Computer in traditioneller Bauweise - also als Desktop auf bzw. als Tower unter dem Tisch verwenden. 40 Prozent werden in zwei Jahren - so die Marktforscher - ein Notebook oder sogar einen TabletPC verwenden und die restlichen 15 Prozent würden demnach Thin Clients oder Handhelds verwenden, so Meta.
Der Trend zum Notebook, also zum kompakten, mehr oder weniger tragbaren und mehr oder weniger netzunabhängig verwendbaren persönlichen Computer hält an. Egal ob im professionellen - also B2B - Umfeld oder daheim (B2C). Die Gründe für die wachsende Beliebtheit scheinen einleuchtend: Notebooks unterstützen die Mobilität und sie benötigen weniger Platz. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Notebooks bei vergleichbarer Leistungsfähigkeit immer noch deutlich teurer sind als ihre großen Brüder. Einige Markenhersteller, etwa Marktführer Acer, bieten bereits Geräte mit einem Preis unter 1.000 Euro an, im Großen und Ganzen gilt jedoch nach wie vor, dass neue Notebook-Generationen nicht spürbar billiger sind als ihre Vorgänger - sondern zum Teil deutlich mehr können.
Aktuelle Notebooks bieten neben den üblichen Merkmalen wie LAN- und Modem-Schnittstelle oder USB-Anschlüssen meist auch schon "Wireless-Fähigkeiten", sprich ein W-LAN Modul und Bluetooth. Ein traditioneller Anschluss ist im Laufe der vergangenen Jahre und Modell-Wechsel übrigens verloren gegangen: Kaum noch ein Notebook ist serienmäßig mit seriellen Schnittstelle (RS232) ausgestattet. Im Business-Betrieb wird diese auch nicht benötigt, für die Steuerung bzw. Konfiguration von manchen elektronischen Geräten ist die RS232 aber immer noch essentiell. Als Lösung bietet sich ein USB/RS232-Adapter an. Wenn Sie auf die serielle Schnittstelle angewiesen sind, sollten Sie so eine Konfiguration jedenfalls vor dem Notebook-Kauf testen, da es häufig Probleme mit den Treibern und den Interrupts gibt. Geräte mit RS232 bietet unter anderen Maxdata an.
Grundsätzlich gilt, dass vor der Anschaffung eines Notebooks die Anforderungen genau analysiert werden sollten. Welche Anschlüsse sind notwenig, wie groß soll der Bildschirm sein, welche Rechenleistung ist wirklich nötig?
Mobilität vs. Leistung
Die meisten Anbieter haben unterschiedliche Produkt-Familien entwickelt, die jeweils zu den durchaus unterschiedlichen Anforderungen an Notebooks passen. Im Heimbereich ist es wichtig, dass der Bildschirm groß ist, die Tonqualität der eingebauten Lautsprecher und Sound-Systeme muss den Dolby-verwöhnten Ohren gefallen. Die Rechenleistung des Prozessors und des Grafik-Chips sollten auch den aktuellen 3D-Animations-Spielen standhalten.
Weniger wichtig für den "Home User" ist die Mobilität: Die Geräte sollen wenig Platz verbrauchen, dass sie auch noch tragbar sind, ist ein netter Zusatzeffekt. Damit die "Power" passt, werden daher gerne auch etwas dickere Geräte mit einem höheren Gewicht akzeptiert. Auch lange Batteriestandzeiten sind beim privaten Einsatz nicht so wichtig: dass ein Akku einen Arbeitstag hält, ist für "Haushaltsgeräte" nicht unbedingt ein Entscheidungskriterium. Der Verzicht auf ultraschlankes Design und langen netzunabhängigen Betrieb ermöglicht in der Regel geringere Preise für Consumer-Notebooks. Auf der anderen Seite gibt es Hochleistungsgeräte für Privat-Anwender, die die neuesten und größten verfügbaren TFT-Bildschirme einsetzen und hochwertige Grafiksysteme haben. Solche Produkte können rasch auch 3.000,- Euro und mehr kosten. Ein Trend, der sich in diesem Zusammenhang abzeichnet ist, dass immer mehr Notebooks einen eingebauten Fernseher haben und als Videorekorder genutzt werden können (Stichwort Windows MediaCenter, das in Österreich wohl erst gegen Jahresende verfügbar sein wird).
"Echte Mobilität"
Echte Mobilität spielt im Geschäftsumfeld eine wesentlich größere Rolle. Die Arbeits-PC sollen hier wirklich klein (bei dennoch möglichst großem Bildschirm) und leicht (weniger als 2,5 Kilo) sein. Außerdem ist es für die Benutzer wichtig, dass ihre Notebook-Batterie lange hält. Sie einerseits also möglichst "standhaft" ist und andererseits das gesamte System auf einen minimalen Energieverbrauch hin optimiert ist. Die Bildqualität des Werkzeugs sollte für Excel und Co. brauchbar sein. Nicht so wichtig ist ein rascher Bildaufbau, wie ihn nur 3D-Spiele und wissenschaftliche Animationen benötigen.
Ein Business-Rechner hat in der Regel zwei Eigentümer: Den Benutzer, der täglich damit arbeitet, und den EDV-Verantwortlichen, der für die Stabilität seiner IT und die Sicherheit des gesamten Netzwerkes sorgen muss. Business-Notebooks haben daher häufig Sicherheitsmerkmale, die eine rasche Systemwiederherstellung ermöglichen oder unbefugtes Benutzen verhindern.
Im Geschäftsbereich sind vor allem bei Hardware die Total Costs of Ownership (TCO), also die Gesamtkosten eines Gerätes über die volle Nutzungsdauer, entscheidend. Die Anbieter haben aus diesem Grund Serviceleistungen entwickelt, die eine rasche Reparatur binnen ein bis drei Tagen ermöglichen. Geräte einer Business-Produktfamilie haben bei den meisten Herstellern über einen relativ langen Zeitraum passende Komponenten, so dass Zubehör über längere Zeit genutzt und zwischen den Mitarbeitern ausgetauscht werden kann.
Eine Sonderstellung unter den Notebooks nehmen die so genannten "Tablet PC" ein.
Microsoft
präsentierte im November 2002 gemeinsam mit einigen Hardware-Herstellern diese
neuartigen Geräte, die durch Erweiterungen des Betriebssystems Windows und einen
speziellen Aufbau des Displays die Eingabe per Stift und Handschrift ermöglichen.
Tablets gibt es in unterschiedlichen Bauweisen entweder als "Convertibles", die so ähnlich wie ein normales Notebook aussehen, aber einen drehbaren Bildschirm haben, der mit der Anzeige nach oben auf die Tastatur geklappt werden kann und so die Stifteingabe ermöglicht. Die zweite Art von Tablets hat keine Tastatur.
Tablet PC müssen nach Microsoft-Vorgaben bestimmte Dimensionen einhalten, dürfen zum Beispiel nicht schwerer als 2,5 Kilo sein. Microsoft hat eine Reihe von Möglichkeiten zur sinnvollen Nutzung der Stifteingabe entwickelt, etwa als Ergänzung zu den Office-Programmen Excel, Word oder PowerPoint. Auch gibt es spezielle MS-Software für die Erstellung und Ablage von handschriftlichen Notizen (One Note). Auch andere Anbieter haben spezielle Tablet-Software entwickelt, etwa Corel (Zeichenprogramm Grafigo) oder FranklinCovey (großartiger Termin-Kalender). Im Umfeld der "Knowledge-Worker", also jener Computer-Nutzer, die sich mit dem kreativen Entwickeln von Ideen und Wissen beschäftigen, haben sich Tablets bisher (noch) nicht durchgesetzt. Verwendung finden die Geräte zurzeit hauptsächlich bei speziellen Anwendungen etwa in Krankenhäusern zur Befund-Eingabe oder in der Industrie.
Die aktuellen Tablets profitieren von den technischen Entwicklungen, vor allem bei den Prozessoren und Chip-Sets. Vor allem wirkt sich der Einsatz von Intels Centrino positiv aus, der bei geringerer aber für die meisten Anwendungen ausreichender Taktrate hervorragende Akkustandzeiten (ehrliche vier bis sechs Stunden) und eine geringe Wärmeentwicklung bringt. (Bei den Tablets der ersten Generation hat man sich bisweilen noch im wahrsten Sinne des Wortes die Finger verbrannt.)
Die Anbieter
Den österreichischen Notebook-Markt teilen wenige Anbieter unter einander auf - ein Bild das sich am Weltmarkt ähnlich, wenn auch mit anderen Reihenfolgen (und Namen) widerspiegelt.
Geprägt ist der Anbietermarkt von Markenherstellern, die die entsprechenden Geräte mit den jeweils aktuellen Komponenten (Bildschirme, Prozessoren, ...) in einer großen Stückzahl herstellen und vertreiben können, so dass sich der notwendige hohe Entwicklungsaufwand für Integration und Design lohnt. Marktführer bei Desktop-PC sind nach wie vor die "others" auf den Rankinglisten, also die "NoName"-Hersteller, die aus Einzelbestandteilen einen Computer zusammenbauen.
Dies ist im Notebook-Bereich nicht so einfach, weil hier alle Komponenten auf engstem Raum miteinander funktionieren müssen und notwendige Leistungsmerkmale wie Akkuleistung und Temperaturentwicklung zu berücksichtigen sind. Die Nase ganz weit vorne am österreichischen Notebook-Markt hat der taiwanesische Hersteller Acer mit einem Marktanteil 2003 von mehr als 27.000 Stück, gefolgt von US-Anbieter Hewlett-Packard. Auf Platz drei zu finden ist das Linzer Unternehmen Gericom, das vor wenigen Wochen nach drastischen Umsatzeinbrüchen im Jahr 2003 den Einstieg von Medion (Platz sechs) als Miteigentümer bekannt gab.
Notebooks werden den Arbeitsalltag in den kommenden Jahren immer stärker prägen. Darin sind sich die Marktforscher einig. Doch Notebook ist nicht gleich Notebook. Unterschiedliche Merkmale - wie Gewicht, Haltbarkeit des Akkus, Prozessorleistung, Bildschirmgröße oder Leistungsfähigkeit der Grafikkarte - bieten jeweils das optimale Umfeld für unterschiedliche Anforderungen. Vor der Anschaffung eines Notebooks sollten diese Bedürfnisse genau hinterfragt werden. Denn einen Nachteil haben Notebooks gegenüber traditionellen PC-Bauweisen: Einzelne Komponenten können nicht einfach ausgetauscht oder "upgegradet" werden.




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6/2011
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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 