Newsfeed abonnieren
Thema: Mobiles Business

Mobile Lösungen aus Irland

Mobile Iren

Enterprise Ireland unterstützt junge irische Unternehmen bei der Geschäftsentwicklung und der Eroberung neuer Märkte. Österreich ist dabei gerade für Hersteller mobiler Lösungen ein begehrter Zielmarkt.

Rüdiger Maier

"Unser erster Kunde wird ein Mobilfunkunternehmen in Österreich sein!" Diesen Satz hörte ich bei der von Enterprise Ireland (www.enterprise-ireland.com; kurz EI) organisierten Präsentation irischer IT-Unternehmen im Umfeld von Dublin (Fokus: Mobile Lösungen) - die sich auch alle am heurigen 3GSM World Congress in Cannes vorstellten - auffallend oft.

Anne Fitzpatrick und Michael Banks, Senior Marketing Advisors mit Spezialgebiet IT und Telekommunikation (ITK): "Enterprise Ireland beteiligt sich sogar direkt an jungen Unternehmen und unterstützt diese in allen unternehmerischen Belangen wie Forschung & Entwicklung, Personal, Finanzen, Geschäftsstrategien etc." Dabei übersteige die Beteiligung allerdings nie einen 10%-Anteil am Unternehmen, mit einer Höchstsumme von einer Million Euro.

Derzeit sei man bei etwa 800 Unternehmen engagiert, umfangreiche Machbarkeitsstudien im Vorfeld der Investitionen sollen das Risiko senken helfen: "Ein Investment im Bereich ITK ist ein hohes Risiko, das ist uns klar", so Fitzpatrick. Ein EI-Investment ist damit auch ein wirksames Signal, dass die Geschäftsidee eines jungen Unternehmens gute Chancen am Markt besitzt. Nach dem Erst-Investment interessieren sich meist auffallend viele private Kapitalgeber für das geförderte Unternehmen. Vor etwa sechs Jahren formierte sich EI aus verschiedenen Gruppen, heute arbeiten über Irland verstreut etwa 700 Mitarbeiter, davon 300 im ITK-Umfeld. Die Institution kann bisher auch auf Gelder aus den EU-Strukturfonds zugreifen: "Das wird sich nach der EU-Erweiterung deutlich ändern", weiß Banks.

Im Vorjahr wurden insgesamt 68 ITK-Unternehmen unterstützt, 38 davon aus dem Software-Bereich. "Trotz der Flaute im ITK-Markt müssen wir doch ziemlich aussieben. So melden sich etwa 80-90 neue Software-Unternehmen jährlich für eine Unterstützung an." Vor allem im Wireless-Bereich werde durch Messebesuche und gezielte Kontakte mit den Weltmarktführern viel unternommen, um den Gründern die ersten Schritte zu erleichtern.

Valista: Zahlungslösungen

Ein bereits international tätiges Unternehmen im Bereich elektronischer Bezahlungs-Lösungen ist valista (www.valista.com), das 2003 aus dem Zusammenschluss des irischen Network365 und des amerikanischen iPIN entstand. John Hurley, Vice President of Marketing: "Im Juni 2003 haben wir unsere dritte Finanzierungsrunde positiv abgeschlossen, EI ist ein strategischer Partner von uns. Wir machen uns den Trend zur Konvergenz der Zahlungslösungen zunutze und können hier ausgereifte Lösungen für alle Probleme anbieten. So können Provider leicht neue Services einführen."

Die österreichische Mobilkom veranstaltete erst kürzlich gemeinsam mit valista eine Präsentation in Tokio: "Das Interesse der Mobilkom an unseren Lösungen ist groß, bisher ist aber keine Entscheidung gefallen", so Hurley. Mit NTT DoCoMo habe man Vorzeige-Lösungen entwickelt, Vodafone nutzt eine Lösung zum Aufladen der Prepaid-Mobiltelefone. Schon jetzt versammelt man unter einem Portal viele Angebote, im Herbst ist die Vorstellung von SIMPay.com - einer Lösung für kleine Beträge - geplant. Etwa 150 Millionen Nutzer können über 1.000 Operatoren derzeit Lösungen des Unternehmens nutzen, die weitere Verbreitung erfolgt über internationale Partner wie HP, Capgemini oder IBM. Inzwischen habe man auch einen Überblick, was in den verschiedenen Kontinenten nachgefragt werde. So nutzten die Japaner valista für große Zahlungen, die USA eher für kleinere Beträge, Europa für beides. In Südamerika wiederum seinen vor allem die SMS-Anbieter Kunden.

Ossidian: Online-Lernen

Um die neuen Lösungen und Technologien - besonders in der drahtlosen Kommunikation - den betroffenen Mitarbeitern erklären zu können, bedarf es entsprechender Weiterbildungsangebote. Rupert Bowen, Verkaufs- und Marketing-Leiter von Ossidian (www.ossidian.com): "Wir haben uns 1999 ganz auf diesen Bedarf eingestellt und können heute 36 Kurse zu je drei Stunden Lern-Dauer anbieten." E-Learning werde erfahrungsgemäß häufig für die Vorbereitung eines externen Schulungstermins eingesetzt: "So kommen die Leute bereits gut vorbereitet zur Schulung, die entsprechend kürzer und intensiver gestaltet werden kann." Auch zur Auffrischung nicht genutzten Wissens und zur raschen Einbindung neuer Mitarbeiter werde auf das Online-Lern-Angebot zugegriffen.

Die einzelnen Kurse verfügen über Text, Ton und Grafik. Nach jedem Kapitel prüft ein kurzer Test das erworbene Wissen. Heute werden die Kurse zu einem Drittel in England und Irland, zu einem Drittel in den USA und zum Rest in 25 anderen Ländern (China, Indien, Südafrika; aber auch Schweiz und Deutschland) genutzt. "Aktuell will etwa France Telekom die Hälfte seiner Schulungen mit unserer Lösung auf e-Learning umstellen", ist Bowen stolz. Zu 90% würden Jahresverträge abgeschlossen. Die Kosten je Kurs und Person betragen durchschnittlich 10 Euro. Die Entwicklung eines neuen Kurses dauert etwa drei Monate, zehn neue Kurse entstehen jährlich.

OpenMind Networks: SMS- und MMS-Lösungen

Noch ganz jung - aber schon mit Österreichbezug - ist OpenMind Networks (www.openmindnetworks.com): "Wir erhielten unsere Start-Unterstützung im September 2003, haben aber bereits 50 Mitarbeiter", ist CEO Alex Duncan sichtlich stolz, aber auch unsicher bei der Präsentation. Man sei bereits mit der Mobilkom als möglichem ersten Kunden im Gespräch: "Der Telekom-Regulator in Österreich ist aber sehr streng", weiß Duncan aus eigener Erfahrung. Hierzulande sei nämlich der Provider im Besitz der Lösung (sonst ist das meist ein Dritter), müsse die Lösung aber auch Kunden anderer Anbieter (wenn auch zu höheren Kosten) zugänglich machen.

Das Produkt Message-OS fungiere als Clearing-Stelle zwischen den Anbietern: "Wir lösen die Verbindungsprobleme zwischen den Anbietern in unserem schwarzen Kästchen", bemerkt Duncan lächelnd. Ganz so einfach lässt sich die SMS und MMS-Kontrolle im Netz natürlich nicht durchführen, aber mit der entsprechenden Technologie sei das kein Problem. 90% des Datenverkehrs laufe jedenfalls direkt zwischen zwei Personen. Hier könne man einfach entsprechende Mehrwert-Dienste zwischenschalten, die den Providern neue Ertragspotentiale bescheren sollen. Heuer gelte es zunächst, entsprechende Referenzkunden zu gewinnen, 2005 könne dann weiter ausgebaut werden. Als Partner suche man auch Infrastruktur-Anbieter wie Siemens oder Motorola.

Newbay: Die Blogger kommen

Ganz auf den neuen Trend zum mobilen Einrichten und Betreuen eigener Homepages (Blogging) hat sich das Unternehmen Newbay (www.newbay.com) eingestellt. Bei der Investitionsrunde im Jänner diesen Jahres erhielt das Unternehmen dafür 3,2 Mio. Euro: "Wir konnten nachweisen, dass unser FoneBlog-System technologisch hervorragend ist und wir den Kunden ganz neue Möglichkeiten bieten können", ist David Sinnott, Vice President Sales, stolz auf die Entwicklung. Angesichts weiter wachsenden SMS- und MMS-Verkehrs befinde sich auch die Errichtung eigener Blogs deutlich im Aufwind. Diese Homepages können von Privaten aber auch von Gruppen (Vereine, Unternehmen etc.) eingerichtet und betreut werden. "Wir haben als Kundin etwa eine Mutter, die ihren weit verstreuten Verwandten immer die neuesten Bilder, Videos und Nachrichten ihrer Kinder an einem zentralen Platz zur Verfügung stellen will", nennt Sinnott ein typisches Nutzerbeispiel. Die Freigabe des Zugangs zum Blog erfolgt über die SIM-Karte, ein eigener Code ist dafür nicht notwendig.

In Irland wurde mit dem Provider O2 eine kommerzielle Lösung entwickelt, die vor allem bei der Koordination bzw. der Anmeldung für Veranstaltungen genutzt wird. Der Provider verschenkt zu jedem Handy mit Kamera automatisch auch einen kostenlosen Blog für 30 Tage. "Für Irland typisch beobachten wir auch viele Blogs zum Bierpreis. Hier werden die aktuellen Preis der verschiedenen Pubs veröffentlicht." Bei den sogenannten moderierten Blogs prüft der Provider mit Einverständnis der Nutzer die eingehenden Nachrichten und stellt sie - so sie unbedenklich sind - frei. Mit den derzeit 20 Mitarbeitern wolle man langsam wachsam, der Markt sei mit etwa 160 Providern recht überschaubar: "Auch mit österreichischen Providern laufen bereits Gespräche", weiß auch Sinnott um die hohe Verbreitung von Mobiltelefonen in der Alpenrepublik. Hierzulande müsse man allerdings Lösungen finden, wo das Einrichten eines Blogs dem Nutzer keine zusätzlichen Kosten verursacht. Denn die Österreicher seien extrem preissensitiv und durch die große Konkurrenz am Markt preislich verwöhnt. Die Lösung wird in Lizenz oder als ASP-Modell (Application Service Providing) angeboten. Sinnot weiß, dass ähnliche Lösungen bald auch von anderen Anbietern kommen werden: "Aber wir wollen mit unserer Lösung immer einen Schritt voraus sein." Möge dieser Wunsch in Erfüllung gehen!

weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum