Das Begrüßungskomitee war hochkarätig. Ernst Nonhoff, Generaldirektor von IBM, und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat gaben sich die Ehre. "Bei IBM haben wir einen Frauenanteil von 17% im Management, insgesamt sind ein Drittel der Mitarbeiter weiblich", hob der IBM-Chef stolz hervor. Auch für die Karriereförderung der Frauen würde intern einiges getan. So gibt es bei IBM ein internes Mentorinnenprogramm, flexible Arbeitszeiten z.B. interessant für Wiedereinsteigerinnen nach der Karenzpause oder die Möglichkeit zum Teleworking.
"Es geht darum, den Frauen persönliche Lebensentwürfe zu ermöglichen", knüpfte Frauenministerin Maria Rauch-Kallat an die Rede Nonhoffs an. Organisationstalent, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz bei Frauen seien ideale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Berufsleben, betonte die Ministerin. In drei Bereichen gelte es die Frauen zu fördern: 1. Berufswahl, 2. Berufsunterbrechung ("Babypause"), 3. Karriereaufstieg. Vor allem wird auch gezielt der Einstieg bzw. die Arbeit von Frauen in Wissenschaft und Technik gefördert (z.B. Programm FEMtech www.femtech.at). Aktuell sind lt. Rauch-Kallat 37 Prozent aller Firmeninhaber in Österreich Frauen - Tendenz steigend. Zumeist handelt es sich dabei um Kleinst- und Kleinbetriebe ("One-Woman-Show").
Powertalk
Dass Frauen prinzipiell privat und im Wirtschaftsleben anders funktionieren und agieren, dieser Tatsache ging Gunter Dueck, IBM-Cheftechniker aus Deutschland und Buchautor, auf den Grund. "Männer sind think, Frauen mehr feel", so seine zentrale Aussage im durchaus humorigen Vortrag. Danach folgte laut Programm ein sogenannter "Powertalk" zum Thema: "Wie nehmen Frauen ihre Chance wahr". Wermutstropfen dabei: Am Podium saßen zwar nur Frauen, allerdings war keine einzige Unternehmerin dabei. Gerhild Kalcher, Chefin eines Gründerinnenzentrums in Graz, Ilse Vigl, Vorstandsdirektorin beim Wiener Spar- und Kreditinstitut, Anna Maria Hochhauser, Stv. Generalsekretärin der Wirtschaftskammer, Gertraud Oberzaucher vom Ministerium für Verkehr, Infrastruktur und Innovation, Beatrix Hausner von der Österr. Computergesellschaft OCG sowie Andrea Mersich, Mitglied der IBM-Geschäftsführung, berichteten über Erfahrungen, selbst Erlebtes und Ideen. "Bislang wurde für Unternehmerinnen zu wenig getan", meinte WK-Dame Hochhauser. Das soll sich ändern. Künftig soll es z.B. eine Betriebshilfe für Unternehmerinnen geben, die Mütter werden, so Hochhauser. Gerade die Balance Beruf/Familie ist für Unternehmerinnen noch einmal so schwer, so der allgemeine Tenor aller Beteiligten. Trotzdem: "Wir sind auf einem guten Weg, die Betriebsgründungen von Frauen nehmen zu", zeigte sich Gerhild Kalcher, Gründerinnen-Zentrums-Chefin, optimistisch. Schwierig sei es allerdings für Frauen in der IT-Branche. "Da gibt es eine Doppelbarriere, einerseits Frau und Technik, andererseits Frau und Karriere", gab Beatrix Hausner von der OCG (Österr. Computergesellschaft) zu bedenken. Anfang April wird die OCG eine Publikation zum Thema "Frauen und IT" präsentieren, mit einer Situationsaufnahme und Erfahrungsberichten, erläuterte Hausner.
Workshops
Nach dem Powertalk hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, bei fünf Workshops aktiv in das gewünschte Thema "einzusteigen" und mit Expertinnen zu diskutieren. Am meisten Zulauf erfreute sich dabei der Workshop "Networking". Hier wurde zunächst das Mentoring-Programm des Frauenministeriums vorgestellt. (www.frauenmentoring.net). Am 12. März fand übrigens dazu auch ein Mentoring-Tag im neu eröffneten Palais Coburg statt. " Unser Ziel ist es, dass Frauen Frauen fördern", betonte Mentoring-Initiatorin Dagmar Hackl vom Ministerium. "Wir sehen uns dabei als zentrale Plattform und wollen aufzeigen, was es alles gibt", so Hackl. Neben schriftlichem Info-Material (Broschüre, Leitfaden, Begleitunterlagen), wurden auch "Mentoring-Points" gebildet, z.B. öffentliche Einrichtungen oder prviate Organisationen. Auch Firmen-Mentoring wird gefördert und unterstützt. Mit dem Preis "Die Mentora" soll 2004 der aktivste, erfolgreichste Mentoring-Point, das erfolgreichste Mentoring-Paar sowie das beste Frauen-Mentoring-Projekt im Unternehmen ausgezeichnet werden, so Hackl. Ein Preis, den IBM leicht gewinnen könnte. Denn IBM ist sehr aktiv, wenn es um Frauen im Betrieb geht. 1999 wurde von IBM das "Austria Women´s Leadership Forum" gegründet - mit dem Ziel, IBM als Arbeitgeber für Frauen attraktiv zu machen. Dazu gibt es heute eine Reihe von Aktivitäten für alle Frauen, die bei IBM Österreich tätig sind oder tätig sein wollen. Klar ist, dass IBM beim neuen Frauen-Mentoring-Programm des Ministeriums mitmacht. Weiters werden neben innerbetrieblichen "Frauentagen" mit Vortragsprogramm etc., dem Angebot eines Frauen-Talentepools, der Teilnahme am "Töchtertag" der Stadt Wien sowie beim Programm FIT (Frauen in die Technik) z.B. auch Untersuchungen über Jobsharing oder einen Betriebskindergarten beauftragt und evaluiert. Auch externes Networking mit Frauenforen von Kunden und Partnern ist wichtig", erklärte Brigitte Fila, eine der 15 Frauen, die bei IBM für das Frauen-Programm verantwortlich zeichnen. Damit erntete sie beim Publikum deutliche Zustimmung. Waren doch viele gerade zum Networken zu diesem Abend ins IBM-Forum gekommen.
Webtipps:
http://www.i2b.at (ideas to business)
http://www.bmgf.gv.at (BM für Gesundheit und Frauen)
http://www.frauenmentoring.net (Inititative Frauenmentoring des Frauenministeriums)
http://portal.wko.at (Wirtschaftskammer)
Literaturtipp: Christine HAPALA, Businesstipps. Schamlos professionell. Unverschämt erfolgreich. Wien 2004. Bestellung unter www.human-money.at





7/2011
6/2011
5/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 