Adolf Hochhaltinger
Wer einen PC beruflich benutzt, wird um eine Office Suite wohl kaum herum kommen. Und hier setzte Microsoft Office bisher die Maßstäbe - zumindest bis jetzt. Aber das könnte sich durchaus ändern. Denn mit der neuen Version 7 von Star Office steht nun eine Software Suite zur Verfügung, die bei durchaus gleichwertiger Leistung um nur knapp 80,- € (Street Price) zu haben ist und somit nur einen Bruchteil dessen kostet, was Microsoft für seine Office Suite verlangt.
Noch einen Vorteil bietet diese Software: Sie ist nicht bloß für Windows erhältlich, sondern läuft ebenso auch unter Linux, und Unix sowie unter Solaris, dem Betriebssystem von Sun Microsystems.
Warum überhaupt bezahlen?
"Warum soll ich überhaupt Star Office kaufen, wenn es OpenOffice kostenlos im Internet gibt?" wird sich so mancher fragen. Die Antwort ist: Jedes käufliches Programm bietet als "bezahlte Leistung" dem Anwender den Vorteil, schlimmstenfalls eventuelle Mängel der gekauften Ware einklagen zu können - eine rechtliche Sicherheit, wie sie bei einer kostenlosen Software grundsätzlich niemals gegeben sein kann.
Viele Unternehmen werden wohl auf eine solche juristische Sicherheit für ihre Software Wert legen; auch dann, wenn - wie bei StarOffice - zum großen Teil der gleiche Programmcode zum Einsatz kommt wie beim kostenlosen "Open Office" (Version 1.1), das sich jedermann von "de.openoffice.org" aus dem Internet holen kann.
Wertvolle Zugaben
Allerdings sind nur bei Star Office noch einige wertvolle "Zugaben" dabei, die bei Open Office fehlen: beispielsweise eine leistungsfähige Datenbank (Adabas D) sowie zusätzliche Fonts, Wörterbücher und Filter, dazu eine bessere und leistungsfähige Rechtschreibprüfung.
Einen großen Unterschied findet man auch bei Dokumentation und Support. Während beim freien OpenOffice viele Informationen auf der Web-Seite (http://de.openoffice.org/about-documentation.html) zu finden sind, liefert StarOffice gedruckte Handbücher im Paket mit. Auch beim Thema Support zeigen sich Vorteile für das kommerzielle Produkt, von der Installations-Hilfe bis hin zur Migrations-Anleitung für individuelle Kundenwünsche. Das soll wohl vor allem den Firmen die Angst vor dem Umstieg nehmen. Bei OpenOffice beschränkt sich der Support dagegen auf Diskussionsforen und Mailing-Listen.
Einfach zu installieren
Die Einzelplatz-Installation von der CD gestaltet sich ebenso einfach wie die Installation jeder anderen guten Software: CD einlegen und einfach immer nur [Enter] drücken bzw. auf "Weiter" klicken. War auf dem Rechner StarOffice 6 schon installiert, so geht die Umstellung automatisch vor sich, nur beim Umsteigen von Uralt-Versionen (5.2 und früher) müssen die alten Datenfiles konvertiert werden. Der Grund: ab Version 6 benutzt Star Office konsequent XML als systemeigenes Dateiformat und setzt somit auch hier ausschließlich auf offene Standards.
Das ist insbesondere für die Weitergabe jener Daten sinnvoll, die "quer durch alle Betriebssysteme" von verschiedensten Systemen gelesen und verarbeitet werden müssen, und dazu zählen beispielsweise Dokumente von staatlichen Stellen. Und gerade hier ist StarOffice unschlagbar: Die Software gibt es für Windows, Linux und Unix und sogar für Sun Solaris, daher kann praktisch jeder Anwender ein mit StarOffice erstelltes Dokument auf seinem Rechner lesen, ausdrucken bzw. weiter bearbeiten - egal, welches Betriebssystem er verwendet.
Wer allerdings ausschließlich die Standardanwendungen im Auge hat und weder auf die Datenbank noch auf eine besonders leistungsfähige Rechtschreibprüfung Wert legt, kann sich ja statt dessen das kostenlose "OpenOffice" aus dem Internet herunterladen und hat damit ebenfalls ein recht ansehnliches Office-Paket an der Hand - kostenlos und trotzdem völlig legal! Außerdem kann er damit kostenlos ausprobieren, inwieweit es für ihn sinnvoll wäre, StarOffice zu erwerben.
Übrigens haben die Entwickler bei "OpenOffice" noch einen draufgesetzt: Diese Software unterstützt zusätzlich auch noch die Betriebssysteme MacOS X, FreeBSD, Irix, HP-Unix sowie Linux für PowerPC. Mithin steht für dieses offene XML-Datenformat wohl für alle gängigen Plattformen ein passendes Officepaket zur Verfügung. Aber selbstverständlich unterstützt StarOffice darüber hinaus auch alle Datenformate von Microsoft.
Problemlose Bedienung
Bei der Bedienung der Software gibt es kaum Probleme, wer mit dem vergleichbaren MS-Office Produkt vertraut ist, der wird sich auch hier schnell zurechtfinden; nur ganz wenige Menüpunkte sind etwas anders (und dann meist logischer) angeordnet, beispielsweise ist die Einstellung für Seitenformat und Rand hier unter "Format / Seite" statt im "Datei"-Menü zu finden. Aber diese Unterschiede sind nicht größer als etwa beim Umstieg von Office 97 auf Office 2000.
Die Textverarbeitung "Writer" bietet grundsätzlich gleiche Möglichkeiten wie das Word des Marktführers. Zusätzlich bietet StarOffice allerdings auch noch eine Möglichkeit, die man z.B. bei MS-Office auch heute noch vergebens sucht: Man kann die Texte (und darunter auch große Files) wahlweise auch als plattformneutrale PDF-Files exportieren - wahlweise für die Veröffentlichung im Web, zum Druck oder für die Druckvorstufe.
Unterschiede im Detail
Bei der Abwicklung komplexerer Vorgänge gibt es noch einige Kanten, beispielsweise beim Import großer Dokumente, die mit MS-Office erstellt wurden und "embedded" Grafiken oder Tabellen enthalten. Hier werden eingebettet Grafiken fallweise in falscher Größe dargestellt, und bei der Erstellung eines Serienbriefs ist die Bedienung nicht ganz so logisch aufgebaut wie etwa bei MS-Word. Aber da hilft die vorzügliche Hilfsfunktion über die Hürden.
Auch bei Details finden sich hin und wieder geringfügige Unterschiede. Einige Beispiele dafür wären etwa das Ersetzen eines Minuszeichens durch einen Gedankenstrich, wenn dieses zwischen zwei Leerzeichen steht: Das funktioniert normalerweise tadellos - außer wenn davor oder danach zufällig ein Anführungszeichen oder ein Rufzeichen stehen sollte, dann "streikt" diese Automatik. Und beim wortweisen Springen (mit Strg - links oder Strg - rechts) gelingt es nicht, einen Punkt (Satzende) anzuspringen, wenn danach das Leerzeichen fehlt und der Punkt ohne Zwischenraum zwischen zwei Wörtern steht: der Cursor springt dann gleich bis zum nächsten Leerzeichen weiter. Oder: markiert man einen Teil des Textes, so zeigt das Programm - anders als Word - auch weiterhin die Zahl von Buchstaben und Wörtern für den gesamten Text an, nicht für den markierten Teil.
Kleine Eigenheiten
Die Übersetzer der deutschen Version haben außerdem statt des weltweit verwendeten "Strg - F" für "Finden" (bzw. "Suchen" / "Ersetzen") plötzlich die Tastenkombination "Strg - G" hierfür vorgesehen; eine unverständliche und etwas gewöhnungsbedürftige "Insellösung". Aber das lässt sich bei den Tastenkombinationen problemlos umstellen, die kann der User weitgehend an die eigenen Vorstellungen anpassen - mit einer Ausnahme: Kombinationen, die per Alt-Taste aufgerufen werden, kann man in StarOffice (derzeit noch) nicht definieren.
Mit einem Wort: es gibt zwar hier und da noch Kleinigkeiten, die verbesserungswürdig sind, aber die sind eher unbedeutend und man findet sie erst dann, wenn man beginnt, "Flöhe zu suchen". Dafür bietet Star Office einige Vorteile: zum einen ist die Stabilität und "Absturzfestigkeit" der Software schlicht hervorragend und braucht keinen Vergleich zu scheuen. Und der Preisunterschied zur Microsoft-Lösung ist doch gewaltig.
Tabelle & Co.
Auch die Tabellenkalkulation entspricht in ihren Funktionen fast völlig dem "Vorbild", sowohl in den Funktionen als auch in der Bedienung. Wer zuvor bereits mit Excel gearbeitet hat, findet sich auch hier gut zurecht.
Das Präsentations-Programm "Impress" schließlich kann auch Powerpoint-Files öffnen und bearbeiten, und es kann eigene Präsentationen wahlweise auch im PowerPoint-Datenformat abspeichern. Und mit Impress erstellte Präsentationen lassen sich darüber hinaus auch im Flash-Format exportieren.
Mit den Zeichenprogramm "Draw" schließlich lassen sich einfache Grafiken und grafisch aufbereitete Texte erstellen; die Bearbeitung von Fotos, beispielsweise das Ändern von Farbton, Farbsättigung, Helligkeit oder Kontrast, ist hier allerdings nicht möglich.
Fazit
StarOffice eignet sich vor allem für Freiberufler und kleine bis mittelständische Unternehmen sowie Gemeinden, die auf ihr Geld schauen müssen. Microsofts Lizenzpolitik könnte gerade diese Anwender in Zukunft vermehrt zu StarOffice treiben.
Insbesondere das offene
XML-Format hat - anders als das von Microsoft vorgestellte "hauseigene" XML-Format,
das einigen proprietären Einschränkungen unterliegt - durchaus das Zeug dazu,
ein weltweites Standardformat zu werden - und zwar (anders als Windows) für
eine Vielzahl verschiedener Betriebssysteme und Hardwareplattformen.
http://at.sun.com




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 