Denn was als Non-profit-"Untergrund-Projekt" des norwegischstämmigen Finnen und Computertüftlers Linus Thorvalds begonnen hat, ist heute auch ein prächtiges Geschäft für viele unmittelbar Unbeteiligte. Der weltweit größte Linux-Distributor Red Hat verzeichnet phänomenale Steigerungsraten seines Aktienkurses, und Mitbewerber SuSE wurde kürzlich um gutes Geld vom Branchenriesen Novell gekauft.
Auf der einen Seite zeigt diese Entwicklung, dass das revolutionär-verträumte Element einer Anti-Microsoft-Welt durch Linux an libertärem Sex Appeal verloren hat - denn welcher freigeistige Programmierexperte wird sich heute noch unentgeltlich in seiner Freizeit vor den Schirm setzen, um mit Gleichgesinnten rund um die Welt an Linux-Codes zu feilen, nur damit den Red Hat-Aktionären an der Nasdaq die Dollarscheine in der Tasche knistern?
Auf der anderen Seite heißt es aber auch, dass Linux erstarkt ist. Mit Red Hat und Novell/SuSE hat sich eine Gegenwelt zu Microsoft etabliert, die ungleich schlagkräftiger ist als das frühere verzweigte Grüppchen von Computerfreaks, die allesamt Bill Gates stürzen wollten. Jetzt hat Linux ein Gesicht, ist keine Außenseiterveranstaltung mehr.
Es gibt allerdings noch viel zu tun, damit faire Chancen am Markt für Betriebssysteme einkehren. Microsoft schiebt nach wie vor stolze 96 Prozent Marktanteil vor sich her, Linux wird - nach Ansicht von Branchenanalysten - heuer höchstens der 1,5 Prozent-Marke entgegen kriechen. Insgesamt über alle Branchenanwender, wohlgemerkt. Aber im öffentlichen Bereich (der staatlichen Verwaltung, Körperschaften, Ministerien, Gemeinden usw.) ist Linux schon viel weiter vorgeprescht. Klar: Dort herrscht Kostendruck, dort muss das Ausgeben von Steuergeld verantwortet werden. Daher tun sich auch im E-Government die momentan größten Chancen von Linux auf.
Das ist auch Microsoft nicht verborgen geblieben. Nicht umsonst bemüht sich Bill Gates auf seinen Marketing-Touren (von denen ihn die letzte Ende Januar auch nach Wien führte) besonders um öffentliche Entscheidungsträger. In Österreich ist er damit bei Minister Ernst Strasser gut angekommen. Dafür, dass das Innenministerium der größte Behördenkunde von Microsoft in Österreich ist, durften die IT-Leute dort auch ein bisschen in den Quellcode gucken. Hoffentlich haben sie daraus neue Erkenntnisse geschöpft.



1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 