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Thema: Open Source & Linux

Interview mit Joachim Seidler, IDC-Österreich

"OK, Open Source einzusetzen"

IDC-Österreich Chef Joachim Seidler über den österreichischen Open Source Markt, warum es zu einem Hype-Thema nur eine einzige Konferenz gibt und warum sich nicht nur Techniker für Open Source interessieren sollten.

Andreas Roedler-Schmidt

Warum war die OSSKON die einzige Konferenz zum "trendigen" Thema Open Source?

Einerseits ist es bei anderen Veranstaltern wohl an zu wenigen Sponsoren gescheitert. Für uns kamen einige günstige Umstände zur rechten Zeit: Novell hat Suse gekauft, daher haben die großes Interesse an Marketing-Aktivitäten. Bei Microsoft wurde die Richtlinie ausgegeben: Wo immer etwas über Open Source diskutiert wird, müsst ihr als Microsoft auch auftreten und unsere Standpunkte darlegen. In der Vergangenheit hat es in Österreich ein paar Open Source Projekte gegeben, die abgeschlossen worden sind und die auch funktioniert haben. Mit denen wollen die Open Source Firmen nun auch Werbung machen - zum Beispiel die Homepages vom ORF und der Wirtschaftskammer - das größte Open Source-Projekt. Ein zusätzlicher Grund war auch die aktuelle Diskussion, ob die Gemeinde Wien auf Open Source umsteigen soll, ähnlich wie es in München passiert ist.

Wieviele Anbieter sind in Österreich als Open Source Dienstleister aktiv?

Es gibt in Österreich etwa 65 reine Open Source Firmen. Davon sind 40-50 aber sicher reine Einmann-Unternehmen, die vielleicht einmal als Webpage-Programmierer begonnen haben und jetzt weiterhin Internet-Lösungen auf Apache-Servern und ähnliches machen. Daneben gibt es eine ganz kleine Anzahl von Open Source Unternehmen, die größer sind, die im B2B Bereich arbeiten und auch im Bereich Marketing und Werbung aktiv sind. Leider waren viele große Komplettanbieter wie HP oder IBM nicht dabei.

Sind deren Open Source Engagements nur Lippenbekenntnisse?

Open Source ist soweit Standard, dass man nicht daran vorbei kann. Daher müssen auch alle großen Anbieter sagen: Ja, wir bieten das auch für Open Source. Wir laufen auf allen Servern. IBM hat sicher viel investiert in der Vergangenheit.

Wie sieht die Support-Situation aus: Ist Open Source reif für Business-Anwendungen?

Das Problem an Open Source ist, dass es Lösungen von Technik-Freaks für Techniker sind. Es setzt viel Know-how voraus. Unternehmen, die dieses Know-how nicht haben, scheuen sich sehr stark davor, alles extern machen zu lassen, weil man dann doch sehr abhängig wird. Die Lösungen wären ja vorhanden.

Cubit hat ein Projekt bei den Salinen durchgezogen und die Salinen haben sich in Folge auch an der Cubit beteiligt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Salinen sicherheitshalber gleich die Firma gekauft haben, um ihren Support zu gewährleisten.

Wie schaut es mit dem Know-how vom IT-Personal aus?

In den Unternehmen schaut es eher schlecht aus. Die im Bereich Open Source wirklich gut sind, beschäftigen sich ihr ganzes Leben damit und machen sich dann selbstständig oder arbeiten bei einem Consulter oder ähnliches. Die klassischen IT-Leiter haben die Zeit dafür gar nicht. Das ist wahrscheinlich auch das größte Problem bei der Verbreitung von Open Source im Business-Bereich. Es ist nicht damit getan, ins Internet zu gehen und Files runterzuladen.

Merken Sie gestiegenes Interesse bei den Anwendern?

Trotz Teilnahmegebühr war unsere Veranstaltung sehr gut besucht. Ich glaube, dass Open Source schon ein Thema im Wachstum ist. Das ist sicher nur der erste Schritt zu mehr Veranstaltungen. Mit dem Einstieg der großen Softwarehäuser in den Bereich Open Source hat man sozusagen das offizielle OK bekommen, Open Source Software einzusetzen.

Leider sitzen nur Techniker in der Konferenz. Es war niemand vom Controlling oder der Finanz dabei, wo man ja auch denken könnte: Die Finanzabteilung ist an Open Source Produkten interessiert, weil man bei den Anschaffungskosten sparen kann. Es sind auch nicht unbedingt die IT-Leiter, sondern die Schrauber und Bastler der Ebene darunter.

Warum setzen Unternehmen in Österreich Open Source ein?

Kosten und Sicherheit werden immer zuerst genannt. Sicherheit ist nachvollziehbar und dürfte wohl stimmen. Bei den Kosten ist es schon komplizierter: In Wahrheit ist nur das Geschäftsmodell ein anderes. Die Software gibt es zwar umsonst, dafür verlangt man aber für die Dienstleistung und das ist auch nicht wenig. Ob das wirklich billiger ist, müsste man sich von Projekt zu Projekt anschauen. Es kommen aber auch emotionelle Punkte hinzu: Es gibt sicher persönliche Abneigungen gegen Microsoft. Es gibt auch das Bedürfnis nach Freiheit und Wahlmöglichkeit. Es wollen sich eben nicht alle Microsoft ausliefern und bevorzugen eine heterogene Landschaft.

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MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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