Dominik Troger
Seit 2001 wirft das Grazer Zentrum für Bildung und Wirtschaft (ZBW) mit ihrem "Österreichisches IT-Jobmonitoring 2003" einen scharfen Blick auf die Entwicklung des heimischen IT-Stellenmarktes, um bundesweit die Nachfrage nach IKT-Arbeitskräften und die Veränderung der Qualifikationsanforderungen darzustellen. Die repräsentative Erhebung stützt sich auf Stelleninserate in namhaften Print- und Online-Medien.
Der nun vorliegende Report für das Jahr 2003 schreibt, so Mag. Andreas Neumayer, Betreuer der Studie beim ZBW, den Trend des Jahres 2002 fort: "Anfang 2002 gab es bei der Nachfrage nach IT-Spezialisten einen sehr starken Einbruch. Das Angebot hat sich bis Mitte 2002 nahezu halbiert. Seither hat es sich auf diesem niedrigen Wert im wesentlichen stabilisiert." Hingegen steigt die Nachfrage nach Anwendern mit IT-Fachwissen kontinuierlich an.
"Zu den Anwendern mit speziellen IT-Kenntnissen zählen zum Beispiel Sachbearbeitungsberufe, Technisches Personal und Fachkräfte in den Bereichen Sales, Key Account, Finanzen sowie Leitungspositionen", erläutert Neumayer. "Für diese Stellen sollten Bewerber verstärkt spezielle IT-Kenntnisse in speziellen SAP-Modulen, AS/400-Plattformkenntnisse, Kenntnisse in integrierten Lösungen für das Enterprise Resource Planning (ERP) sowie Produktions- und Steuerungssystemen (PPS) mitbringen. Die Nachfrage nach IT-Fachkräften wird somit verstärkt von Anwendern, nicht von reinen IT-Spezialisten getragen."
Betrachtet man einzelne Branchen, dann ist vor allem der Produktionssektor derzeit von einer starken Technologisierungsdynamik gekennzeichnet und hat sich vor (!) der IT-Branche zum stärksten Nachfrager nach IT-Fachkräften entwickelt. In der IT-Branche und im Telekommunikationssektor ist die Nachfrage seit 2001 hingegen konstant rückläufig. "Vor allem der Fahrzeug- und Maschinenbau weist einen starken Anstieg der Nachfrage nach Spezialisten für Programmierung, Softwareentwicklung und SAP sowie nach allgemeinen IT-Fachkräften auf", erklärt Neumayer, "hingegen verzeichnen Banken und Versicherungen sowie die Consulting-Branche seit Beginn 2001 einen konstanten Nachfragrückgang."
In der regionalen Entwicklung verzeichnete Oberösterreich den stärksten Anstieg der Bundesländernachfrage von 10,1% im Jahr 2001 auf 17,4% der österreichischen Gesamtnachfrage im Jahr 2003 und legte auch absolut deutlich zu. Die Nachfrage in Wien ging von knapp 60% im Jahr 2001 auf 40,1% im Jahr 2003 zurück. Die Steiermark hingegen, 2001 mit 11,2% noch leicht vor Oberösterreich, konnte ihren Anteil am österreichischen IT-Stellenmarkt kaum ausbauen.
Kombinierte Qualifikationen sind wichtig
Wie Neumayer betont habe sich die Nachfragestruktur nachhaltig verändert: "Verstärkt werden Bewerber mit kombinierten Qualifikationen gesucht. Zum Beispiel werden von Softwareentwicklern auch Fähigkeiten wie Projektmitarbeit oder Projektleitung erwartet. Der ‚Freak' ohne Zusatzqualifikation ist out. Für Managementpositionen sind sehr gute Kenntnisse im Bereich von Business-Lösungen (ERP, PPS) mittlerweile ein Muss. Auch der verstärkte Trend zu CRM und einer zunehmenden Kundenorientierung ist festzustellen."
Bedeutend für die kaufmännischen Berufe innerhalb der IT-AnwendungsspezialistInnen sind Kenntnisse der Unternehmenssoftware SAP. SAP setzt sich in Assistenz-, Sekretariats-, Buchhaltungs- und Sachbearbeitungspositionen immer mehr als Querschnittskompetenz durch.
Auch für Techniker spielen SAP-Kenntnisse in zunehmendem Ausmaß eine wichtige Rolle. Techniker in Automatisierung und Produktion benötigen darüber hinaus immer bessere Kenntnisse in Programmiersprachen und Softwareentwicklung. Trends, so Analyst Neumayer, die auch das heurige Jahr bestimmen werden.
Report "Österreichisches IT-Jobmonitoring 2003", 84 Seiten, Preis: € 104,40 inkl. Mwst. Weitere Infos dazu unter http://www.zbw.at




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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 