Mag. Jutta Strauss
Ein gestresster Manager zu sein, ist derzeit "en vogue". Der Mangel an Freizeit und konstanter Über-Druck werden vermeintlich als Merkmale von Leistung und Erfolg angesehen. Wirksame Methoden zur Vorbeugung des Burnout-Syndroms sind die Effektivität des Arbeitens, Zeitökonomie und Finalisierung der Aufgaben sowie Zeit für das Privatleben. Nicht so chique wie Coaching und Charisma-Training, aber altbewährt.
Das in den 70er Jahren erstmals beschriebene Burnout-Syndrom füllt immer noch regelmäßig sehr ausführlich die Managerseiten der Medien. Diagnosen lassen nicht lange auf sich warten. Verschiedene Vertreter der unterschiedlichsten Berufssparten fühlen sich berufen, Therapievorschläge zu bringen. Das "profunde" Know-how orientiert sich leider vorwiegend daran, was gerade "en vogue" ist. Beschrieben wird meist nur der negative Stress, der Dystress, während der positive Eustress kaum Erwähnung findet.
Manager fühlen sich manchmal überarbeitet, sind gelegentlich in Schwierigkeiten und manchmal sogar in einer Krise, haben Sorgen und fühlen sich nicht immer sicher mit dem, was sie entscheiden. Sie sind nicht jeden Tag "gut drauf" und abends oft müde. Was daran ist so außergewöhnlich?
Geht es anderen Menschen besser? Sind alleinerziehende Mütter, Chirurgen, Bergbauern, Studenten, Kellner und Lastwagenfahrer besser dran?
Sind Regenerationsvorschläge wie Entspannung, Massagen, Wellness, Moorbäder, Tiefatmung und Loslassen, Coaching und Empowerment, Zuhörenlernen und Empathie, Networking und Recreation, emotionale Intelligenz und Charisma-Training nicht nur spannend, sondern auch wirksam?
Warum werden so selten die einfachen Dinge genannt, die auch nachweislich funktionieren? Von Managern in Top-Positionen, die über viele Jahre Kraft und Energie haben und damit konstant erfolgreich sind, kenne ich einfacher gestrickte Vorschläge:
- Professionalität in der Erfüllung der Aufgaben als Folge einer exzellenten Ausbildung (idealerweise Unterstützung durch einen Mentor),
- solide persönliche Arbeitsmethodik (durchdachtes Zeitmanagement),
- ein einigermaßen intaktes Privatleben und
- regelmäßiger Sport.
Langweilig? Ja, solche Methoden füllen keine Recreation-Bücher. Effektivität des Arbeitens, Zeitökonomie und Finalisierung der Aufgaben sind Möglichkeiten auch an Wochenenden Zeit für das Privatleben zu haben. Jene Manager, die dies durchschaut haben, geben auch keine Interviews über Stress. Warum? Weil sie ihn nicht haben und weil sie ihre Zeit nicht verschwenden wollen ...




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 