Andreas Rösler-Schmidt
Doch die Idee hinter Siemens Gigaset SX353isdn hat mich so beeindruckt, dass ich es vorziehe, darüber meine ersten Eindrücke zu schildern, anstelle Neuerscheinungen aus dem frühjährlichen Geräte-Einheitsbrei ausführlicher zu testen.
Was das Siemens Schnurlos-Telefon auszeichnet, ist die Bluetooth-Schnittstelle der Basisstation (die gleichzeitig auch als Tisch-Komforttelefon dient). Über diese kann man nämlich Bluetooth-Handys jedes Herstellers (dass es mit Siemens - wenig überraschend - aber auch Nokia und SonyEricsson funktioniert, davon konnte ich mich bereits überzeugen) in die Schnurlos-Anlage einbinden.
Das Resultat: Sämtliche eingehenden Anrufe am Handy läuten auch an der Basisstation und den Mobilteilen der Schnurlos-Anlage und können dort entgegengenommen werden. Das hat ein paar Vorteile: So kann man die Freisprecheinrichtung der Basisstation benützen - die den rudimentären Freisprechfunktionen der Handys (man kann schon frei sprechen, aber gehört wird man eben nicht unbedingt) weit überlegen ist.
Vor allem in großen Wohnungen lässt man das Handy einfach bei der Basisstation liegen und erhält Anrufe auch in allen Zimmern über die an der Schnurlos-Anlage angemeldeten Mobilteile. Das Herumschleppen des Handys entfällt (wenigstens zuhause!). Auch wenn man jemanden anrufen will, kann man von jedem Mobilteil aus das Handy benützen, um z.B. den günstigeren netzinternen Tarif des Mobilfunk-Anbieters zu nützen - oder schlicht um das Handy nicht holen zu müssen. Danke Siemens! Als bewegungsfauler Mensch weiß ich das wirklich zu schätzen! Aber auch für weniger faule Menschen hat es einen großen Vorteil: In vielen Wohnungen ist der Handy-Empfang recht miserabel - durch die Bluetooth-Lösung kann man das Handy nun dorthin legen, wo es den besten Empfang hat. Beim Telefonieren muss man sich dann aber trotzdem nicht verrenken...
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Wer eine SMS erwartet, muss sein Handy doch durch die Wohnung mitschleppen. Am Handy eingehende SMS werden nämlich nicht an den Mobilteilen angezeigt. Das liegt an den Bluetooth-Profilen: Das Gigaset nützt das Freisprech-Bluetooth-Profil und das kann eben keine "MWI" (Message Waiting Indication) Informationen übermitteln - aber es wäre doch fein, wenn Siemens sich hier was einfallen lassen könnte - allein der Perfektion wegen.
Da ich auch nach einem Kurztest etwas aussetzen muss: Die neuen Mobilteile von Siemens schauen ziemlich mäßig aus. Und die Strategie dahinter kann ich auch nicht ganz verstehen. Die Schnurlos-Telefone sehen aus wie Nokia-Handys mit ihrem "Bauch" rund ums Display. Will Siemens hier seine Festnetz-Kunden im Mobilbereich zu Nokia schicken?




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 