Newsfeed abonnieren
Editorial

Pinguin und Bürgerkarten-Wette

Open Source Softwarelösungen erobern nun nach den Servern auch Bürocomputer. Nicht nur unter Linux. Es gibt allerdings noch viel zu tun: Microsoft kann auf stolze 96 Prozent Marktanteil verweisen, Linux wird heuer höchstens der 1,5 Prozent-Marke entgegen kriechen. Aber der Pinguin - neuerdings zu unser aller Überraschung auch das Maskottchen der Österreich-Werbung - schreitet voran.

Es wäre ja durchaus wünschenswert, wenn die heimische IT- und die Fremdenverkehrs-Branche über den Pinguin auch im öffentlichen Bewusstsein zusammen kommen würden. Wie Monitor-Autor Günther Krumpak immer wieder betont, liegen die beiden Bereiche ja in der Wertschöpfung sehr eng beisammen, bei öffentlicher Unterstützung und Wahrnehmung klaffen aber große Lücken.

Die Aufregungen rund um den Pinguin haben uns jedenfalls bewogen, der österreichischen Open Source-Szene unser "Thema" zu widmen. "Mit Red Hat und Novell/SuSE hat sich eine Gegenwelt zu Microsoft etabliert, die ungleich schlagkräftiger ist als das frühere verzweigte Grüppchen von Computerfreaks, die allesamt Bill Gates stürzen wollten. Jetzt hat Linux ein Gesicht, ist keine Außenseiterveranstaltung mehr", analysiert etwa Monitor-Kommentator Conrad Gruber ("Reeboot", S.24). Und im öffentlichen Bereich sei Linux schon weit vorgeprescht: "Daher tun sich auch im E-Government die momentan größten Chancen von Linux auf."

2001 gründete Friedrich Kofler innerhalb der Fachgruppe UBIT (Unternehmensberatung und Informationstechnologie) in der Wirtschaftskammer Wien, eine Special Interest Group (kurz SPIN) zum Schwerpunkt Open Source Software. Im Jahr 2003 wurde diese Initiative auf ganz Österreich ausgedehnt und als "Experts Group" vom Fachverband UBIT in der Wirtschaftskammer Österreich mitgetragen. "Ein gängiges Vorurteil setzt Open Source Software mit dem Begriff Linux gleich", klagt Angelika Gößler, Sprecherin der Open Source Experts. "Das ist so nicht ganz richtig." Daher empfiehlt UBIT die Beiziehung der "Open Source Experts", wenn ein Betrieb die Umstellung überlegt. Mehr dazu lesen Sie auf S. 24.

IDC-Österreich Chef Joachim Seidler über den österreichischen Open Source Markt: "Es gibt in Österreich etwa 65 reine Open Source Firmen. Davon sind 40-50 aber sicher reine Einmann-Unternehmen. Daneben gibt es eine ganz kleine Anzahl von Open Source Unternehmen, die größer sind, die im B2B Bereich arbeiten und auch im Bereich Marketing und Werbung aktiv sind." Und er führt weiter aus: "In Wahrheit ist nur das Geschäftsmodell ein anderes. Die Software gibt es zwar umsonst, dafür verlangt man aber für die Dienstleistung und das ist auch nicht wenig. Ob das wirklich billiger, ist müsste man sich von Projekt zu Projekt anschauen." Lesen Sie das ganze Interview auf S. 19.

Monitor kommunal mit Wette

Unser erfolgreicher Sonderteil "Monitor kommunal", der Sie nun bereits zum dritten Mal über aktuelle Entwicklungen im E-Government informiert, beginnt auf S. 28. Dort hat sich - gleich nach ihrer Babypause - Monitor-Autorin Christine Wahlmüller in das Thema "elektronische Signatur" vertieft. Ende 1999 gestartet sei das viel diskutierte Projekt nämlich mehr als zäh angelaufen. Heute gibt es erst 30.000 Anwender, die meisten davon sind Unternehmen. Das soll sich jetzt aber ändern: E-Government, E-Banking und elektronische Rechnungslegung sollen 2004 zum Jahr der elektronischen Signatur machen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist das E-Government Gesetz, das Ende Jänner vom Nationalrat verabschiedet wurde und mit 1. März in Kraft getreten ist. Zentraler Baustein soll jedenfalls die "Bürgerkarte" sein: Sie soll es ermöglichen, alle Amtswege künftig komplett online abwickeln zu können.

"Bürgerkarte - Scheitern gesichert", so betitelt Monitor-Autor und ARGE Daten-Chef Hans G. Zeger seinen Text (ab S. 32), den er mit einer Wette verbindet. Die Bürgerkarte sei ein technikverliebtes Konzept und könne langfristig nicht über die Strukturmängel der österreichischen Verwaltung hinwegtäuschen. "Die IT-Branche sollte Lehren aus vergangenen Projekten ziehen", mahnt Zeger. Ende Jänner wurde das Bürgerkarten/e-Government-Gesetz als "Jahrhundertgesetz" von den Regierungsparteien beschlossen. Obwohl die Probleme des im Gesetz geregelten komplizierten Bürgeridentifikationsmechanismus in Fachkreisen äußerst intensiv diskutiert wurden, fand diese Diskussion praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zuletzt bietet Zeger sogar eine Wette an: In drei Jahren könne man die Mehrzahl der angebotenen e-Goverment-Lösungen ohne Bürgerkarte benutzen und die Gesamtzahl der Transaktionen mit Bürgerkarten werde keine 10% der Gesamttransaktionen im e-Commerce- und e-Goverment-Bereich erreichen. Wetteinsatz: Eine Kiste Champagner. Wetten Sie mit, Anmeldungen werden gerne entgegengenommen!

Wenn Sie schon beim gewinnen wollen sind: Ein weiteres Gewinnspiel - diesmal geht es um Ferrari-Uhren - finden Sie auf 47.

Einen guten Start in den Frühling wünscht Ihnen Ihr

Rüdiger Maier

weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum