Leonardo für das Lesepult
Leonardo
da Vinci (1452-1519) war wohl das bekannteste Universalgenie der Renaissance.
Kürzlich ergänzte der Taschen Verlag mit einem großformatigen, schwergewichtigen
und 700 Seiten umfassenden Buch die Leonardo-Publikationsliste.
Ein teures, ehrgeiziges und vorbildliches Werk des Verlages, gedacht für Bibliophile und Leonardo-Fans, vorzugsweise mit einem entsprechenden Stehpult in der Bibliothek. Das Auflegen und Durchblättern des Buches ist angesichts seiner Dimensionen nämlich eine gewisse Herausforderung. Belohnt wird die Mühe durch die profunden, auf neuesten wissenschaftlichen Kenntnissen beruhenden Texte des Leipziger Kunstgeschichte-Professors und Leonardo-Spezialisten Frank Zöllner sowie die hochwertigen Abbildungen. Diese zeigen oft stark vergrößert spezielle Details, die man mit freiem Auge nicht erkennen würde.
Auf den ersten 200 Seiten erzählt Zöllner akribisch über eine der rätselhaftesten Gestalten der Renaissance: Zwar besitzen wir von Leonardo den umfangreichsten schriftlichen Nachlass aus seiner Zeit, darin finden sich aber nur spärliche Hinweise auf persönliche Anschauungen und Gefühle. Der 34 Nummern umfassende Werkkatalog behandelt alle bekannten verlorenen und erhaltenen Gemälde Leonardos und gibt erstmals detailliert Auskunft über Erhaltungszustand, Maltechnik und vieles mehr. Der 430 Seiten starke dritte Teil zum zeichnerischen Werk stellt alle Einzelzeichnungen vor, daneben auch Blätter aus den Notizbüchern und wissenschaftlichen Manuskripten. Die 663 Zeichnungen, alle farbig und großformatig abgebildet, bilden die bislang umfangreichste Publikation dieser Art. Dem technisch Interessierten stechen dabei vor allem auch die oft über seine Zeit weit hinausweisenden Entwürfe Leonardos in den Bereichen Architektur, Technik, Mechanik, Kriegstechnik und Flugmaschinen ins Auge. Alles in allem: Das Universalwerk zum Universalgenie Leonardo ist eine äußerst gelungene und engagierte Verlagsleistung, das man nur empfehlen kann. (Mai)
F. Zöllner; J., Nathan: Leonardo da Vinci. Taschen Verlag 2003. 290 x 440 mm. 696 Seiten. 150,- Euro
Neuauflage
"Der
letzte dem Menschen unbekannte Kontinent ist der Mensch", sagte Friedrich Heer,
einer der bedeutendsten österreichischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts.
In den beiden vorliegenden Bänden, herausgegeben von Konrad Paul Liesmann, setzt sich Heer mit einer Vergangenheitsarbeit auseinander, die am Erkenntnisprozess, der schöpferischen Vernunft des Menschen beteiligt ist. Unter diesem "Arbeiten" versteht er die Vor-Gänge in den Seelen der Menschen, an denen Andere, Vorausgegangene beteiligt sind. Er macht auf die Gefährlichkeit der "reinen" reduzierten Vernunft, instrumentalisiert von "Neanderthalerseelen, die amusisch, unerotisch, unfromm, unhuman ihre Wissenschaften als Faustkeile handhaben" aufmerksam und will bewusst machen, wie sehr Ein-Bildungskräfte "undurchsichtige Spiele treiben" können.
Der 2. Band enthält Vorträge und Aufsätze, die sich mit den "geistigen, religiösen, politischen Untergrund der europäischen Völker" beschäftigen. Friedrich Heer will immer "Tiefengeschichte" betreiben, um die Gegenwart besser verstehen zu können, um überhaupt verstehen zu können. Als besondere Empfehlung sei der Essay "Heiterkeit als Menschenpflicht" genannt, in dem er vor der Verwechslung mit "Spaß- und Witze machen" und dem "Schaden humorloser Humanität" eindringlich warnt.
Liessmann K.P., (Hrsg.): Friedrich Heer: Das Wagnis der Schöpferischen Vernunft (Band 1); Europa: Rebellen, Häretiker und Revolutionäre (Band 2) . Böhlau Verlag, Wien 2003



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8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 