Michael Wengermayer, Chef der Österreich-Tochter des US-Softwarekonzerns Computer Associates, haderte zu Jahresende mit dem Schicksal der Branche, das zugleich seines ist: "Eigentlich müssten die ganzen zurückgehaltenen IT-Budgets ziemlich aufgestaut sein. Es muss der Punkt kommen, wo sie so richtig losbrechen".
Kommen wird dieser Punkt sicher. Wenn sich die Schleusen vor den aufgestauten IT-Investments öffnen, wird man aber erst genau sehen, wieviel sich dahinter angesammelt hat. Softwarefirmen haben sich mit ihren ASP- und on demand-Angeboten, Hardwareunternehmen mit ihren Leasing-Deals und die Systemhäuser mit ihren Outsourcing-Projekten vielleicht selbst ins Knie geschossen, weil sie den Kunden gezeigt haben, dass es auch billiger geht. Aber wer weiß? Vielleicht wird der IT-Branche durch zweifelhafte "Segen" wie einen hartnäckigen Internet-Wurm oder sonstige Fremdeinflüsse wieder unter die Arme gegriffen? Der nächste Millenniums-Bug kommt aber noch nicht so bald, leider.
Zu Jahresende 2003 machte die österreichische Branche den niedergeschlagenen Eindruck, zum Kaputtsparen verdammt zu sein. Bei den kleinen und mittelgroßen IT-Anbietern und Systemhäusern lief es so "lala", wer sich nicht ganz klar zum Ostmarkt hin orientierte, versäumte die Abfahrt. Die großen IT-Firmen, weil etwas träger, traf es aber dann doch: Siemens musste endlich zugeben, dass es bei der hauseigenen Softwareschmiede PSE doch nicht so gut läuft. Mehr als 300 Mitarbeiter müssen gehen. Gericom kam beim Notebook-Verkauf in die Bredouille. Jetzt wollen die Linzer eilends zum Unterhaltungselektronik-Anbieter mutieren. Leider wird der Standort Österreich nichts davon haben: Siemens lässt in Hinkunft lieber in Osteuropa und in China programmieren, Gericom baut seine DVD-Player und Flatcreen-TVs künftig in der ehemaligen DDR, wo sonst.
Als Profiteure der IT-Branche sahen sich 2003 die Anbieter von Business Intelligence. Wenn wo gespart werden muss, geht das natürlich auch nicht ohne Software. So haben Anbieter wie SAS Institute, Cognos oder MIS AG bei Unternehmen ganz gut punkten können. Ihre Software durchforstet Unternehmenskennzahlen u.a. nach Sparpotenzial jeglicher Art. Gerade jetzt, in wirtschaftlich engeren Zeiten, wollen es die Unternehmen ziemlich genau wissen und analysieren die Kostenströme intensiver als je zuvor, freut sich Stefan Sexl, Marketingleiter bei der MIS AG: "Wir sind durchaus Krisengewinnler". Na bitte.



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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 