Zu den modernsten Unternehmen im Siemens Firmenverband zählen die Elektronikwerke Wien und Burgenland, Kompetenzzentren für Entwicklung und Fertigung elektronischer Produkte und Systeme mit Ausrichtung auf den Weltmarkt. Das Spektrum reicht von der einfachen Leiterplatte bis hin zu komplexen elektronischen Systemen für die Verkehrstechnik, Kommunikation, Industrie, Bio-metrie sowie Haushaltsgeräte. Dabei steht immer ein Gedanke im Mittelpunkt: Innovative Ideen und höchste Qualität in der Fertigung.
Um diese Philosophie durch eine moderne IT Infrastruktur zu unterstützen, wurde vor über 10 Jahren entschieden, in ein umfassendes Qualitätsdatennetz zu investieren. "Wir wussten, dass wir dieses Projekt nicht alleine realisieren konnten", erzählt Herr Ing. Andreas Rafferseder, IT Leiter des EWW, "deshalb wurde die Realisierung der Applikation an ein Softwarehaus, die Firma SphinX IT Consulting, vergeben." Hauptziel war das Sammeln und Auswerten aller fertigungsrelevanter Daten, um nicht nur die Anforderungen der ISO Normen zu erfüllen, sondern vor allem um Prozesse besser steuern und Fehler sehr früh im Prozess erkennen oder ganz vermeiden zu können.
Fertigungsinformations- und Steuerungssystem
Der Erfolg gibt Siemens recht - im April 2002 ging das neue Elektronik Werk Burgenland in Siegendorf nach nur fünfmonatiger Bauzeit produktiv. Auch hier kommt das Fertigungsinformationssystem (FIS) zum Einsatz und kann seine Stärken voll ausspielen. So ist die papierlose Fertigung auf Basis einer lückenlosen Barcode-Identifizierung im Elektronikwerk Burgenland heute bereits Realität. Darüber hinaus stellt man auf Basis der Produktidentifikation die notwendigen Steuerprogramme für die Fertigungsanlagen zur Verfügung. FIS mutiert also allmählich zu einem FISS einem Fertigungsinformations- und Steuerungssystem
"Unser FIS liegt heute im Vergleich zu anderen Manufacturing Execution Systemen unserer Branche ganz vorne", freut sich der Verantwortliche und "Erfinder" von FIS, Herr Rafferseder. "Doch die beste Lösung wäre wertlos ohne unser engagiertes Team, das die Unterstützung unserer hochkomplexen Prozesse mit viel Kompetenz und Einsatzfreude sicherstellt, und dazu zähle ich auch unseren langjährigen externen Partner - SphinX IT Consulting, auf den wir uns bei der softwaremäßigen Umsetzung unserer Anforderungen und unserer Visionen verlassen können. Angesichts von enormen Datenmengen, 100erten Benutzern in zwei Fabriken, hohen Anforderungen an Performance und Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit des Systems ist auch die Erfahrung von SphinX mit der Oracle Technologie unverzichtbar und sehr beruhigend."
Was leistet FIS?
Jede Leiterplatte wird zu Beginn mit einem eindeutigen Barcode versehen, dem dann alle fertigungsrelevanten Prozess- und Qualitätsdaten zugeordnet werden. Automatisch über die angebundenen Fertigungsmaschinen oder manuell durch Eingabe über Masken. Jeder Tastendruck kostet Zeit und damit Geld: Effizienz im Interface zwischen Mensch und Maschine ist daher das oberste Gebot. In der Mehrzahl der Fälle reicht das Einscannen des Barcodes, um alle wichtigen Informationen über den aktuellen Prozessschritt im System abzulegen (was, wann, wo, wie).
Werden während der Prüfung Fehler eingegeben, so erlaubt das System mittels intelligenter Algorithmen, auf den richtigen Verursacherprozess (z.B. eine bestimmte Bestückmaschine) zurückzuschließen und sofort entsprechende Maßnahmen zu setzen. Durch permanentes Berechnen der aktuellen Prozessqualität können Vorschläge für sinnvolle Stichprobenquoten errechnet werden. Neben diversen Qualitätskennzahlen (First Pass Rate, Q-Zahl, Defects per Million, ...) kann das System auch laufend Auskunft über Durchlaufzeiten, Liegezeiten, Fehlerverteilung, Lieferantenbeurteilung (Qualität der Bauteilchargen) und vieles mehr geben.
Durch die Integration der Funktionen des "Fertigungs- und Instandhaltungsmanagements" in FIS wurde eine Insellösung abgelöst, Schnittstellen eliminiert und ein"single-sign-on" realisiert. Im Zuge des "automatischen Rückmeldens" liefern jetzt alle Fertigungseinrichtungen quasi online den Arbeitsfortschritt an SAP und an den Fertigungsleitstand. Und auch die Planung lebt letztendlich von der Aktualität der Rückmeldungen.
Für die Zukunft liegt nach der Ablöse einiger noch vorhandenen Insellösungen das Ziel in der optimalen Koexistenz der zwei Verfahren FIS und SAP R/3. In FIS laufen die Kanäle zwischen den Betriebsdaten im Prozess und dem Enterprise Resource Planning System zusammen. Mittelfristig soll das heute zentrale Feinsteuerungskonzept durch dezentrale Funktionalitäten in FIS abgelöst werden, das dafür um entsprechende Planungsfunktionalitäten erweitert wird.
"Langfristig lassen wir uns die Option für ein unternehmensübergreifendes Datawarehouse offen und sichern eine synchrone Weiterentwicklung des Ferti-gungsinformationssystems, um auch den Weg für eine gemeinsame Sicht auf diese Unternehmensdaten offen zu halten", so Rafferseder.
Technische Details
Technisches Mengengerüst der Online-Daten
- 2 Standorte
- 1580 Benutzer (davon ca. 200 Benutzer gleichzeitig)
- 40000 Historisierte Ereignisse / Tag
- 450 Fertigungsfortschrittsrückmeldungen /Tag
- 51,5 Mio. Historieneinträge
- 67000 Aufträge
- 7200 Stücklisten
- 25000 Sammelkarten
- 9 Mio. Identnummern
- 30000 Bauteile
Technische Details




1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 