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Wirtschaft

IT in den Bundesländern: Wien

Wer die österreichische IT-Landschaft betrachtet, kommt an Wien nicht vorbei. Die Bundeshauptstadt beherbergt eine große Zahl an Unternehmen, die dem High Tech-Bereich zuzuordnen sind und von hier aus nicht nur den heimischen Markt, sondern auch die mittel- und osteuropäischen Länder erobern. Unterstützung finden sie durch die Stadt, die den Unternehmen mittels zahlreicher Maßnahmen unter die Arme greift.

Christian Henner-Fehr

Wie kaum eine andere Region profitiert der Großraum Wien vom Fall des Eisernen Vorhangs und dem im nächsten Jahr anstehenden EU-Beitritt der Länder Ost- und Mitteleuropas. Abhängig von der Betrachtungsweise lassen sich von hier aus mehr als 100 Mio. Menschen erreichen. Vor diesem Hintergrund haben sich Wien, Niederösterreich und das Burgenland zur Vienna Region zusammengeschlossen, um den Unternehmen gemeinsam attraktive Rahmenbedingungen anbieten zu können.

Entstanden ist ein Wirtschaftsraum, dessen Anteil an der österreichischen Bruttowertschöpfung fast 50% beträgt und der sich mehr und mehr zu einem auch international attraktiven High Tech-Standort entwickelt. Internationale IT-Konzerne wie Siemens, Hewlett Packard, Canon oder T-Mobile haben sich in Wien niedergelassen, aber auch österreichische Größen wie Frequentis oder die Kapsch-Gruppe sind hier anzutreffen.

Einer der wichtigsten Ansprechpartner für die Wirtschaft ist der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF). Mit ihm verfügt die Stadt Wien über ein wirtschaftspolitisches Instrument zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Wiener Unternehmen und zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes. 1982 von der Stadt Wien, Wirtschaftskammer, Bank Austria und Erste Bank gegründet, verfügt der WWFF mittlerweile selbst über eigene Tochtergesellschaften. Zu ihnen gehört die ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH (ZIT), die als Technologieagentur der Stadt Wien unter anderem für wiennovation, die Technologieoffensive der Stadt verantwortlich ist. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer und dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) wurde eine Strategie entwickelt, die die soziale und ökologische Verträglichkeit der technologischen Entwicklung berücksichtig und Nachhaltigkeit verspricht. Durch die Konzentration von Fördermitteln sollen technologische Stärkefelder entstehen, die durch ihre kritische Masse Eigendynamik entwickeln und dem Standort zusätzliche Impulse verleihen können.

Das Interesse gilt dabei neben den Bereichen Life Sciences oder Biotechnologie auch der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und den Creative Industries. In Abkehr vom bisherigen Gießkannenprinzip werden Fördermittel nach dem Wettbewerbsverfahren vergeben. Calls bieten den Unternehmen die Möglichkeit, in bestimmten Zeitfenstern ihre Projektideen und -konzepte einzureichen.

Große Hoffnungen setzt Wien auf den Bereich der Kreativwirtschaft, in der es um wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeiten kultureller Produktion geht. Rund 60.000 Personen arbeiten in Wien im Bereich der Creative Industries, die dazu beigetragen haben, Wien als Kulturmetropole zu positionieren. Mit der departure - wirtschaft, kunst und kultur gmbh werde nun eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, mit deren Hilfe sich das kulturelle Potenzial der Stadt noch besser nutzen lasse, ist Norbert Kettner überzeugt. Er ist Geschäftsführer von departure, einer 100%igen Tochter des WWFF, die mit Jahresbeginn 2004 ihre operative Tätigkeit aufnehmen wird. "Unser Ziel ist es", so Kettner, "einerseits die Wertschöpfung für Wien in diesem Bereich zu erhöhen und andererseits die Internationalisierung voranzutreiben." Im Unterschied zur klassischen Förderung von Kunst und Kultur betreibe departure Wirtschaftsförderung, so Kettner. "Wir wollen Wiens Kreativen helfen, eine ökonomische Basis zu finden."

INiTS unterstützt Akademiker bei der Unternehmensgründung

Eine besondere Bedeutung kommt in Wien der Informations- und Kommunikationstechnologie zu, denn rund 10% aller Wiener Unternehmen lassen sich diesem Sektor zuordnen. Mit dem Tech Gate Vienna wurden die Voraussetzungen geschaffen für erfolgreiche Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft. Von der Stadt Wien und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) initiiert, soll das Tech Gate Wiens erste High Tech-Adresse werden und sowohl Forschungseinrichtungen als auch technologieorientierte Unternehmen und Unternehmensgründer ansprechen.

Durch die Konzentration auf die Schwerpunkte Telekommunikation, Informationstechnologie und Softwareentwicklung, Medizintechnik und Sensorik sowie Werkstofftechnologie erhoffen sich die Betreiber Synergieeffekte zwischen den Mietern des Wissenschafts- und Technologieparks. Interessant ist das Tech Gate noch in anderer Hinsicht: als Public-Private-Partnership Modell konzipiert und realisiert, ist die Wiener Städtische Versicherung Hauptgesellschafter des Tech Gate.

Ein Technologie- und Gründerzentrum mit dem Fokus auf Forschung und Entwicklung entsteht derzeit am Höchstädtplatz. Strukturell schwach entwickelt kommt dieser Teil der Stadt zusätzlich in den Genuss von EU-Fördermitteln. ZIT und die CREDO Real Estate AG wollen mit der Errichtung des Business & Research Centers Höchstädtplatz (B & R Center) innovative Unternehmen in dem ehemals industriell geprägten Gebiet ansiedeln und so als Impulsgeber fungieren. Vorgesehen ist eine intensive Gründungsbetreuung und eine inhaltliche Ausrichtung, die mit den Lehrangeboten der in unmittelbarer Nähe gelegenen Fachhochschule Technikum Wien korreliert. Hier, an einer der führenden technischen Fachhochschulen Österreichs, wird seit kurzem der neue Studiengang Mechatronik/Robotik angeboten, für den mit dem Technologieführer ABB AG, Robotertechnik Österreich ein bedeutender Partner aus der Wirtschaft gefunden werden konnte.

Die Ausbildungsangebote der Wiener Universitäten stellen ebenfalls eine wichtige Grundlage für den Standort Wien dar. Um Absolventen bei der Unternehmensgründung zur Seite zu stehen, wurde gemeinsam von ZIT, der Universität Wien sowie der Technischen Universität Wien das Gründerzentrum INiTS geschaffen. Ziel ist es, die Zahl der Unternehmensgründungen aus dem akademischen Bereich heraus zu erhöhen und durch Beratungen und Serviceleistungen die Überlebenschancen dieser Unternehmen zu erhöhen.

Das Zusammenspiel von Ausbildung, Information, Service und Beratung schafft interessante Rahmenbedingungen für IT-Unternehmen, die sich für den Standort Wien entscheiden und von hier aus sowohl die heimischen, als auch die Märkte im Ausland bearbeiten. Ausgehend von seiner geografischen Lage hat sich Wien zur Schnittstelle zwischen Ost und West entwickeln können. Die Lage alleine reicht aber nicht, Wissen und Kompetenz sind unabdingbare Faktoren für den Erfolg. Hierin unterstützt die Stadt ihre Unternehmen mit einem breiten Angebot.


"IT-Branche spielt zentrale Rolle"

Zum Abschluss der Serie "IT in den Bundesländern" ist Wien an der Reihe. Über den Stellenwert der IT-Wirtschaft für Wien sprach MONITOR mit Bürgermeister Dr. Michael Häupl.

Durch die zahlreichen Rückschläge in der jüngeren Vergangenheit hat das Renomee der IT-Branche zwar etwas gelitten, trotzdem gilt die Branche als äußerst zukunftsträchtig. Welche Bedeutung hat diese Branche für Ihr Bundesland?

Der Wirtschaftsstandort Wien gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung als Dienstleistungsstandort, die IT-Branche spielt hier eine zentrale Rolle. Wien positioniert sich immer mehr als technologieorientierter Dienstleistungs- und Industriestandort im internationalen Wettbewerb. Heute befinden sich etwa 8.000 IT-Unternehmen in Wien. Die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Branche steigt ständig, derzeit sind in Wien 78.000 Personen im IT Bereich tätig - das entspricht etwa 70 % der IT-Beschäftigten Österreichs. Besonders erfreulich ist, dass Unternehmen jeder Größe, von Siemens oder SAP bis zu kleinen, hochinnovativen Firmen am Standort Wien ansässig sind. Die Bundeshauptstadt ist mit einem Drittel aller Betriebe und einem Anteil von 70 % am österreichischen Gesamtumsatz von 25 Milliarden Euro der bei weitem größte Standort. Die meisten multinationalen Unternehmen sind hier angesiedelt, viele davon mit Verantwortung für die Geschäftstätigkeit in Mittel- und Osteuropa.

Was hat die Stadt Wien in den letzten Jahren getan, um für IT-Unternehmen günstige Rahmenbedingungen zu schaffen?

Neben umfassender Unterstützung bei der Betriebsansiedlung und einer erstklassigen technologischen (und natürlich auch klassischen) Infrastruktur bemühen wir uns um ein Top IT - Ausbildungsangebot an den Fachhochschulen und Universitäten. 2003 wurde die neue Fachhochschule Technikum Wien am Technologie- und Gründerzentrum Höchstädtplatz eröffnet. Damit soll eine aktive Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft gefördert werden.

Darüber hinaus haben wir mit der Wiener Technologieoffensive "wiennovation" ein zukunftsorientiertes Instrument der Technologie- und Innovationsförderung geschaffen. In diesem Rahmen wurde zum Beispiel der höchst erfolgreiche Call "Informations- und Kommunikationstechnologien Vienna 2003" durchgeführt. Bedingt durch die hohe Beteiligung der Unternehmen und die gute Qualität der eingereichten Projekte konnte das Förderbudget auf 2,75 Millionen Euro aufgestockt werden, 15 hervorragende IT-Projekte wurden gefördert.

Betreiben Sie eine aktive Ansiedelungspolitik, um IT-Unternehmen nach Wien zu holen?

Ja, wir gehen aktiv auf internationale Interessenten zu. Auslandsbüros des WWFF (Wiener Wirtschaftsförderungsfonds) in Brüssel, Tokio und Miami informieren vor Ort über den Wirtschaftsstandort Wien. Kooperationen mit zahlreichen Partnerstädten vernetzen uns mit der internationalen Community. Ein Beispiel dafür ist "Metropolis", ein Netzwerk, das sich mit Innovationsstrategien zwölf europäischer Städte befasst.

Welche Voraussetzungen finden Unternehmensgründer vor und in welcher Weise können Sie hier Hilfestellung leisten?

Wir unterstützen Unternehmensgründungen von Anfang an umfassend. Der WWFF bietet einen flexiblen Mix aus finanziellen, organisatorischen und infrastrukturellen Leistungen. Dazu zählen u.a. individuelle und kostenlose Informationen zu Förderungen, konkrete Hilfestellungen im Umgang mit Behörden, maßgeschneiderte Angebote für Gründerinnen und Jungunternehmerinnen sowie umfassende Beratung und Hilfestellung zu EU-Förderungen. Für die IT-Branche von Interesse ist auch "INiTS", die universitäre Gründerservice GmbH zur Unterstützung und Vorbereitung von Unternehmensgründungen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen in der sogenannten "Vienna Region".

Welche Entwicklung wünschen Sie sich in den nächsten 10 Jahren für den IT-Standort Wien beziehungsweise für die IT-Unternehmen in der Bundeshauptstadt?

Wie eingangs erwähnt, setzt Wien stark auf seine IT-Unternehmen. Industrienahe Dienstleistungen basieren immer mehr auf IT-gestützten Systemen und Lösungen, daher forciert Wien diesen Bereich. Durch regelmäßig stattfindende Calls und das Business und Research Center neben dem Technikum am Höchstädtplatz werden die Unternehmen dieser Branche besonders unterstützt. Ich wünsche mir, dass Wien immer mehr zum Entwicklungszentrum der gesamten erweiterten Region wird - und damit beziehe ich besonders im Hinblick auf die EU-Erweiterung im Mai 2004 auch ganz bewusst unsere osteuropäischen Nachbarn mit ein.


Informationsquellen im Internet


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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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