Andreas Rösler-Schmidt
Eine kürzlich von Forrester Research durchgeführte Studie zeigt, dass sich die Ausgaben von Unternehmen für Speicherkapazität und Server zur Zeit noch im Verhältnis 50:50 aufteilen, dass aber in den nächsten Jahren - angesichts eines sich jährlich verdoppelnden Speicherbedarfs - mit einem Anstieg der Ausgaben für Speicherkapazität auf 75 Prozent zu rechnen ist. Bei Forrester ist man auch der Meinung, dass 70 Prozent dieser Ausgaben wiederum auf Storage Networking-Lösungen entfallen werden.
Laut IDC werden die Speicherausgaben von etwa 60 Milliarden Dollar im letzten Jahr auf 100 Milliarden Dollar im Jahr 2003 ansteigen. Dies entspricht einer zusammengesetzten jährlichen Wachstumsrate von mehr als 18 Prozent - einer Wachstumsrate, die dreimal so hoch ist wie bei Servern und wesentlich höher als die irgendeines anderen Hardwaresegments.
Da sich die Datenexplosion eher noch beschleunigt als verlangsamt, wird die Möglichkeit, Daten effektiv zu verwalten, zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Trends und Technologien
Storage-Experten erwarten, dass in nächster Zeit folgende Themen und Technologien eine verstärkte Rolle spielen werden: Storage Virtualization, IP Storage, SAN-Verwaltungssoftware, SAN-Dateisysteme, Policy-Based Automation.
Storage Virtualization - "Virtualisierung" bedeutet eine Trennung der logischen Speichersicht des Anwendungs-Servers vom physischen Speicher, der über zahlreiche Speicher-Server in einem heterogenen Speichernetzwerk verteilt ist. Der Sinn der Virtualisierung besteht darin, die Komplexität des physischen Netzwerks vor Anwendungs-Servern zu "verbergen", da sie nur die für sie erforderlichen logischen Datenträger kennen müssen. Speicher wird als abstrakte Schicht präsentiert - und virtuelle Speicherkapazität kann Servern unabhängig von der physischen Festplatte zugeordnet werden. Durch die Virtualisierung im Netzwerk wird aus Speicherressourcen ein allgemein verfügbarer Versorgungs-Pool. Firmen können Speicherkapazität hinzufügen, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die Verfügbarkeit hat - ein wesentlicher Einsparungsfaktor. Die Virtualisierung führt auch zu einer dramatischen Erhöhung des Speichervolumens, das ein einzelner Daten-Manager verwalten kann, ein wichtiger Punkt, wenn sowohl die Gesamtkosten (TCO - Total Cost of Ownership) als auch der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern zentrale Themen sind.
Nicht alle Hersteller folgen bedingungslos dem Virtualisierungs-Trend: "Virtualisierung hat sich vom reinem Buzz-Word zu einem heißen Thema entwickelt", anerkennt Robert Watson, Senior Vice President Sales & Service EMEA bei Hitachi Data Systems. "Aber wir sehen, dass noch ein weiter Weg in Richtung Standardisierung zu gehen ist." Einige Produkte lassen sich dementsprechend für Virtualisierung aufrüsten - wenn diese aus Hitachi-Sicht ausgereift ist.
IP Storage - Viele IT-Verantwortliche halten Speichernetzwerke für ein attraktives Konzept, möchten aber vorhandene IP-Netzwerk-Technologien für die Speicherverbindung nutzen. Beispielsweise würde für ein Unternehmen das Verteilen gespeicherter Daten an Zweigniederlassungen durch IP Storage erheblich erleichtert und wesentlich kosteneffektiver. Obwohl für den Transport großer Datenvolumen über das IP-Netzwerk eine Erweiterung der Netzwerkkapazität erforderlich werden kann, sind doch einige Firmen für die Vorstellung, das Internet für den Transport gespeicherter Daten zu nutzen, durchaus empfänglich.
Der Hauptvorteil besteht darin, dass IP Storage ihm die Möglichkeit gibt, dieselbe Technologie, dieselben Verwaltungs-Tools und dieselben Fachkenntnisse zu nutzen, die bereits bei der Implementierung von Internetanwendungen zum Einsatz kommen. IP ermöglicht - unabhängig vom jeweiligen Anwendungsbereich - die kosteneffektive Implementierung von Speichernetzwerken. Dank der Leistungssteigerung bei TCP/IP und ähnlichen Technologien wird dies in Zukunft für mehr und mehr Umgebungen eine realistische Option werden.
Speicherverwaltungssoftware - Während Speicherkapazitäten in das Netzwerk verlagert werden, gewinnt die Software zunehmend an Bedeutung, und dies wird auch in Zukunft der Fall sein. Die mit SANs (Storage Area Networks) verbundenen Vorteile - die Möglichkeit, die Speicherumgebung zu automatisieren, erhöhte Skalierbarkeit, erhöhte Verfügbarkeit durch Pool-Bildung - sind von der Qualität der Speicherverwaltungssoftware abhängig.
SAN-Dateisysteme - Beim Storage Networking sind verteilte Dateisysteme eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Gesamtkosten unter Kontrolle bleiben. Bei Ausweitung des Speichernetzwerkmodells bringen Dateisysteme, die für das verteilte Netzwerkdatenmodell optimiert sind, erhebliche Vorteile. Für NAS (Network Attached Storage), das bereits auf Dateien basiert, benötigt man höhere Skalierbarkeit und größere geographische Verteilung.
Für blockbasierte SANs benötigt man ein Dateisystem, mit dem Daten verschoben, gesichert und verwaltet werden können, sodass die durch SANs ermöglichte erweiterte Konnektivität genutzt werden kann. Bei optimaler Nutzung verringern diese Dateisysteme die Komplexität, steigern die Leistung und ermöglichen neue Anwendungen. Bei zunehmender Annäherung der betreffenden Technologien wird keine klare Unterscheidung zwischen SAN und NAS mehr möglich sein, und ein äußerst zuverlässiges SAN-Dateisystem ist eine notwendige Voraussetzung für diese Annäherung.
Policy-Based Automation - "Policy-Based Automation" als Teil des Speicherverwaltungskonzepts ermöglicht IT-Managern die weitgehend automatisierte Verwaltung ihrer Speicherressourcen. Vorgegebene Richtlinien ("Policies") für Lastausgleich (Load Balancing), Datenmigration, Hinzufügen von Speicherkapazität usw. ermöglichen Unternehmen eine verbesserte strategische Steuerung ihrer Speicherressourcen und Daten, sodass die Verwaltung der Speicherressourcen besser mit ihren Unternehmensabläufen und Prioritäten in Einklang gebracht werden kann.
Vor allem müssen die Richtlinien selbst auf unternehmerischen Überlegungen basieren, das heißt, es ist günstiger, die Speicherverwaltung nach unternehmerischen Gesichtspunkten zu organisieren, als eine zusätzliche Technologieebene zu schaffen, die von hochbezahlten Fachkräften verwaltet werden muss. Die große Herausforderung besteht darin, Wege zu finden, um ständig wachsende Datenvolumen kosteneffektiv und weniger personalintensiv gemeinsam zu nutzen und zu verwalten.
Durch autonome Speicherlösungen könnte sich ein ganzes Speichersystem - Einheiten, Netzwerke, Datenobjekte und Verwaltungssoftware - auf der Basis zuvor festgelegter Unternehmensziele und -richtlinien selbst verwalten, ohne dass dafür ein Heer von Experten erforderlich wäre. Die Vorteile sind in zwei Bereichen zu sehen. Im Hinblick auf die Gesamtkosten lässt sich sagen, dass das Speichervolumen, das von einem einzelnen Speicheradministrator verwalten werden kann, von bisher ein oder zwei Terabyte auf ein Petabyte oder mehr ansteigen wird.
Einen weiteren wichtigen Vorteil sehen die Verfechter autonomer Speicherlösungen darin, dass Nutzer in der Lage sein werden, ihre Speicherziele im Hinblick auf Leistung, Verfügbarkeit, Nutzbarkeit und Sicherheit zu erreichen, da Planung und Implementierung der damit verbundenen Aufgaben stark vereinfacht werden. Wie weit die von IBM, HP und Co. gepredigten autonomen Speicherlösungen sich durchsetzen werden, wird sich erst zeigen.




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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 