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Strategien

Interview mit Wilfried Pruschak, Raiffeisen Informatik Zentrum

Outsourcing-Projekte als Vorbild für Europa

Wilfried Pruschak, Raiffeisen Informatik Zentrum Geschäftsführer, gibt Auskunft über Outsourcing in Österreich, welche Nachbarländer von der LKW-Maut in Österreich lernen könnten und weshalb man sich auf die Großen beschränkt.

Andreas Roesler-Schmidt

Wie positionieren Sie sich am IT-Service-Markt?

Seit drei Jahren bieten wir unsere neutralen IT-Services, die also keinen spezifischen Bezug zum Bankensektor haben, auch auf dem Markt an. Das hatte auch den Zweck, Skaleneffekte zu bringen, da wir ja als Hochsicherheitsrechenzentrum sehr investitionsintensive Infrastrukturmaßnahmen setzen müssen. Wir wollten unsere Services auch jenen Unternehmen zu Verfügung stellen, die in einer sehr erfolgskritischen Weise von der IT abhängig sind. In diese Situation kommen immer mehr Branchen. Wir sind jetzt die Nummer Drei am österreichischen IT-Services-Markt, wobei wir auch der einzige österreichische Anbieter sind, der sich gegen die starken internationalen Unternehmen behaupten kann. Nur Siemens und IBM liegen im IT-Service Umsatz vor uns. Ich glaube, dass trotz Globalisierung auch der Bedarf nach einem starken Informatikhaus, das die Spezifika des österreichischen Markts abdeckt, gegeben ist.

Was sind Ihre derzeit wichtigsten Erfolge?

Wir konnten trotz großer Konkurrenz am österreichischen Markt interessante große Ausschreibungen gewinnen. Bei der Uniqa haben wir die gesamte IT, Netzwerk- und Telefonieinfrastruktur im Outsourcing übernommen. Das war heuer einer der größten Outsourcing-Aufträge, über den wir uns sehr freuen.

Ein weiteres prominentes Projekt: Die gesamte zentrale IT für das österreichische LKW-Maut-System wird durch uns errichtet und betrieben. Das hat auch das Potential, weitere Kreise in Europa zu ziehen. Es dürften einige Länder interessiert darauf schauen, da wir sowohl Zeit- als auch budgetmäßig sehr gut liegen.

Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten dort, interessieren Sie sich für Deutschland?

Deutschland ist sicher von Interesse. Ein System wie es in Österreich errichtet wird, hat sowohl von der Konzeption und Architektur als auch von der eingesetzten Technologie her das Potential, auch in Deutschland zum Tragen zu kommen. Wir haben hier einen sehr pragmatischen Weg. Man nimmt viele Technologie-Risken heraus, was sich bei einem komplexen Projekt bewährt. Uns kommt die Erfahrung mit transaktionsintensiven Systemen zugute. Unsere Erfahrungen aus dem Bankenwesen und aus der ISP- und Telco-Abrechnung waren hier sehr hilfreich.

Outsourcing wird noch immer meist als "Kostenkiller" verstanden. Wie sehen Sie das?

Es wäre zu trivial, Outsourcing als reinen Kostenkiller zu sehen. Outsourcing-Projekte, die nur die Kosteneinsparung im Auge haben, sind auch oft kritisch. Es sollten mehrere Faktoren Unternehmen zum Outsourcing bewegen: Wichtig ist es, sich neue strategische Optionen zu ermöglichen. Entweder indem man Bestehendes jemanden überträgt, wo langfristig gesichert ist, dass derjenige das machen kann, oder indem man eine Verbreiterung der Services bekommt und man nicht nur von einzelnen (internen) Leistungsträgern abhängig ist, oder um Ressourcen frei zu bekommen für neue offensive Themen. Man muss es von der reinen Kostenbetrachtung loslösen. Die gehört dazu, ist aber nur ein Baustein für den Erfolg.

Sieht der Markt das auch?

Unsere Zielgruppe sind die Top 500 nach IT-Ausgaben. Bei denen ist nämlich die Abhängigkeit von IT offensichtlich. Hier ist das Bewusstsein, dass man IT als Service beziehen kann, schon gereift. Früher war das Besitzdenken in der IT viel stärker ausgeprägt.

Wie so viele konzentrieren Sie sich auf den eingegrenzten Markt der Top 500 - Warum nicht auch eine Größenordnung darunter?

Wir haben unsere Kernkompetenz beim unterbrechungsfreien Betrieb von großen transaktionsorientierten Systemen. Diese mächtigen Systeme gibt es in der KMU-Welt nicht. Der Anspruch in Richtung Katastrophenschutz und extrem hohe Security ist noch nicht so hoch. Außerdem geht es um Skaleneffekte. Wir waren schon im Eigenbedarf großvolumig, daher stellen wir diese Kompetenz auch anderen zu Verfügung. Die Geschäftsprozesse sind bei KMUs nicht so arbeitsteilig, daher ist das Auslagern auch schwieriger.

http://www.rizit.at

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MONITOR-Autoren
Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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