Rüdiger Maier
Leonard J. Brody (Autor des Bestsellers "Innovation Nation") ist erfolgreicher kanadischer e-business-Jungunternehmer und reist als Hochtechnologie-Botschafter rund um die Welt: "Ich bin begeisterter Kanadier, wohne in Vancouver und will über die gewaltigen Fortschritte Kanadas am Weg zu einem Hochtechnologie-Land berichten."
Brody kam auf Einladung der kanadischen Botschaft und von Cognos kürzlich auch erstmals nach Wien. Er ist heute Chefstratege von Ipreo, und hatte vorher riesigen Erfolg beim Aufbau von Onvia Canada und schließlich dem Verkauf dieses größten e-Marktplatzes für kleine Unternehmen an Bell Actimedia. Aber auch er musste zu seinen beruflichen Anfangszeiten - vor etwa 15 Jahren - zur Geldbeschaffung in die USA. Dort habe man dem Start-Up wesentlich mehr Geld für eine deutlich geringere Beteiligung am Unternehmen geboten. Und damit ging es ihm wie vielen Kanadiern damals: Sie mussten in die USA gehen, um mit neuen Ideen beruflich erfolgreich zu sein. Aber vor zehn Jahren sei dann ein deutlicher Schwenk erfolgt: Kanada habe erkannt, dass es eine jungen Talente fördern und auch genug Venture Capital anziehen müsse. Inzwischen wohnt Brody wieder im kanadischen Vancouver und verbreitet beeindruckende Zahlen über Kanada in der ganzen Welt:
- Nr. 2 weltweit in Bezug auf die technologische Infrastruktur
- Nr. 1 in Breitband-Nutzung in Nordamerika
- Nr. 1 weltweit bei e-government
Dazu kämen dann noch wettbewerbsfähige Arbeitskosten, Steuervorteile für Unternehmen, Förderungen für Jungunternehmer, Große Offenheit für neue Ideen etc. Interessantes Detail am Rande: Zur Jahrtausendwende 2000 habe Kanada kein Monster-Bauprojekt durchgezogen, sondern 2.000 neue Stellen in der Hochtechnologieforschung eingerichtet. Ein Milleniums-Projekt mit Weitsicht!
Kanada: Verdichtete Technologie
Gleich nach unserer Tour zu den Niagara-Fällen - die von sehr europäisch geprägten Weinbaugebieten umgeben sind - werden wir im Technologie-Zentrum Waterloo mit Überraschendem konfrontiert: Gibt es hier doch das außerhalb Münchens größte Oktoberfest. Anders als in München beginnt es aber wirklich erst im Oktober, daher sind wir zu früh dran. Mag. Nicole Mothes, Investment-Analyst der kanadischen Botschaft in Wien, hat das Programm für unsere IT-Mission sehr dicht und interessant konzipiert. Linda L. Fegan, Marketing Managerin von Kanadas Technology Triangle (Region of Waterloo sowie die Städte Cambridge, Kitchener und Waterloo) gibt uns bei unserer erste Station eine Einführung in eine von Kanadas raschest wachsenden Wirtschaftsregionen. Die Universität von Waterloo, die Wilfrid Laurier Universität und das Conestoga College bilden ein Technologie-Ausbildungs-Triumvirat mit unterschiedlichen Schwerpunkten, das zu den besten der Welt zählt. Beim Treffen mit Vertretern der Ausbildungsinstitutionen spüren wir die typische Begeisterung für die Weiterentwicklung der Region, mögliche Kooperationen mit Österreich und den internationalen Erfahrungsaustausch.
Kürzlich wurde in Waterloo ein Wissenschafts- und Technologie-Park eröffnet, der 6.000 Jobs bringen soll. Das wurde auch deswegen notwenig, da ein Viertel der Absolventen der Jungunternehmer-Schulungen vor Ort auch wirklich eine Firma eröffnen. Die Universität von Waterloo ist bei Unternehmens-Ausgründungen führend: Auf die gesamte Region bezogen stammt die Hälfte der universitären Spin-offs von hier. Besonders herausragend entwickelt hat sich an dieser Uni die Mathematik-Abteilung, die weltweit renommiert ist. Die Wilfrid Laurier Universität wiederum konzentriert sich ganz auf die Wirtschaftsausbildung. Die etwa 100 Professoren suchen die Verbindung der akademischen Ausbildung mit dem Unternehmertum, wodurch auch die Abwanderung der Absolventen nach den USA gestoppt werden konnte. Solange man in einem von der Universität ausgehenden Unternehmen auch Forschung betreibt, erhält man großzügige Förderungen der öffentlichen Hand. Angezogen durch den hervorragenden Ruf der Universitäten investieren große kanadische Unternehmen wie Nortel hier viel Geld.
Ein Vorzeigeunternehmen der Region ist RIM (Research in Motion). Das Unternehmen startete 1984 und entwickelte sich schnell zu einem der führenden Anbieter von drahtlosen Kommunikationsprodukten. Derzeit läuft die Produktion des vielfach ausgezeichneten tragbaren BlackBerry, der die mobile e-mail-Versorgung in Nordamerika revolutionierte. Die beeindruckenden und modernen Produktionsanlagen - die Leiterplatten kommen von AT&S aus Österreich - sind gut ausgelastet, Besucherströme aus aller Welt besuchen das junge Unternehmen. Und es dient wiederum als Motivator für andere Jungunternehmer.
Erfahrungs-Bericht
Positive Erfahrungen mit Kanadas Unterstützung für Hochtechnologie-Entwicklungen hat auch der Österreicher Dr. Peter Ertl (Rapid Laboratory Microsystems Inc., Kitchener, Ontario, Kanada) gemacht, der nach seinem Studium der Biotechnologie an der Wiener Universität für Bodenkultur an der Laurier-Universität eine Post-Graduate-Ausbildung absolvierte. Er spricht etwas wie Arnold Schwarzenegger oder Frank Stronach, und auch ihm eröffnete sich hier ein Tor zum Erfolg. Nach einem weiteren Studien-Aufenthalt in den USA habe er in Österreich keinen adäquaten Job gefunden, sei wieder nach Kanada zurückgekehrt, um seine Produkt-Idee hier zu verwirklichen. Dabei handelt es sich um ein Testgerät für Antibiotika-Resistenz: "Der heutige Test dauert zwei Tage, unserer beansprucht nur eine halbe Stunde. Das kann im Hinblick auf die Gesundheit des Patienten lebensrettend sein", weiß Ertl. Das Patent auf seine Idee wollten ihm schon zwei Pharma-Multis abkaufen, aber er will das Produkt zur Marktreife entwickeln: "Die Interessenten erläuterten mir, dass sie das Patent einfach aus dem Markt herauskaufen wollten, um es in ihren Tresoren zu verstecken. Das wollte ich aber auf keinen Fall, da gibt es für mich eine ethische Schranke, weil ich kranken Menschen helfen will", zeigt Ertl Mut.
Die Beurteilungen der Produktidee fielen alle sehr gut aus, ein Entwicklungsplan für fünf Jahre wurde erstellt. Für das erste Jahr sammelte das ihm zur Verfügung gestellte Team Gelder von privaten Sponsoren: "In der Region leben viele Menschen, die auch mit guten Ideen reich geworden sind. Und die geben gerne Geld für neue Ideen, auch wenn sie wissen, dass die Entwicklung ein sehr hohes Risiko beinhaltet." Trotz des hohen Risikos - das gerade im Biotechnologie-Markt praktisch immer gegeben ist - könne er dank der in Kanada geltenden Regelungen gut schlafen. Wenn hier jemand mit einer neuen Idee scheitert, hat er davon keine negativen Konsequenzen zu erwarten. "Das ist ein großer Unterschied zu Österreich, wo man nach dem Scheitern einer Idee sowohl finanziell wie auch gesellschaftlich gebrandmarkt ist und meist keine zweite Chance erhält", weiß Ertl. Hier dagegen gäbe es viele Menschen, die erst nach mehreren Anläufen erfolgreich gewesen und die für diese Unterstützung auch sehr dankbar seien. Daraus entwickle sich der wahre "Unternehmer-Geist", der in der Alpenrepublik leider noch fehle. Ertl ist inzwischen mit einer Kanadierin verheiratet: "Ich möchte aber doch sehr gerne wieder nach Österreich zurück, wenn ich mein Produkt fertig entwickelt habe. Ich hoffe nur, dann auch entsprechende Möglichkeiten vorzufinden!"
(Im Teil 2 lesen Sie mehr über die IT-Standorte Toronto und Montreal.)
Nortel: Optimismus nach der Krise
Ein Drittel dieser Mitarbeiter weltweit sind Ingenieure, Designer und Wissenschaftler. In Österreich sei nun sogar eine Aufstockung der 20 Personen (zu Spitzenzeiten waren es 50) umfassenden Mannschaft geplant. Haupt-Vertriebskanal hierzulande ist Kapsch, die vor allem sehr große Geschäfte abwickeln und mit denen man auch gemeinsame Entwicklungen durchführe. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich auch in den Osten, nach Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn: Besondere Investments sind derzeit vor allem für Tschechien und Ungarn geplant, so Hegemann.
Im Osten und in den neuen EU-Beitrittsländern konzentriere man sich vor allem auf Call-Back-Unternehmen sowie Energieversorger. Hier sei die Integration sehr wichtig, nur modernste Technologien kämen zum Zug. Dem Drang der österreichischen und deutschen Telekom-Carrier in den Osten folge man natürlich, wobei man allerdings sehe, dass vor allem die alternativen Carrier ihre Geschäftspläne reduzieren mussten. Anders sei das aber beim Thema UMTS: "Hier gibt es klare Zeitpläne für die Ausbaustufen, die eingehalten werden müssen. Daher werden die Geschäftspläne in diesem Bereich nicht reduziert". Es werde allerdings bei UMTS auch keinen großen Launch geben, sondern fortdauernde Überzeugungsarbeit von Projekt zu Projekt.
Stagnierend sei auch weiter das direkte Business-Geschäft, das etwa zu einem Viertel zum geplanten Konzern-Umsatz von heuer 10 Mrd. US-Dollar beitrage. Hier sei der größte Konkurrent Cisco, dessen Produkte teils schon direkt in Ausschreibungen vorgeschrieben würden. Ansonsten seien die größten Konkurrenten Siemens und Alcatel, bei drahtloser Kommunikation auch Nokia. "Im Bereich Voice over IP sind wir aber klarer Marktführer", so Hegemann selbstbewusst.
Man sei stolz, dass in der Krise keine Kunden abgesprungen seien: "Wir haben auch in der kritischen Phase immer Qualität geliefert und konnten damit die Kunden halten!" Im Bereich "Unternehmenskunden" gelte es, eine ähnliche Marketing-Maschinerie wie Cisco aufzuziehen, bei der drahtlosen Kommunikation seien vor allem neue Lösungen gefragt. Gleichzeitig müssten Stärken wie Voice over IP weiter ausgebaut werden. Klar sei auch das Profil als Technologie- und Produkt-Anbieter, die Integration erfolge durch Partner. Im Zuge der Europäisierungswelle suche man derzeit in Ungarn und Tschechien neue Partner, in Budapest und Prag entstünden eigene Büros: "Österreich bleibt für uns aber auf jeden Fall ein zentraler Brückenkopf nach EMEA!"




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 