Andreas Roesler-Schmidt
Zugegeben, ich besitze für meinen schon etwas angestaubten Clie 770 eine (übrigens geniale) Falt-Tastatur von Targus/Stoaway. Die nehme ich aber nur auf Reisen mit, wenn ich damit E-Mails schreiben und längere Texte erfassen will. Dann - und nur dann - falte ich sie auf und verfüge damit am PDA sogar über größere Tasten (nämlich 1:1 zur Desktop Tastatur) als am Laptop. Im Alltagseinsatz hingegen halte ich die Stifteingabe für unübertroffen und die Falttastatur bleibt neben dem Reiserasierer im Schrank.
Und ausgerechnet ich war auf ersten Blick fasziniert von einem Gerät, das im Klappdesign und mit fest eingebauter Tastatur kommt, also mit - von Windows CE abgesehen - allem was ich an PDAs nicht mag? Sonys neuester Clie UX-50 hat mich sofort begeistert. Das Design ist absolut beeindruckend. Und trotz Klappdesign und Tastatur entspricht das Gerät in Größe und Gewicht noch dem; was ich für tragbar halte bzw. es spielt in derselben Größenliga wie nicht klappbare klassische PDAs. Und es enthält dabei alles; was ich schon länger in einem einzigen Palm-Gerät suche: Bluetooth, Wireless LAN, MemoryStick-Slot, ausreichend Speicher und Palm OS 5. (Ich kann ja eine Zeit lang mit älterer Software leben, aber eben doch nicht ewig.) Die beiden Funktechnologien machen das Gerät zusammen mit einem hervorragendem Webbrowser, dem E-Mail-Client, der mit zahlreichen Anwendungen verknüpft ist, und der Tastatur zum perfekten Kommunikations-Gadget. (Beinahe hätte ich gesagt "Communicator" - aber der kommt ja von einem finnischen Hersteller mit einem unglücklichen Händchen für Displays. Aber das führt jetzt zu weit.)
Ja, ich gebe es zu: Die Tastatur ist hier sinnvoll. Dass ich sie aber am PDA "akzeptiere", liegt ausschließlich daran, dass ich sie hier nicht benützen muss, da sich das Display ähnlich wie bei einem Tablet PC (nur in einer vernünftigeren Größenkategorie) so verdrehen lässt, dass man beinahe über einen herkömmlichen "Nur-Stift"-PDA verfügt. Beinahe - denn der UX 50 läuft dann im Breitbildformat. Das ist im Tastaturmodus z.B. beim Webbrowser und im E-Mail-Programm toll, aber im reinen Stiftmodus wird das Gerät "unbeschreibbar" schlecht. Das Graffiti-Eingabefeld befindet sich dann links (oder rechts) vom Geschehen. Man kann den PDA so nicht vernünftig halten und mit der Hand schreiben. Das Breitbildformat unterstützen außerdem zurzeit nicht einmal alle der mitgelieferten Sony-Programme. Bis die zahlreichen Shareware-Programme, die mir ans Herz gewachsen sind, auch in dem Format erhältlich sind, kann noch viel Zeit vergehen. Viel wichtiger aber: Für die Benützung mit dem Stift ist nun einmal das Hochformat besser geeignet, gerade wenn man unterwegs schnell einen Termin eintragen oder nachschlagen will.
Während ich sonst sehr schnell weiß, ob ich ein Gerät mag oder nicht, habe ich beim UX-50 etwas länger gebraucht, um zu dem Schluss zu kommen: Eigentlich schon, aber verwenden will ich ihn trotzdem nicht. Da hoffe ich nämlich auf einen baldigen Nachfolger, der genau den einzigen großen Fehler nicht mehr hat und dessen Display sich auch hochkant benützen lässt. Dann noch die Palm-üblichen Anwendungstasten unterhalb des Displays und es wäre ein Gerät, das ich gerne in meinem Alltag benützte - einen gutes Stück davon, vor allem beim Mailen & Surfen, sogar mit der Tastatur.




7/2011
6/2011
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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 