Dominik Troger
"Die Unternehmen wollen in Sachen IT nur mehr einen Ansprechpartner haben", ist Abolhassan überzeugt - und aus seiner Sicht ist es selbstverständlich, dass dieser Ansprechpartner IDS Scheer heißen soll. Das Unternehmen, das schon vor zwei Jahrzehnten als Spezialist für Geschäftsprozesssteuerung gestartet ist, hat sich deshalb in den letzten Monaten durch Firmenzukäufe verstärkt. Sowohl bei der französischen Group Expert als auch bei den übernommenen Teilbereichen der Plaut AG handelt es sich um Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen im SAP-Umfeld. Plaut steuerte seine Mittel- und Osteuropageschäft bei, sowie seinen nordamerikanischen "Ableger".
Für den österreichischen Markt wird sich mit der Übernahme nicht allzu viel verändern. Gemäß dem Motto "Never change a winnig team", werden in Österreich im wesentlichen die Plaut-Strukturen weitergenutzt, auch von der personellen Seite. Dr. Ferri Abolhassan ist dieser gemeinsame "Aufbau" ein wichtiges Anliegen. Es geht ihm um den gegenseitigen Wissens-Austausch, um ein Zusammenwachsen - und er freut sich, dass sich das schon "nach einem Monat sehr gut anlässt" und die Planzahlen erreicht wurden.
Die Übernahmen bedeuten für IDS Scheer aber mehr als eine "regionale Komplettierung" wie Dr. Ferri Abolhassan betont. Sie öffnen für das Unternehmen den Zugang zu neuen Märkten und Kunden (wie die mittelständische Wirtschaft) und zu neuem Know-how. Schließlich sollen die Kunden auch die IT bekommen, die sie benötigen - so wie ein Architekt dabei hilft "das Haus zu bauen, das zu einem passt".
"Der Spruch ‚ich möchte etwas in meinem Unternehmen verändern und deshalb führe ich SAP ein', gilt so nicht mehr", ist Abolhassan überzeugt. "Vor diesem Hintergrund wird die ganzheitliche Betrachtung von Unternehmensprozessen immer wichtiger - auch für den Mittelstand". Dieser Prozessgedanke hat sich im Laufe der Jahre von einer innerbetrieblichen oder abteilungsspezifischen Sicht (etwa Fertigung, Logistik) inzwischen auf das ganze Unternehmen und weiter auf die Prozesse zwischen Unternehmen übertragen. Und hier biete sich IDS Scheer mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung in diesem Bereich eine optimale Ausgangsbasis.
Was weitere mögliche Akquisitionen betrifft, halten sich Vorsicht und Entschlussfreudigkeit die Waage: Zwar sei die Übernahme von Group Expert und Plaut ein wenig "eng" hintereinander erfolgt und jetzt eigentlich "Konsolidierung" angesagt, aber man dürfe gute Chancen nicht "verschlafen". Bei den nächsten Zielen, nämlich dem Markteintritt in Russland und China, sowie einem Umsatzwachstum 2006 auf 400 Mio. Euro (derzeit inkl. Übernahmen rund 280 Mio.) bei bis zu 6000 Mitabeitern (derzeit rund 2100) sicher eine Grundvoraussetzung. Eine sehr wichtige Rolle spiele dabei auch der nordamerikanische Mark für IDS Scheer, so Abolhassan. Der jüngste Millionenauftrag, die Geschäftsprozesse der US Army zu optimieren, unterstreiche das nur.
Bleibt abschließend noch die Frage nach dem (Nahe-)Verhältnis zu SAP. "Durch SAP sind wir wahrscheinlich schneller gewachsen. Das ist eine Allianz, die gut und notwendig ist, aber ohne Abhängigkeiten", betont er. "SAP sieht unsere Marktführerschaft im Prozessmanagement." Aber neben SAP pflege man auch gute Beziehungen zu anderen Herstellern.




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 