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Wirtschaft

Made in Austria - Teil 6

IT in den Bundesländern: Oberösterreich

Eine völlig neue Software für das persönliche Wissensmanagement entwickelt die Firma MindBreeze mit ihrem Produkt Synopsis. Das Unternehmen hat seinen Sitz im Linzer TechCenter und wird dort im Rahmen des High-Tech-Inkubator tech2b gefördert. Nicht nur auf diese Weise versucht das Land Oberösterreich, junge und innovative IT-Unternehmen schon in der Anfangsphase zu unterstützen und für optimale Rahmenbedingungen zu sorgen.

Christian Henner-Fehr

Fragt man Andreas Wintersteiger, einen der beiden Gründer des Unternehmens nach seinen Erfahrungen mit tech2b, hört man nur Lob aus seinem Mund. Das noch sehr junge Unternehmen sieht sich im TechCenter gut aufgehoben. "Es war genau das, was wir gesucht haben", beschreibt Wintersteiger die Ausgangssituation. "Wir haben unsere Computer angesteckt und zu arbeiten angefangen."

Seit Jahresbeginn profitiert das Unternehmen von den Annehmlichkeiten, die der Inkubator ihnen bietet. Es gebe Unterstützung von vielen Seiten und so entstehe sehr schnell ein Netzwerk, auf das man in der Zukunft bauen könne, beschreibt Wintersteiger die positiven Erfahrungen der letzten Monate. Bis Ende des Jahres werden sie noch vom tech2b-Team betreut, aber, so Wintersteiger, "wir können auch danach im selben Gebäude bleiben". Und bleiben wollen sie, denn die Voraussetzungen für Unternehmensgründer sind nach Ansicht Wintersteigers ideal. Auch das Land selbst bemühe sich um Kontakt zu den Jungunternehmern. So sei Wirtschaftslandesrat Josef Fill dreimal persönlich bei ihnen gewesen, ein Zeichen dafür, so Wintersteiger, dass die Landesregierung Unternehmensgründer ernst nehme.

Derzeit bereite man sich darauf vor, Synopsis auf den Markt zu bringen. Für Andreas Wintersteiger liegt der Unterschied zwischen den großen Anbietern von Wissensmanagementsoftware und dem eigenen Unternehmen darin, "dass wir uns auf das Wissen des Einzelnen konzentrieren und dabei ein Produkt anbieten, das trotz umfangreicher Gruppenfunktionalität ohne aufwändige Installation und Administration auskommt." Einfach installieren und unmittelbar profitieren, laute die Devise, bringt Wintersteiger den Vorteil des Produkts auf den Punkt. So wächst unter den Fittichen des Inkubators ein Produkt heran, das dem typischen PC-Benutzer ein Wissensportal in die Hand gibt, mit dem er einfachen Zugang zum eigenen Wissen und dem seiner Kollegen hat. MindBreeze ist eines von derzeit fünf Projekten, die im Rahmen von tech2b betreut werden. "In der weiteren Phase sollen es aber sechs bis zehn Unternehmen sein, die wir unterstützen", so Alwin Pichler, Geschäftsführer des Inkubators. Seine Aufgabe ist es, sich aktiv auf die Suche nach interessanten Projekten zu machen. "Derzeit kommen nicht viele von sich aus", so Pichler, der das vor allem auf die unsichere Lage in den High-Tech-Branchen zurückführt. "Unsere Klientel kommt hauptsächlich aus dem akademischen Bereich", beschreibt Pichler die Zielgruppe. Vor allem Studenten der Johannes Kepler Universität sollen von dem Inkubator profitieren, schließlich unterstützt die Universität tech2b, damit das an der Uni erarbeitete Know-how nicht verloren geht, sondern vor Ort genutzt werden kann.

Hagenberg als Symbiose von Wirtschaft, Forschung und Ausbildung

Rund 25 Kilometer von Linz entfernt präsentiert sich mit dem Softwarepark Hagenberg ein Highlight oberösterreichischer Ansiedelungspolitik. Den Erfolg hat der Park vor allem einem Mann zu verdanken. Professor Bruno Buchberger hat nicht nur den Park gegründet, sondern ihn auch in den Aufbaujahren mit viel Engagement geleitet. Der damalige Leiter des Forschungsinstituts RISC (Research Institute for Symbolic Computation) stand dem Park bis 1999 vor, aber als Vorsitzender des Steering Board ist er ihm noch immer eng verbunden.

Heute lenkt Peter Berner als Softwarepark Manager die Geschicke von Hagenberg. Ihm geht es nicht darum, einfach nur Unternehmen anzusiedeln, sondern diejenigen, die sich in Hagenberg niederlassen, auch zur Zusammenarbeit anzuhalten. "Unser Erfolg basiert wohl auf der Symbiose von Wirtschaft, Forschung und Ausbildung", ist Berner überzeugt und verweist vor allem auf das breite Ausbildungsspektrum, das Hagenberg anzubieten hat. Die ganze akademische Laufbahn lässt sich in Hagenberg mittlerweile durchlaufen. Wer das Bundesoberstufen-Realgymnasium erfolgreich absolviert, kann sich für verschiedene FH-Studiengänge, ein Universitäts-Diplomstudium oder ein internationales Doktoratsstudium entscheiden. "Über Praktika lassen sich", so Berner, "schon in der Ausbildungsphase Kontakte zu den Unternehmen knüpfen. Oft finden die Absolventen dann sofort einen Arbeitsplatz. Natürlich möchten wir aber auch Unternehmensgründungen unterstützen." Gut möglich, dass es schon bald eine tech2b-Außenstelle in Hagenberg geben wird.

Um den Softwarepark weiter auf der Erfolgsspur zu halten, ist Berner auch ständig darum bemüht, Hagenberg nach außen zu positionieren. Der Bekanntheitsgrad der Marke Hagenberg ist Beleg dafür, dass ihm das gut gelingt. Auch wenn er den Softwarepark auswärts vertritt, geht es ihm doch immer um die Einrichtungen und Unternehmen, die zum Erfolg beitragen. "Natürlich wollen wir die Eigenidentität der Firmen nicht hintanstellen und den Unternehmen zum Erfolg verhelfen", so Berner. Kleinere Unternehmen beispielsweise trauen sich oft nicht an größere Aufträge heran. "Wir versuchen dann, ein Konsortium zusammen zu stellen und so dafür zu sorgen, dass ein Auftrag nach Hagenberg vergeben wird." Maßnahmen wie etwa ein regelmäßiger Jour Fixe lassen durchaus so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. "Häufig kommt man erst im Gespräch darauf, was man mit anderen machen kann", weist Berner auf die Bedeutung von Gesprächsangeboten hin. Der Softwarepark wird in den nächsten Jahren noch kräftig wachsen. "Im Moment sind wir zwar voll belegt", erklärt Berner, aber ab Mitte des nächsten Jahres stehe dann wieder Platz zur Verfügung. Mit dem Ausbildungs- und Forschungsbereich ist Berner ganz zufrieden, weitere Unternehmen möchte er aber noch gerne ansiedeln. "Als FH- oder Forschungsstandort sind wir mittlerweile ziemlich bekannt, als Unternehmensstandort und einheitlicher IT-Dienstleister eher noch nicht", sieht Berner hier seine zukünftigen Aufgaben.

Clusterland Oberösterreich

Ob tech2b oder der Softwarepark in Hagenberg, alle Einrichtungen sind Teil einer Strategie, die Oberösterreich auf die Zukunft vorbereiten soll. Zu dieser Strategie gehören auch die Cluster. Auf der Basis des "Strategischen Programms Oberösterreich 2000+" betreibt Oberösterreich seit 1998 eine cluster-orientierte Wirtschafts- und Technologiepolitik. Damit möchten die politisch Verantwortlichen auf der einen Seite die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Oberösterreich stärken. Auf der anderen Seite gilt es aber auch, die Innovationsfähigkeit der Unternehmen durch kooperative Zusammenarbeit im Netzwerk zu stärken. Für die Umsetzung des Programms wurde der oberösterreichische Zukunftsfond eingerichtet, der über fünf Jahre hinweg insgesamt 1 Mrd. ATS zur Verfügung stellt.

Das neueste Netzwerk bildet der Mechatronik-Cluster, der mit Jahresbeginn seine Arbeit aufgenommen hat. 100 Partnerunternehmen gehören dem Cluster bereits an und vor kurzem wurde mit dem ersten Kooperationsprojekt begonnen. Das Thema dabei: Innovatives Informations- und Wissensmanagement im Maschinenbau. "Die Sicherung und Nutzung von Mitarbeiter-Know-how wird für den Maschinen- und Anlagenbauer als Wettbewerbsfaktor immer bedeutender. Ähnlich wie der Materialfluss muss auch der Informationsfluss bereichsübergreifend sichergestellt sein", beschreibt Cluster-Manager Christian Weinberger die Bedeutung dieses Projekts.

Ebenfalls aus dem "Strategischen Programm" heraus ist das Technologienetzwerk Oberösterreich entstanden. Die gesamte Technologieinfrastruktur ist in diesem Netzwerk zusammengeschlossen und versucht auf diese Weise, die Innovationskraft Oberösterreichs zu stärken. Zusammengeschlossen sind im Technologienetzwerk Einrichtungen aus dem Forschungs- und Infrastrukturbereich, Technologie- und Gründerzentren, regionale Entwicklungsgesellschaften und Aus- und Weiterbildungseinrichtungen so wie Beratungsunternehmen. Das Land hat also ein engmaschiges Netz geknüpft, um High-Tech in Oberösterreich möglich zu machen. Dass so etwas viel Geld kostet, ist klar. Stolz kann man in Oberösterreich aber darauf verweisen, dass das Bundesland seit letztem Jahr schuldenfrei ist. Die Perspektiven für den IT-Standort Oberösterreich sind also ausgezeichnet.


"Als Innovations- und Technologiestandort weiter etablieren"

Die MONITOR Serie "IT in den Bundesländern" ist diesmal in Oberösterreich zu Gast. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer beschreibt im Gespräch den hohen Stellenwert der IT-Wirtschaft für dieses Bundesland und die darauf fußenden Zukunftspläne.

Durch die zahlreichen Rückschläge in den letzten Monaten hat das Renomee der IT-Branche zwar etwas gelitten, trotzdem gilt die Branche als äußerst zukunftsträchtig. Welche Bedeutung hat diese Branche für Ihr Bundesland?

De IT-Branche hat für den Wirtschafts- und Ausbildungsstandort Oberösterreich eine hohe Bedeutung und stellt nicht nur einen eigenen Wirtschaftszweig, sondern eine unverzichtbare Querschnittsmaterie dar.

Ohne IT wäre unser modernes Leben in der gegenwärtigen Form nicht mehr bestreitbar. Das beginnt mit den neuen Kommunikationsmitteln, die für kaum jemanden mehr wegzudenken sind und führt über neueste Designtechnologien zur Automatisierungs- und Steuerungstechnik, die im Mechatronik-Land Oberösterreich unverzichtbar geworden sind.

Die Firma FabaSoft und die Firma KEBA sind nur zwei Beispiele für die zahlreichen IT-Unternehmen in Oberösterreich. Der international anerkannte Softwarepark Hagenberg stellt eine optimale Kombination von Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft dar.

Was hat das Land Oberösterreich in den letzten Jahren getan, um für IT-Unternehmen günstige Rahmenbedingungen zu schaffen?

Das Land Oberösterreich hat als herausragendsten Vorteil ein gut ausgebautes Bildungsangebot und damit auch ausgezeichnete Mitarbeiter in dieser Branche zu bieten. Das beginnt bereits in den Volksschulen, die wie alle oberösterreichischen Schulen über den sogenannten Education Highway über Internet-Anschlüsse verfügen. An Gymnasien, Handelsakademien, Berufsschulen und HTLs gibt es IT-Schwerpunkte. Die Fachhochschulen in Wels, Steyr und Hagenberg vermitteln IT-Ausbildungen auf höchstem Niveau. Die Universität Linz ist Vorreiterin im Mechatronik-Bereich und bietet ein ausgezeichnetes Informatikstudium.

Der Europäische Computerführerschein (ECDL) wird in vielen Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen angeboten. Zu nennen sind auch die neuen Technoparks von WIFI und BFI in Linz, die modernste Ausbildungsplätze anbieten.

Das Land Oberösterreich hat in der Vergangenheit bereits die EDV-Erstausstattung von Firmen unterstützt und bietet eine Förderung für die Einrichtung von Telearbeitsplätzen an. Mit dem Zukunftsfonds wurde vor fünf Jahren eine optimale Basis zur Schaffung einer F & E-Infrastruktur geschaffen. Wichtige Einrichtungen im IT-Bereich sind der schon erwähnte Softwarepark Hagenberg und das angeschlossene Softwarekompetenzzentrum. Auch die Technologiezentren, die bereits in fast jedem Bezirk bestehen, etablieren sich als Knotenpunkte für IT-Unternehmen. Zudem unterstützt das Land die Johannes Kepler Universität Linz unter anderem auch im Bereich der TNF-Fakultät und der IT-Studienrichtungen, zum Beispiel das Research Institut for symbolic Computing (RISC) oder das Research Institut for perfasive Computing (RIPE).

Nicht zuletzt ist es dem Land auch ein Anliegen, neue Technologien positiv darzustellen. Wir wollen den Menschen vermitteln, dass durch Technologieorientierung in Ausbildung und Wirtschaft Wohlstand und Arbeitsplätze gesichert werden. Aus diesem Grund werden auch periodisch die "Oberösterreichischen Technologietage" abgehalten, heuer mit rund 45.000 Besuchern in 120 Betrieben, Technologie- und Kompetenzzentren, Forschungslaboren und Uni-Instituten.

Betreiben Sie eine aktive Ansiedelungspolitik, um IT-Unternehmen in Ihr Bundesland zu holen?

Mit gut ausgebildeten Arbeitskräften ist Oberösterreich natürlich höchst attraktiv für IT-Unternehmen. Aktives Standortmarketing wird von der Technologie- und Marketinggesellschaft für das gesamte Bundesland betrieben. Natürlich wird dabei auch um IT- und IT-nahe Unternehmen geworben. Das technologiefreundliche Klima in Oberösterreich unterstützt diese Aktivitäten. Auch das kulturelle Umfeld ist für IT-Unternehmen besonders attraktiv. Man denke nur an die alljährliche Ars Electronica mit der Verleihung der goldenen Nica oder die Einrichtung des AEC - Museum of the future.

Das Land Oberösterreich ist darüber hinaus Auftraggeber für IT-Unternehmen und verstärkt seine eigenen Aktivitäten im E-Government-Bereich.

Innerhalb der aktiven und bereits EU-weit anerkannten oberösterreichischen Clusterpolitik hat die IT ebenfalls höchsten Stellenwert. Firmen, die miteinander kooperieren, erhalten Landesförderungen für Kooperationsprojekte auch im IT-Bereich.

Welche Voraussetzungen finden Unternehmensgründer vor und in welcher Weise können Sie als Landesregierung hier Hilfestellung leisten?

Das Land und die Wirtschaftskammer unterstützen Unternehmensgründungen auf vielfältigste Weise. Nur einige Aktivitäten sind: Jungunternehmerförderung, Gründungssparen und Gründerfonds, Kreditgarantiegesellschaft und Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, Betriebsgründungsservice der Wirtschaftskammer und 6 Beratungsmodule und die bereits erwähnten Technologiezentren als Startrampe für IT-Jungunternehmer.

Welche Entwicklung wünschen Sie sich in den nächsten 10 Jahren für den IT-Standort Oberösterreich beziehungsweise für die IT-Unternehmen in Ihrem Bundesland?

In den nächsten 10 Jahren soll sich Oberösterreich als Innovations- und Technologiestandort weiter etablieren. Dazu gehört eine nachhaltige Finanzierung (inkl. Bund und Private) der F & E-Einrichtungen sowie eine klare Schwerpunktsetzung in den Technologiefeldern, wie beispielsweise durch die Uni Linz, die bereits einen Schwerpunkt Bio-Informatik definiert hat. Gerade die IT-Branche ermöglicht es, Arbeit und Arbeitsplätze auch in ländliche Regionen zu bringen bzw. durch Telearbeitsplätze die Pendlerströme zu verringern. Aus diesem Grund ist auch eine Vollversorgung mit Breitband-Internetanschlüssen anzustreben. Auch in der Geräteentwicklung wird sich der Trend zu kleiner, schneller und noch funktioneller weiter fortsetzen.

Von besonderer Bedeutung wird es sein, die Qualität und Ausstattung unserer Bildungseinrichtungen immer auf dem letzten Stand zu halten und Kooperationen mit den EU-Beitrittsländern gerade auch im IT-Bereich anzustreben.


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