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20 Jahre MONITOR

Y2K-Problematik

Der Tag an dem die Katastrophe ausblieb

Kurz vor Mitternacht des 31. Dezembers 1999 hielt die IT-Welt den Atem an. Wird die Welt, so wie wir sie kennen den Jahreswechsel überleben können? Werden die Sicherheitsmaßnahmen ausreichen oder kommt tatsächlich der große Zusammenbruch? Bankomaten wurden bereits Stunden vorher geplündert und in den USA entwickelten sich Generatoren zum Verkaufserfolg. Was war der Grund dafür?

Gregor Kucera

Eine Mischung aus mangelnder Weitsicht und Faulheit führte dazu, dass die Computerbranche auf ein riesiges Chaos zusteuerte - das Jahr-2000-Problem (bekannt als "Y2K" oder "Millenniumsbug"). Einerseits war Speicherplatz ein teures und seltenes Gut; die Entwickler verfielen der fatalen Idee, die üblichen vierstelligen Jahresangaben auf die letzten beiden Stellen zu reduzieren. Andererseits sorgte die Programmiersprache Cobol, die in den 70er und 80er Jahren sehr populär war, für eine Verbreitung der Jahrtausendproblematik. Cobol verfügte nämlich nur über einen zweistelligen Datumstyp.

Als die Entwickler 20 Jahre später entdeckten, dass hier ein Problem entstehen könnte, schlugen sie Alarm und die Welt brach in Panik aus. "Wir haben vielleicht nicht alles richtig verstanden, aber wir wussten wenigstens, dass sich das Jahrhundert dem Ende näherte", kommentierte der britische Autor Douglas Adams das Versagen der Computerindustrie. Das Jahr 1999 stand unter dem Eindruck der drohenden Katastrophe - alle Unternehmen mussten ihre Systeme unter enormem personellen und finanziellen Aufwendungen für das kommende Jahrtausend rüsten.

Die Schlagzeilen der Zeitungen sorgten nur für noch mehr Unruhe und Aufregung: "Österreicher trainieren das Überleben - Starke Nachfrage beim Zivilschutzverband", Australische Regierung rechnet mit Computer-Problemen", "In Wien werden jetzt Notfallsmaßnahmen geplant - Aufbau von weiterem Kommunikationsnetz", "2000-Sprung ist willkommener Moment für Computerhacker" oder auch "Steirische Katastrophenschutzabteilung koordiniert". Auch erfreulichere Meldungen fanden sich - wenn auch wesentlich seltener, so etwa: "Probleme wird es geben - Aber untergehen wird die Welt auch nicht". Im Monitor fand sich ein Special zur "Y2K"-Problematik mit einem ausführlichen PC-Check und vier einfachen Tests, die den Unternehmen unliebsame Überraschungen ersparen sollten.

Die letzten Minuten des Jahres 1999 wurden zur Mischung aus euphorischer Vorfreude auf das neue Jahrtausend und dem verzweifelten Hoffen auf einen glimpflichen Ausgang des Computer-Chaos. Die Bankomaten waren abgestellt - Bargeldreserven unter der Matratze angelegt und Telefonate - kurz vor dem zu erwartenden Zusammenbruch der Kommunikationsnetze - geführt. Über die Agenturen ging eine Meldung der UNO ein: "Wir haben Bleistifte, Papier und mechanische Schreibmaschinen bereit". In Japan wurden die Rolltreppen in den U-Bahnstationen gestoppt. In Schweden misstrauten die Justizbehörden den elektronischen Fußfesseln, so kontrollierte Gefangene mussten zurück ins Gefängnis. Ein Italiener, der aus Angst vor Computerproblemen seine Ersparnisse abgehoben hatte, wurde nach dem Bankbesuch überfallen und verlor selbige ganz ohne Computer. Ein Amerikaner, der aus Angst vor dem Zusammenbruch Propangas in nicht mehr funktionstüchtigen Gasflaschen hortete, sprengte versehentlich sein eigenes Haus in die Luft.

Dann schlug die Uhr Mitternacht, Raketen stiegen in den Himmel und sonst geschah - Nichts. Kein Zusammenbruch des öffentlichen Lebens, keine atomaren Zwischenfälle und schon gar nicht das Ende der Welt. Man atmete auf und die Entwarnungen kamen: "Nichts versagt, alles arbeitet normal", so ein für Atomwaffen zuständiger russischer Offizier, "Bisher gilt folgendes, keine Nachrichten sind gute Nachrichten", so der Y2K-Verantwortliche im Weißen Haus oder "Es war möglicherweise eine der langweiligsten Web-Sites in der Geschichte, also haben wir zumindest etwas erreicht", so der australische Senator Campbell, zur staatlichen Y2K-Seite, die sämtliche Zugriffsrekorde brach.

Auch im Monitor wurde im Nachhinein ein positives Resümee gezogen: Die Arbeiten am Jahr 2000-Problem haben den Fortschritt beschleunigt. So könnte der Y2K-Bug einen wichtigen Katalysatoreffekt für die globale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft ausgelöst haben. Und davon profitieren schließlich wir alle.

Aber einige Zwischenfälle gab es zum Jahreswechsel doch. So wurden einem Kunden in einer Videothek in New York 90.832 Euro Leihgebühr verrechnet, da der Computer meinte, er hätte den Videofilm 100 Jahre ausgeliehen. In Südkorea wurde das Alter des Millenium-Babys mit 100 Jahren angegeben. In Italien wurden Verhandlungen gleich um 100 Jahre nach hinten verschoben.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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