Gregor Kucera
Kaum zu glauben, dass bereits zwei Jahrzehnte seit der Einführung des ersten PCs vergangen sind. Aber noch unglaublicher sind die Fortschritte, die seit damals gemacht werden konnten. Vor zwanzig Jahren hatte der typische PC einen monochromen Bildschirm, ein Diskettenlaufwerk mit bescheidener Kapazität und einen Arbeitsspeicher von lediglich 64.000 Bytes. Anfang der 80er Jahre kam bereits die Idee eines "persönlichen" Computers einer Revolution gleich. Die meisten Leute besaßen eine enorme Ehrfurcht vor Computern, denn deren Einrichtung und Wartung war schwierig. Auch der größte Teil der Software war langsam und nicht gerade benutzerfreundlich. Nur wenige Leute sahen damals im Computer einen wichtigen Teil ihres täglichen Lebens, so lautete der Jubiläumskommentar von Microsoft-Gründer Bill Gates im Monitor 9/2001.
Vor rund 22 Jahren, am 12. August 1981, brachte IBM den ersten für die Massenproduktion entwickelten Personalcomputer auf den Markt. Dieser PC wurde zum Begründer einer neuen milliardenschweren Industrie und veränderte die Welt. Bereits im Sommer 1980 schickte IBM zwölf Ingenieure zur Entwicklung eines Kleinrechners für jedermann in das Forschungslabor nach Boca Raton, Florida. Die Ingenieure hatten den Auftrag bekommen, in einem geheimen Projekt (Projekt "Schach") vorbei an der berüchtigten IBM-Bürokratie einen Personal Computer zu entwickeln.
Die ersten Kleincomputer gab es schon in den 70er Jahren. So erblickte 1976 der Apple I von Apple Computers Inc. (im gleichen Jahr von Steve Wozniak und Steven Jobs gegründet) das Licht der Welt. 1977 folgte ein PC mit Farb-Bildschirm, Sound- und Grafikanwendungen, der so genannte Apple II. Zudem gab es Tandy/Radio Shacks TRS-80 und bereits Mitte der 70er den Commodore PET und mit dem MITS Altair 8800 den ersten kommerziellen "PC". Diese Computer waren die ersten, die man einfach einschalten und programmieren konnte. Der Texas Instruments Ti 99/4 mit dem Prozessor TMS 9900 wird 1979 als erster 16 Bit Heimrechner auf den Markt gebracht. Der Ti 99 war schon frühzeitig auf dem Markt gekommen und, mit einer Box für Steckkarten, enorm erweiterungsfähig. Konkurrenten auf dem Heimcomputermarkt sind damals der Atari 400 und 800. Die Massenproduktion setzte jedoch erst mit IBM ein.
Bevor wir uns jetzt in einer trockenen Chronologie der PC-Entwicklung verlieren, wollen wir einen Blick in die Geschichte des Monitor werfen und einen kleinen Querschnitt der Hardware geben, die im Laufe von 20 Jahren ihren Niederschlag in die Zeitschrift fand. Der allererste PC, der im Monitor erwähnt wurde, war das Hewlett Packard System 150. Im Brennpunkt aller Bemühungen, die den Vorsprung gegenüber anderen Personal Computer-Systemen sicherstellen sollte, stand die leichte, anwenderfreundliche Bedienbarkeit. Der große Gag dabei ist der touchscreen, der "Kontaktschirm", der den Umgang mit Programmen und Daten per Zeigefinder erlaubt, so der damalige Kommentar zum HP-Wunderwerk.
Die Fragen Was steckt hinter dem Berührungsphänomen? und Worin liegt das Geheimnis? standen im Mittelpunkt des ersten Computertests. Die Antwort: Entfernt man das Gehäuse des Monitors auf der Vorderseite, so kommt man dem Rätsel auf die Spur: Nicht Berührung an sich steuert den Schirm, sondern ein dichtes Netz von Lichtstrahlen, das knapp über die Bildschirmoberfläche gelegt wird. Von außen ist davon nicht viel zu sehen. Auch ein Ausblick auf die Zukunft der PCs fand sich: Leichte Bedienbarkeit, hochintegrierte Hardware und universeller Anschluss peripherer Geräte sind heute nicht die einzigen Kriterien, die mit über den Erfolg eines Computer-Systems entscheiden. Immer mehr tritt die Frage nach speziellen Programmen in den Vordergrund; und zwar Programmen, die nicht nur der Lösung einer ganz bestimmten Aufgabe dienen, sondern, die als eine Art Manager-Programm die Verbindung zwischen Einzelprogrammen herstellen.
Bereits im Jahr 1982 kamen die ersten IBM kompatiblen Computer auf den Markt. Der populärste war dabei der Compaq Portable. Als 1984 IBM seine Architektur öffnet, schießen "PC-Klone" aus dem Boden. Auf der ganzen Welt beginnen Computerfirmen mit der Fertigung von PCs - vor allem aus Asien brach eine Welle neuer Produkte über den Markt; diese Vielfalt schlug sich auch im Monitor nieder. Da die Aufzählung der einzelnen Systeme den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, hier eine kleine Auswahl aus 20 Jahren PC-Geschichte. Unter anderem gab es Berichte über Victor Technologies, dem Lieblingscomputer von Monitor-Autor Robert Hochner, bis dieser auf Mac umstieg, oder auch über ITT XTRA XP ("XP" für Extended Power) und der Anmerkung Der ITT XTRA XP ist keine perfekte Lösung (gibt es die überhaupt?), aber er ist ein PC dessen Grenzen nicht so bald erreicht sein werden. (Monitor 1/86). Weitere PC-Anbieter dieser Zeit waren Apple, ASC, Atari, Bull, Canon, Casio, Commodore, DEC, Dell, Epson, NCR, Nixdorf, Nokia, Olivetti, Osborne, Philips, Sharp, Siemens, Sony (mit seinem Hit Bit), Spectravideo und natürlich IBM.
Kein Ersatz für den PC in Sicht
"Auch 20 Jahre nach seiner Erfindung sei für den PC kein Ersatz in Sicht", sagte Intel-Vorstandschef Andy Grove anlässlich des Jubiläums. Die derzeitige Krise in der Internet-Wirtschaft bezeichnete Grove "auch als Chance für die Computer-Branche. Was der Markt brauche, seien "ein paar richtig schlechte Jahre, damit alle wieder zu sich kommen und gemeinsam vorgehen". Er beklagte dass PCs auch nach 20 Jahren immer noch abstürzten, nach dem Einschalten nicht sofort benutzbar seien oder sich nicht automatisch vor Datenverlust schützen. Für manche Dinge scheinen auch 20 Jahre Entwicklungszeit noch nicht ausreichend zu sein, aber es darf gehofft werden.




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 