Gregor Kucera
Die erste Mobilfunkgeneration ließ Österreich aus. In Deutschland startete schon 1958 das A-Netz: Für rund 11.000 Teilnehmer waren damals 600 Vermittlungskräfte im Einsatz, da der Selbstwahlbetrieb noch nicht möglich war. Gespräche mussten noch vermittelt werden!
Im Mai 1974 nahm das Nachfolge-Netz - das B-Netz - auch in Österreich seinen Betrieb auf. Ein noch teurer Spaß, den sich nur wenige leisten konnten und - wegen der geringen Kapazität - auch leisten "durften". Am Anfang des Mobilfunk stand also der "öffentlich bewegliche Landfunkdienst" - wie es in schönster Postsprache damals so wunderschön zungenbrecherisch hieß und der einen entsprechenden Ausweis, der zur Berechtigung der Inbetriebnahme berechtigte, voraussetzte. Die ersten Geräte unterschieden sich in Preis und vor allem im Gewicht wenig von den deutschen A-Netz-Modellen und waren ausschließlich für den Einbau in Autos vorgesehen.
Die ersten "Leichtgewichte"
Mitte der 80er kam mit dem C-Netz wieder Bewegung auf den Markt. Die neuen Mobiltelefone waren "Leichtgewichte" und wogen zwischen fünf und sieben Kilogramm. Ein Mobileworker der damaligen Zeit hatte also - sofern er mit Laptop und Mobiltelefon ausgerüstet war - gute zehn bis fünfzehn Kilogramm Zusatzgewicht zu bewältigen. Im Monitor wurde im Jahr 1984 ein neues Siemens-Komforttelefon angekündigt: Es besteht aus einem telefonbuchgroßen Sende- und Empfangsteil sowie einem handlichen Hörer, der auf einem Display die gerade gewählte Nummer anzeigt, bei gestörter Verbindung (manche Dinge werden im Laufe der Zeit nicht wesentlich besser, Anm.) die zuletzt gespeicherte Nummer nochmals anwählt und überdies bis zu 99 sechzehnstellige Rufnummern über Eintippen von Kurznummern anwählt. Das Gerät ist eine heimische Produktion und vergleichsweise günstig - Ein Preis wurde damals nicht verraten, allerdings dürfte dieser bei etwa 3.000 bis 2.500 Euro gelegen sein.
Das erste wirkliche Mobiltelefon brachte Motorola 1983 mit dem "DynaTAC 8.000"auf den Markt. Es war 800 Gramm schwer, groß wie ein Buch, bot eine Stunde Gesprächszeit und kostete 4.000 Dollar. Im ersten Jahr wurden 300.000 Exemplare verkauft. "Keiner hat von dem Siegeszug des Mobiltelefons zu träumen gewagt", sagte der heute 73-jährige Entwickler Rudy Krolopp anlässlich der 20 Jahr Feier des Handys. "Es war einfach nur eine irre Idee, mit der man Geld verdienen wollte. Dabei wusste anfangs keiner, was ein Handy ist. Wir hatten nicht das beste Material, und mussten sogar Radio-Bauteile verwenden, aber das Gerät funktionierte", so Krolopp.
Die Mobiltelefonie schaffte den Durchbruch in Österreich mit der Inbetriebnahme des analogen D-Netzes im Jahr 1990. Die Kapazität der 900 MHz-Frequenz sollte für mehr als 100.000 Teilnehmer reichen. Das erste GSM-Netz, das E-Netz, startete im Dezember 1993. Bis zur zweiten Jahreshälfte 1994 gelang es der Post auch die größten Städte und die wichtigsten Hauptverkehrswege zu versorgen. 1996 wird die mobilkom austria gegründet. Wenig später folgt der erste alternative Anbieter - max.mobil (heute T-Mobile). Im November 1997 übersteigt die Zahl der Mobilfunkkunden in Österreich erstmals die Millionengrenze.
Zum Wohle der Konsumenten
Kaum ein anderes Land erlebt in den darauf folgenden Jahren einen derart massiven Boom im Mobilfunk. Als One am 26. Oktober 1998 als Anbieter der GSM 1800-Technologie startet, beginnt in Österreich ein Preiskampf. Billige Mobiltelefone und Preissenkungen führten zu enormen Handy-Penetrationsraten. Das neue Jahrtausend beginnt mit der Inbetriebnahme des weltweit ersten flächendeckenden GPRS-Netz durch die Mobilkom. Im selben Jahr wird auch der erste UMTS-Live-Call zwischen der Mobilkom und Ericsson durchgeführt. Im Monitor stand dazu: Durch die Vielfalt der Schnittstellen, kann damit praktisch jede Art von Dienst, Service und damit Information über UMTS verbreitet werden - im Vergleich zum Nutzen billig und mit verhältnismäßig wenig Aufwand. Durch die totale Ausrichtung auf Internet, Multimedia und Informationsübermittlung, können diese nun verwirklicht werden. Es ist einfach alles möglich!
Im Jahr 2000 betritt Telering als Vierter den Ring. Weitere Dumpingpreiswellen und heiße Diskussionen über Monopole, Frequenzen und tatsächliche Kundenzahlen beginnen. Den vorläufigen Endpunkt setzen MMS und UMTS: A1 startet im Juni 2002 mit der "Bild-SMS" und im September das erste UMTS-Netz Europas. Am 5. Mai 2003 startet der fünfte - und bislang letzte - Provider in Österreich, Hutchinson 3G Austria setzt von Beginn an auf UMTS und Videotelefonie.
Der Spaß geht weiter
Durch das im August 2003 in Kraft getretene neue Telekommunikationsgesetz dürfen sich Konsumenten auf weitere Gefechte an der Mobilfunkfront freuen - die beschlossene Rufnummernmitnahme, die sicherlich auch noch für einige unterhaltsame Momente sorgen wird (da diese nach EU-Richtlinien in wenigen Monaten eingeführt werden müsste, aber keinerlei gemeinsame Nenner und Standards der Provider zu erblicken sind), sollte auch noch zu weiteren Preissenkungen führen - die Anbieter wird dies weniger freuen, aber dafür uns.




1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 