Newsfeed abonnieren
20 Jahre MONITOR

Mobil Computing

Mobile Geräte mit Marsmännchen-Übertragung

Andreas Roesler-Schmidt

Der Wunsch Computer auch unterwegs einsetzen zu können, muss mindestens so alt sein wie Personal Computer selbst. So findet man bereits in den frühen Monitor Ausgaben mobile Geräte mit zum Teil ebenso umfangreichen wie kuriosem Zubehör.

Gemeinsam war vielen die Bauform: Eine verkleinerte Tastatur an deren oberen Ende sich ein mehr oder weniger lesbares und grafiktaugliches Display befand. In den Geräten lief im Normalfall ein BASIC-Dialekt mit unterschiedlich großer Kompatibilität zu MS-BASIC am PC. Dementsprechend waren die Geräte in erster Linie als Spielzeug von Computer-Freaks im Einsatz und seltener im ernsthaften Geschäftsalltag.

Der erste dieser "Handheld Computer" im Monitor war der Epson HX-20. Nachfolgende Geräte wurden in Vergleichstests an ihm gemessen. Wenn auch die Schreibbreite von 24 Zeichen/Zeile nicht das Non-plus-ultra für einen Drucker darstellt, so ist er dennoch für die Dokumentation vor Ort ein Vorteil urteilte man über den eingebauten Mini-Drucker. Zu vielen anderen Handhelds wurden als Zubehör kleine Plotter, zum Teil sogar mit Farbe, angeboten. Auch an Massenspeicher mangelte es nicht: Eine Mikrokassette, wie sie in Diktiergeräten verwendet wird, speicherte bis zu 50 KB pro Seite. Eine wahrhaft außergewöhnliche Vorrichtung für das Auffinden bestimmter Stellen auf der Kassette ist ein Digitalzähler, der durch drei einfache Software-Befehle gesteuert wird.

Durch besonderes Zubehör fiel Canons Handheld X-07 auf: Das Bedürfnis zur schnurlosen Kommunikation bestand anscheinend schon knapp zwei Jahrzehnte vor Bluetooth: Noch lange bevor Palm das "Beamen" von Daten bei mobilen Geräten einführte, kommunizierte der X-07 kabellos. Allerdings war die Infrarotschnittstelle extern: Zwei seltsam anmutende Infrarot-Stationen, von denen eine am Handheld-Computer und die andere an der seriellen Gegenstelle (ob PC oder Zubehör) angeschlossen wurden, konnten sieben Meter überbrücken. Liebevoll wurde das Design im Heft 2/84 beschrieben: So wurden für den X-07 "Opto-Koppler" entwickelt, die ihn überall zu einem portablem Computer machen. Schon das Design dieser kleinen Opto-Koppler ist recht lustig und erinnert durchaus an "kopflastige Marsmännchen". Ihr langer, drehbarer Rüsselhals sitzt auf einem kleinen Podest (Steckverbindung) und wird gekrönt von einem eckigen Köpfchen mit breitem Infrarot-Filter-Gesicht.

1990 erschien mit Poqet Computer Corporations Poqet PC der erste "Pocket Personal Computer" - mit 80C88-Prozessor, 7 MHz und MS-DOS 3.3 voll IBM-kompatibel im A5-Format. Aber was nur bedeutet sein doppelt supergetwistetes Display? Das Display stand bereits ein Jahr später im Mittelpunkt - nämlich der Eingabe. Da erschien Windows for Pen Computing und damit auch die ersten Notepads (von NCR und Momenta) ohne Tastatur aber mit Stifteingabe. Die Versprechen hörten sich damals recht ähnlich jenen an, die erst jüngst wieder zur Tablet PC -Einführung gemacht wurden: Die Rede ist von "elektronischer Tinte" und von Handschrifterkennung. Selbst nach längerem Training ist die Fehlerrate zu hoch, um ein flüssiges Schreiben zu erlauben. Der Satz stammt aus 1991, könnte aber 2003 den Tablet PC auch ganz gut beschreiben. Die Pen PCs verschwanden bald wieder in jener Nische, aus der der Tablet PC noch nicht herausgekommen ist. Handschrifterkennung funktionierte auch im ersten im Monitor erwähnten PDA - dem Amstrad PDA600 nicht so richtig und auch Apples weitaus bekannterer Newton scheiterte daran, dass er zu früh war: Die Schrifterkennung war noch viel zu schlecht und das wegen der aufwendigen Technik notwendige Gehäuse zu groß. Da half das gute OS nichts. Aus den Fehlern lernte Palm: 1996 brachte man einen kleinen PDA auf den Markt. Statt Handschrift gab's Graffiti. Beherrscht der User nach einer Stunde dieses vereinfachte Alphabet, wird er mit zuverlässiger Erkennung belohnt. Das Gerät muss dabei weniger rechnen und bleibt klein, während die Batterie länger hält.

weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum