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20 Jahre MONITOR

20 Jahre Microsoft Flight Simulator

Rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum des ersten Motorflugs bringt Microsoft den Flight Simulator 2004 heraus. Auch er fliegt schon 20 Jahre an der Spitze der Verkaufscharts - Grund genug für einen Rückblick.

Andreas Roesler-Schmidt

Wenn hier der Titel lautet "20 Jahre Microsoft Flight Simulator", darf man das "Microsoft" dabei keinesfalls überlesen. Denn wenn Microsoft heuer mit der Veröffentlichung des Flight Simlulators 2004 gleichzeitig das 100-jährige Jubiläum des ersten Motorflugs der Brüder Wright und das 20-jährige Jubiläum des MS Flight Simulator feiert, ist es verständlich, das Microsoft den Start der Flight Simulator Geschichte genau dann sieht, als der Flugsimulator zum Microsoft-Produkt wurde.

Streng genommen jedoch geht die Geschichte der populärsten Consumer-Software aller Zeiten wesentlich weiter zurück. Bereits 1975 beschäftigte sich der "Urvater der Flugsimulation", Bruce Artwick als Student und Hobbypilot in seiner Diplomarbeit mit dem Thema "A versatile computer-generated dynamic flight display". Das hört sich zwar noch etwas theoretisch an, war damals aber der Beweis dafür, dass Motorolas 6800 Prozessor sowohl die Arithmetik als auch die Grafik einer Echtzeitsimulation gleichzeitig berechnen konnte. 1978 gründete Artwick das Unternehmen SubLOGIC, das Grafiksoftware entwickelte. Ein Jahr später beschloss er den ersten Flight Simulator für den Apple II, kurz darauf auch für den Tandy/Radio Shack TRS-80 zu entwickeln. 1980 landete der Flight Simulator am Consumer Markt, 1981 war er der meistverkaufte Softwaretitel für den Apple.

Dieser Erfolg blieb nicht unbemerkt: IBM und das noch recht kleine Softwareunternehmen Microsoft versuchten beide eine exklusive Lizenz für eine Version für den neuen IBM PC zu bekommen. Bemerkenswert ist aus heutiger Sicht wohl, weshalb Microsoft den Zuschlag bekam: "Ich habe mich entschlossen mit Microsoft zu arbeiten, weil sie so eine angenehme Kleinunternehmen-Atmosphäre haben" begründete Bruce Artwick die Zusammenarbeit mit Bill Gates. Im November 1982 kam der Microsoft Flight Simulator 1.01 (1.05 folgte 1983) heraus und wurde auch am PC rasch zur meistgekauften Consumer-Software (und ist das auch bis heute geblieben).

Im Jahr 2000 erhielt der Flugsimulator einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde: 21 Millionen Exemplare wurden bis Juni 1999 verkauft. Die Microsoft-Version des Flight Simulators von 1982 kann auch aus Non-Microsoft-Sicht zu Recht als der Start der Flight Simulator Geschichte angesehen werden: Anders als die Vorläufer auf den anderen Systemen ähnelt der Grundaufbau bereits den heutigen Versionen, wenngleich natürlich stark vereinfacht. Erstmals gab es den bis heute üblichen klassischen geteilten Bildschirmaufbau - oben die Sicht nach außen (in der Version 1 nur nach vorne) und unten das Instrumentenbrett. Das Panel der Standard-Cessna enthielt bis auf Autopilot, GPS und ADF/DME praktisch schon alles was man heute noch dort findet - damals freilich noch als Strichgrafik und nicht als fotorealistisches Cockpit der heutigen Versionen. Die Szenerie war noch auf vier Gebiete (Chicago, Seattle, L.A. und New York) beschränkt. Neben ganz einfachen Flughäfen gab es vereinzelt schlichte Gebäude und Brücken. Herausragend erschien da die Freiheitsstatue in New York in der 8-Farben-CGA-Grafik.

1988 verließ Bruce Artwick SubLOGIC und gründete BAO (Bruce Artwick Organisation), die sich ausschließlich auf Flight Simulator Produkte konzentrierte. Microsoft veröffentlichte den FS 3.0, der getrennte Fenster und erstmals eine Außenansicht auf das eigene Flugzeug ermöglichte, was in den Versionen für die damals Grafik-stärkeren Systeme Atari, Amiga und Macintosh bereits möglich war. 1989 folgte die Version 4.0 - die letzte die auch am Mac erschien. Microsoft öffnete mit dem von BAO entwickeltem Aircraft and Scenerey Designer das Produkt und ermöglichte es, eigene Szenerien und Flugzeuge zu entwickeln - diese Möglichkeit sorgt heute für den lebhaften Austausch von Shareware-Flugzeugen und -Szenerien im Internet aber auch eine Vielzahl kommerzieller 3rd-Party-Produkte. Es folgten noch einige Versionen aus der Kooperation BAO/Microsoft. "Die ungeraden Versionen enthielten die neuen Features und Technologien", sagte Bruce Artwick. "Die geraden die Verbesserungen". Die letzte gemeinsame Version erschien 1996 mit dem "Flight Simulator für Windows 95" - gleichzeitig die erste Windows-Version. Artwick verkaufte BAO an Microsoft, die meisten seiner Developer wechselten zu Microsoft. Er selbst blieb als Consultant erhalten.

Wichtige Schritte

Heute ist Bruce Williams als Business Development Manager für den Flightsim verantwortlich. Er arbeitet bereits seit acht Jahren am Flight Simulator. Während des FS2004-Launchs im Rahmen der Paris Air Show vom Monitor nach der Version befragt, die für ihn die wichtigsten Änderungen mit sich gebracht hat, antwortet er marketinggerecht: "In vielerlei Hinsicht stellt die Version 2004 den größten Schritt dar." Er fügt hinzu: "Aber es hängt sehr stark davon ab, nach welchen Kriterien man das beurteilt. Schließlich sind für jeden andere Verbesserungen wichtig. Der FS95 hatte zum Beispiel 400 Airports, der FS98 4000 und FS2000 bereits um die 20.000 Flughäfen. Für jemanden, für den die Auswahl an Flughäfen von Bedeutung ist, war das also ein großer Schritt. Die Einführung der Flugsicherung in Version 2002 war ebenfalls ein bedeutender Schritt. Die aktuelle Version besticht durch das dynamische und realistische Wetter, das ist eine gewaltige Verbesserung. Wir überholen nie das gesamte Produkt auf einmal, sondern konzentrieren uns auf 2-3 Gebiete, um dort wirklich deutliche Verbesserungen zu erzielen." In Erinnerung an Bruce Artwicks Aussage: Flight Simulator 2004 würde die Nummer 9.0 tragen und muss also als "ungerade" Version einige neue Features enthalten.

In der Tat kann sie sich sehen lassen: Die Grafik-Engine wurde verbessert und bietet noch realistischer anmutende Szenerien. In den Virtual Cockpits - also jener Ansicht, wo man nicht nur die wichtigsten Instrumente sowie die Außensicht nach vorne sieht, sondern sich im 3D Cockpit frei umsehen kann - funktionieren jetzt auch alle Schalter und Knöpfe. Damit ist ein Herzenswunsch vieler "Simmer" erfüllt, die gerne in der Virtual Cockpit Ansicht fliegen, aber bisher für jeden Knopfdruck diese Ansicht verlassen mussten. Für Österreicher besonders wichtig: Die Flugsicherung wurde verbessert und verfügt jetzt auch über ein Höhenmodell der Szenerie. Man wird also beim Anflug auf Innsbruck von den Fluglotsen nicht mehr hartnäckig in die Berge gelenkt. Die wichtigste Neuerung ist wohl das dynamische Wettersystem. Realistisch prasseln Regentropfen gegen die Cockpitscheibe, bilden sich die unterschiedlichsten Wolken in exzellenter Grafik und erschweren plötzlich auftretende Sturmböen den Landeanflug. Die Daten dazu kommen auf Wunsch als automatische Updates des realen Wetters aus dem Internet. Man kann aber auch selbst aus vorgefertigten Wetterthemen auswählen oder das Wetter in allen Einzelheiten selbst zusammenstellen.

Dem Untertitel "Das Jahrhundert der Luftfahrt" wird der Flight Simulator 2004 durch neun historische Flugzeuge gerecht: So kann man versuchen mit Lindbergs "Spirit of St. Louis" den Atlantik zu überqueren oder mit dem filigranen Wright Flyer überhaupt in der Luft zu bleiben.

Über Version 4.0 des Flight Simulators schrieb der Monitor 1990: Sie ist so realistisch, dass sie in den USA als Schulungsmaterial zur offiziellen Pilotenausbildung zugelassen ist. Bruce Williams, selbst nebenberuflich Fluglehrer, meint: "Es kommt darauf an wie man den FS benützt. Wenn man wirklich die interaktiven Lektionen durchmacht, erhält man eine gute Einführung. Aber irgendwann braucht man natürlich einen Fluglehrer."

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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