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20 Jahre MONITOR

Über BTX, die Massenkommunikation und Modems. Und die Postverwaltung.

Bei manchen Dingen ist es besser dass sie Geschichte sind. Oder vermissen Sie BTX? Aber im Vorhinein kann man das ja nie so genau wissen und BTX hätte auch ein Erfolg - wie in Frankreich - werden können.

Andreas Roesler-Schmidt

Ziemlich genau zur selben Zeit als der Monitor das Licht der Welt erblickte, lief in Österreich der BTX-Testbetrieb. Kein Wunder also, wenn "BTX" in erkennbar hoffnungsvoller Euphorie einige der ersten Covers zierte. Die Investitionen der Post sollten ja auch irgendwo gewürdigt werden. Die Investitionen für den Versuchsbetrieb betrugen etwa 32 Millionen Schilling verriet Post-Generaldirektor Heinrich Übleis in der Ausgabe 1/84. Da der Normalbetrieb, das heißt der neue Postdienst Bildschirmtext, sehr rasch mit 1. März 1984 eingeführt wird, waren weitere Investitionen von 200 Millionen Schilling notwendig.

Eine rund dreimonatige Verzögerung des Starts wurde mit der Erprobungszeit für Österreichs wohl legendärstes Stück "Computer" begründet - dem von Motronic gefertigten MUPID (Mehrzweck Universell Programmierbarer Intelligenter Decoder - ob damals irgendjemand von dieser Abkürzung wusste? Schade dass er nicht irgendwie Standard... also dann STUPID genannt wurde) zugeschrieben. Lange war der Mupid die einzige Möglichkeit Zugang zu BTX zu erhalten, obwohl Übleis natürlich im Interview betonte: Wir lassen jedem Hersteller freie Hand, wer ein Gerät produziert, das BTX-tauglich ist, kann um die Postgenehmigung ansuchen und wird sie auch bekommen. Nur das mit der Postgenehmigung war damals so eine Sache. Monitor: Die Post wird also freizügig bei den Genehmigungen von BTX-Endgeräten sein? Übleis: Ja, jedes Gerät das den Kriterien entspricht, wird über Antrag zugelassen. Über diese Kriterien (welche es denn wirklich sind, wusste niemand so genau) konnten Hersteller genauso wie bei der Zulassung von Modems noch jahrelang ein Lied singen. Skurril wird es, wenn für PC-Kartenmodems verlangt wird, dass ein V.24-Stecker vorhanden sein muss, über den von der Post ein Bitfehlermesser angeschlossen werden kann wundert sich Joachim Widl 1988 in einem Kommentar. Das ist wiederum international völlig unüblich, aber immerhin eine nette Idee. Beim Anschluss des Modems wird aber von der Post auf den Test verzichtet, nicht aus Faulheit - sondern weil man die zugehörigen Messgeräte gar nicht besitzt.

Zum BTX-Start 1984 freute sich dann die damalige Monitor-Redaktion: ...allgemein erwartet man sich für die kommenden Jahre damit die Entwicklung eines Massenkommunikationsmittel. Die Masse allerdings blieb eher klein. Den Sprung von (auch nicht flächendeckend vorhandenen) Firmenkunden in die Privathaushalte schaffte der österreichische Bildschirmtext (anders als das französische Minitel) nie. Dabei war Übleis sich sicher: Durch die billige Grundgebühr und den MUPID, der eigentlich vieles kann, werden wir uns nach Abbau der Anschluß-Warteliste an alle Einzelanschluß-Kunden wenden, um ihnen diesen neuen Dienst anzubieten. Ganz so billig war's für Privatanwender wohl nicht: Monatlich 70 Schilling für den Anschluss, 130 für den MUPID plus Telefongebühren plus unterschiedliche Gebühren für die einzelnen Seiten im BTX. Wir sind überzeugt, dass Bildschirmtext auch für private Teilnehmer sehr attraktiv ist.

Der Monitor bewundert am Mupid als wichtigste Eigenschaften Zutritt des kleinsten Benutzers zu Großcomputern, Arbeiten auch ohne Telefonleitung und kommt zu dem Schluss: Die Entwicklung von BTX steht zwar erst an ihrem Anfang und nur wenige können die Tragweite so recht beurteilen. Man sah Möglichkeiten für viele Anwendungen, zum Beispiel Einkaufsgenossenschaften mit Warenangeboten und Bestellabwicklungen bei Kundenkreisen, die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind - Ob es das unter BTX jemals gab, vermag ich nicht mit Gewissheit zu sagen, es erinnert dafür sehr an die später im Internet aufgetauchten (und untergegangen) Powershopping-Angebote. Viele der damals bereits vorhandenen BTX-Anwendungen, wie etwa Telebanking, existieren heute im Internet. Nachdem die Euphorie verschwunden war, kam 1994 BTX zum letzten Mal im Monitor vor, nämlich wegen der Umbenennung PAN. Das stand für "Public Access Network" - also ziemlich genau das, was es nie geworden ist. Nach einer Übergangsphase, in der sowohl Internet und BTX als Kombo angeboten wurde, entstand schließlich A-Online. Aber so genau vermag ich das dann nicht mehr zu berichten, schließlich gab es beim Internet auch schon andere Anbieter, die man inzwischen auch über legale Modems erreichen konnte.

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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