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20 Jahre MONITOR

Bill Gates Kolumne

Bill Gates und seine Aufforderung, mit Software reich zu werden

Andreas Roesler-Schmidt

Ich gebe es ja zu. Manchmal schlägt die Boshaftigkeit in mir einfach durch. Als kleine Belohnung an mich selbst für das Blättern in schätzungsweise 240 alten Monitor-Heften - und damit in viel Archiv-Staub - wollte ich mir die Freude gönnen, in Bill Gates Kolumne (der Monitor übernahm ab Mitte der Neunziger seine monatliche New York Times Kolumne) Zitate zusammenzutragen, in denen sich zeigt wie der Microsoft-Chef sich in seinen Prognosen irrte.

Enttäuscht muss ich nach der Lektüre dieser Kolumnen sagen: Zumindest aus heutiger Sicht sind sie großteils recht langweilig und beschäftigen sich kaum mit Visionen. Obwohl Bill Gates sich rührend um die Allgemeinbildung bemühte und den Lesern zum Beispiel geduldig erklärte, was eine Domain ist. Wenigstens wusste die Menschheit dann: Man kann die Website meiner Firma durch eintippen von microsoft.com oder www.microsoft.com erreichen - das "www" ist dabei aber nicht Teil des Domainnamens. Man kann meine persönliche Website durch Angabe von microsoft.com/billgates erreichen, aber "billgates" ist ebenfalls nicht Teil des Domainnamens. Aha!

Rührend finde ich ja auch wie Bill von dem elektrisch versenkbaren Flachbildschirm am Fußende seines Bettes in seinem damals gerade bezogenem High-Tech Haus erzählt und von jener Schreckensnacht, an dem der TV sich nicht mehr versenken ließ. Er nahm's mit Gelassenheit und rief nicht etwa sofort jemanden zur Reparatur sondern warf eine Decke über den leuchtenden Schirm und wartete damit bis zum nächsten Morgen.

Überzeugt war er 1998 aber, dass diese Technologie den Kinderschuhen entwächst und bald jeder sein Computer-Haus bekommt und dass der Markt dafür da ist. Wer heute baut und versucht auch nur einen kleinen Teil dessen zu realisieren, erkennt schnell, dass der Markt sich wohl immer noch auf Gates und einen Haufen seiner Mitarbeiter beschränken muss. Aber ich bin unfair: Schließlich gab Bill schon 1995 Tipps zum Thema Software, mit der man ein kleines Vermögen machen kann. Selbst schuld, wenn man nicht darauf gehört hat. Gates gesteht freilich ein: Ich will damit nicht sagen, dass es möglich ist, ein zweites Microsoft aufzubauen (Danke! Das beruhigt.), aber man kann ohne weiteres 2 Millionen Dollar im Jahr Umsatz machen, indem man 10.000 Stück eines Produkts verkauft, das 200 Dollar kostet. Das ist erstens auch nicht zu verachten und zweitens passiert es immer wieder. Zum Glück, kämen keine neuen innovativen Software-Firmen auf den Markt - wen sollte man denn dann aufkaufen? Innovationen müssten dann doch glatt aus der Research & Development Abteilung kommen. Das wichtigste worauf es ankommt, ist es eine Marktlücke zu finden. Und ich hätte gedacht das ist in der Welt der Computer anders. Anstelle weiterer Tabellenkalkulationen möge man Software für Medizin, Versicherungen, Buchhaltungen oder Architektur schreiben. Software in diesen Bereichen kann viele kleine Vermögen einbringen. Falls man aber mit einem kleinen Vermögen nicht zufrieden ist, muss man versuchen, einen Generationswechsel zu nutzen. So erklärt sich der Erfolg Microsofts dadurch, dass man auf den IBM PC (als neue Generation) gesetzt hat ebenso wie Lotus nur bekannt wurde, weil es die erste Tabellenkalkulation für eben diesen geschaffen hat.

Interessant, was Gates dabei über die Pen Computer feststellt: In letzter Zeit haben etwa einige Unternehmer darauf gesetzt, dass Pen-basierte Software und Systeme, bei denen die Eingabe mit einem Stift anstelle der Tastatur erfolgt, herkömmliche Tastaturen bald ersetzen würden, was zu einer neuen Generation von Textverarbeitungsprogrammen und Tabellenkalkulationsprogrammen geführt hätte. Richtig erkennt Gates (seine Firma war ja dabei): Im Nachhinein hat sich diese Strategie als ziemlich kostspieliger Irrtum herausgestellt. Pen PCs sind gefloppt. Warum nur, lieber Bill, bescherst Du uns dann rund ein Jahrzehnt später den Tablet PC - mit exakt denselben - nicht gehaltenen - Versprechen und bisher auch ähnlich kleinen Marktanteilen wie damals bei Windows für Pen Computer?

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MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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