Andreas Roesler-Schmidt
Ferrari - ein klingender Name. So bekannt und teuer die Produkte auch sind, die Ferrari-Maserati-Gruppe ist letztendlich ein größerer Mittelstandsbetrieb. Was die IT betrifft, kann das Unternehmen im sonnigen Maranello also durchaus mit österreichischen Unternehmen verglichen werden.
Bei Ferrari arbeiten 2300 Mitarbeiter auf 1500 Windows PCs und rund 200 CAD-Workstations, die von einer 25-köpfigen IT-Abteilung betreut werden. Um die 4000 Sportwagen werden jährlich produziert. Maserati verfügt über 420 Mitarbeiter, einen Administrator, 250 Windows PCs und rund 20 CAD-Workstations. 95 Prozent der Midrange-Server stehen bei Ferrari, 5 Prozent bei Maserati. Ferrari verfügt über ein 4 Gigabit Backbone, Maserati über 1 Gigabit. Das Speichervolumen bei Ferrari teilt sich auf 3 Terrabyte auf AIX, 0,8 TB auf Windows PCs verstreut und 0,2 TB auf einer AS/400 auf. Weitere 0,2 TB liegen auf Maseratis AIX.
Mit der Ausgangssituation war Alessandro Sala, IT Architectural Manager der Ferrari-Maserati Group, höchst unzufrieden: "Wir waren nicht in der Lage Speicher von einer Maschine zur anderen zu verlagern." Das Direct Attached Storage-Konzept engte ein: Die Windows Rechner und AIX-Maschinen speicherten auf die internen Platten, die AS/400 und VAX waren proprietär mit dem Speicher verbunden. "Weil die Speicher-Ressourcen nicht geteilt werden konnten, musste beinahe 50% jeder Platte unbenützt bleiben. Das bedeutete auch den Verlust von 50% der Investitionen", sagt Sala. Auch das Backup hatte Schwächen: Es gab keine redundanten Datenpfade, zu geringe SCSI-Geschwindigkeit, wenig Flexibilität und kein zentralisiertes Management. Die Oracle Archive Logs, die für die Datenbankintegrität notwendig sind, waren Flaschenhals für die Performance und Produktivität des Baan-Systems. Diese wurde auch dadurch beeinträchtigt, dass die Performance des Systems kritische Batches zum Update des Warehouses nur einmal in der Woche durchgeführt wurden, man also keine Real Time Daten hatte.
Da alle Ferraris genau nach Kundenwunsch angefertigt werden, ist auch innerhalb einer Baureihe jedes Fahrzeug einzigartig. Es wurde notwendig, mehr als nur einen wöchentlichen Snapshot des Lagerstands zu bekommen, um die Produktionsprozesse zu optimieren.
Ferrari stellte auf zwei durch Glasfaser redundant verbundene Rechenzentren um. Das erste Datacenter mit einer IBM Shark F800 und einer IBM P670 wird durch zwei Brocade SilkWorm 3800 Switches verbunden. Im einen Kilometer entfernten zweiten Rechenzentrum werden eine IBM 3494 Tape Library, sowie ebenfalls eine P670 und eine F800 über zwei SilkWorm 12000 angebunden.
"Wir haben jetzt praktisch keinen unbenützten Speicherplatz mehr", sagt Sala. "Wir können Speicher just in time zu Verfügung stellen, ohne Downtime oder Auswirkungen auf die Service Levels." Es muss nicht mehr für jeden einzelnen Rechner ständig Speicher gekauft werden. "Wir kaufen künftig alle zwei Jahre einen großen Speicher, den wir dann zwischen den Windows- und den AIX-Rechnern aufteilen können." Über das SAN werden die Daten zwischen den beiden Rechenzentren repliziert. Beim Ausfall eines Datacenters können die User ohne Behinderung weiterarbeiten. Die Backup und Restore Performance wurde verbessert. Verbesserte Oracle Archive Log Geschwindigkeiten bringen auch bessere Baan Job Performance mit sich. Für den "Customization Control Process" bedeutet das verbesserte Rechenzeiten. Die wichtigen Baan Jobs laufen statt wöchentlich jetzt sogar mehrmals täglich. Damit hat Ferrari stets einen aktuellen Blick auf den Lagerstand und kann den Produktionsprozess beschleunigen und besser planen.
Aber keine Sorge: Gehudelt wird bei Ferrari wegen schnellerer IT noch lange nicht. Wem ein Blick in die heiligen Werkshallen gewährt wird, der sieht: Hier wird nach wie vor von Hand gearbeitet und auf Qualität gesetzt. Die Arbeiter der einzelnen Stationen haben 45 Minuten (oder wenn nötig eben mehr) Zeit. Bei Herstellern weniger schneller Autos versucht man diesen Wert wohl in Sekunden zu erreichen.




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8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 